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Kulmbach

Pfarrer und Poet

Die Mundartgeschichten und Gedichte von Hans Glenk sind weit über die Region hinaus bekannt. Darüber berichtet der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Ulrich Wirz.



Hans Glenk 1957. Foto: W. Schoberth
Hans Glenk 1957. Foto: W. Schoberth  

Münchberg/Melkendorf - Mit dem Pfarrer, Poeten und Mundartdichter Hans Glenk hat sich der jüngste Vortrag des Colloquiums Historicum Wirsbergense (CHW) in Münchberg befasst. Über Glenk referierte der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Ulrich Wirz. Hans Glenk war ein Onkel von Heinzleo Glenk, von 1965 bis 1977 Dekan in Münchberg. Sieben Jahrzehnte lebte Hans Glenk in Wirz’ Heimatort Melkendorf (Stadt Kulmbach), fünf Jahrzehnte wirkte er dort als Pfarrer.

Hans Glenk ist den älteren Bürgern in Melkendorf noch als leutseliger Herr bekannt. Die Glenks waren als Pfarrer in Melkendorf über mehrere Generationen tätig. Heute ist dort eine Straße nach Hans Glenk benannt. Er war aber nicht nur eine lokale Größe, sondern als Dialektforscher weit über die Grenzen hinaus bekannt. Seine heiteren Geschichten und Gedichte brachten viele Menschen zum Schmunzeln.

Viele Verkünder der lutherischen Lehre bedienten sich der regionalen Sprachen, sagte Referent Wirz. "Einer von ihnen war auch Pfarrer Hans Glenk." Schon 1942 seien in einer in Potsdam erschienenen Anthologie zwei seiner Mundartgedichte erschienen. Seine Geschichten und Gedichte legten einen bemerkenswerten Sprachreichtum an den Tag. Sie fänden auch in Fachkreisen Anerkennung und seien weit über Kulmbach hinaus verbreitet.

Wirz hat in den Kirchenbüchern nach den Glenks geforscht. Der Name trat erstmals im Jahr 1661 in Pegnitz bei einem Taufeintrag auf. Später bildeten die Glenks eine Metzger-, Bierbrauer- und Gastwirtsdynastie. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Glenk-Bier in Bronn bei Pegnitz, Kasendorf und Bayreuth gebraut. Die Spuren der Pfarrerdynastie führen zurück nach Burgkunstadt-Gärtenroth. Dort musste Johann Konrad Glenk 1839 die acht Jahre ältere Pfarrerstochter Sophie Eberhardine Schneider heiraten, weil ein Kind unterwegs war.

Der "Dichterpfarrer" Hans Christoph Glenk wurde am 3. Juli 1873 während der Vikarszeit seines Vaters in Kronach geboren. Seine Mutter Eva Margaretha Wirth stammte aus einer Stammbacher Gastwirts- und Bierbrauerfamilie. 1877 zog die Familie nach Melkendorf.

Hans Glenk wurde in Melkendorf eingeschult. Er war viel im Ort unterwegs. Bei seinen Streifzügen beobachtete er das Dorfleben genau, seine Erinnerungen flossen später in sein literarisches Schaffen ein. Zum Beispiel in eine Lausbubengeschichte, bei der der Pfarrerssohn am "Kerwesvormittog", als sein Vater zu lange über Kirchweihsünden predigte, eine Flinte lud und in die Predigt hineinschoss. Der Messner stolperte vor Schreck über den Blasebalg der Orgel und holte sich eine Beule am Schädel. Die Frau des Bürgermeisters glaubte, eine Kugel habe sie im Allerwertesten getroffen; es war aber ein Spreißel von der Kirchenbank.

1898 übernahm Hans Glenk in Kulmbach eine Pfarrstelle. 1903 heiratetet er Luise Bachmann. Weil Glenk noch kein regelmäßiges Einkommen hatte, musste ihm sein Schwiegervater, ein Brauereibesitzer aus Gern bei Eggenfelden, einen notariell beglaubigten jährlichen Zuschuss von 800 Mark zusichern. 1905 trat Hans die Nachfolge seines Vaters als Pfarrer in Melkendorf an.

Einen Einschnitt bedeutetete der Zweite Weltkrieg. Karl, der jüngste Bruder von Hans, fiel 1915 in Frankreich. 1916 musste Hans als Divisions-Feldgeistlicher zum Heeresdienst; er betreute Lazarette und Schwesternstationen. Die schlimmen Erfahrungen wirkten sich auf das dichterische Schaffen aus. So erschien bereits 1916 der Gedichtband "Krieg und Heimat". Appelle an Kampfeswillen und Opferbereitschaft sind hier nicht zu finden. Durch den Krieg litt Glenk an andauernder Nervosität, wegen der er in ärztlicher Behandlung war. Am 1. Juli 1931 erhielt er die Ehrenbürgerwürde und die Ehrenmitgliedschaft seiner Pfarrgemeinde.

Auch ehrenamtlich hat sich Glenk engagiert, so war er 1924 Mitbegründer des CHW. Ein Erlebnis 1928 ließ ihn auf Distanz zur Politik gehen. Wegen seines angeblich jüdischen Aussehens ist er auf dem Nachhauseweg von einem Autofahrer aus Neustadt bei Coburg attackiert worden, nachdem er ihm vorher noch den Weg nach Coburg erklärt hatte. Die SPD-Zeitung "Fränkische Volkstribüne" berichtete von einer "völkischen Rowdytat in Kulmbach". Von Hans Glenk sind aus der NS-Zeit keine politischen Äußerungen überliefert. Allerdings verlas er in den Sonntagsgottesdiensten die Namen der Melkendorfer Gefallenen, für jeden hielt er einen Trauergottesdienst. Der örtlichen NS-Gruppe gefiel das nicht.

Im Jahr 1941 bat Glenk, 68 Jahre alt, um seine Pensionierung, die ihm aber nicht genehmigt wurde. Er musste noch vier Jahre warten. Am 8. März 1961 starb Hans Glenk im Alter von 87 Jahren.

Autor

Helmut Engel
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Veröffentlicht am:
13. 01. 2020
17:18 Uhr

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Autor

Helmut Engel

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Veröffentlicht am:
13. 01. 2020
17:18 Uhr



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