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Kulmbach

Profitiert die Stadt vom Campus oder umgekehrt?

Die Wirtschaftsjunioren bremsen die Euphorie in Sachen Uni-Campus. Für langfristigen Erfolg brauche es Planungssicherheit und eine Steigerung der Standortattraktivität.



Kulmbach - Die siebte Fakultät der Universität Bayreuth wird in Kulmbach entstehen - das ist seit einigen Monaten in aller Munde. Und die Stimmen sind fast ausschließlich positiv. Die Kulmbacher Wirtschaftsjunioren bremsen jetzt die Euphorie und melden sich in einem Positionspapier zu Wort. Der Tenor: Um langfristig Erfolg zu haben, müsse das Errichten des Campus mit anderen Maßnahmen zur Erhöhung der Standortattraktivität Hand in Hand gehen.

Es werde immer wieder betont, wie gut der Campus für die Standortattraktivität ist - Kulmbach solle künftig nicht nur die Studentenscharen anziehen, sondern auch Fachkräfte und Arbeitgeber an den Standort locken. "Dabei stellt sich uns Wirtschaftsjunioren die Frage, ob der Campus wirklich die Attraktivität des Standorts Kulmbach in diesem Maße steigert oder ob nicht vielmehr die Attraktivität des Standorts Kulmbach die Voraussetzung für ein funktionierendes Campuskonzept bildet?", heißt es in der Mitteilung.

Die neue Fakultät für Lebenswissenschaften - Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit - der Uni Bayreuth sei innovativ ausgerichtet. Universitäre Fakultäten organisierten sich bislang um eine Disziplin, der Campus Kulmbach solle rund um den gesellschaftlich relevanten Themenkomplex interdisziplinär aufgebaut werden. In Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit sollen so drei Themenblöcke bespielt werden: Lebensmittelsicherheit, öffentliche Gesundheit und gesellschaftliches Umdenken

Mit einem Gesamtkonzept, dass sich im Etat über drei Doppelhaushalte erstreckt und, etwa über die Lebensmittelrechtsakademie, zusätzlich wirtschaftlich relevante Themen aufgreift, sei man langfristig ausgerichtet, sagen die Wirtschaftsjunioren. Doch um das theoretisch ausgefeilte Konzept auch erfolgreich in die Praxis umzusetzen, müssten noch einige Hürden überwunden werden.


Planungssicherheit: Die Etablierung einer Universitätsfakultät - und das auch noch bei einem innovativen Konzept wie dem der Fakultät für Lebenswissenschaften - erfordere langfristige finanzielle Sicherheit. Aktuell gebe es diese nur für je einen Haushalt, so dass die Umsetzung des Konzepts bei jeder Haushaltsentscheidung neu in Frage gestellt werden könne. Die Abhängigkeit von der politischen Unterstützung - und damit von den jeweiligen Mehrheiten - stellt nach Einschätzung der Wirtschaftsjunioren ein Risiko dar.


Standortattraktivität: Um den Campus mit Leben zu füllen, müssten Studenten, wissenschaftliche Angestellte und Professoren geworben werden. Hier befinde sich der Campus Kulmbach in gleichem Maße im Kampf um die Fachkräfte wie Unternehmen der freien Wirtschaft. "Ein innovatives Arbeits- und Lehrkonzept reichen dabei nicht aus, um den Standort Kulmbach attraktiv zu gestalten", teilen die Wirtschaftsjunioren mit. Ein Bibliotheks- oder Mensakonzept gehöre ebenso dazu wie die Bereitstellung von zukunftsfähigen Verkehrslösungen, attraktivem Wohnraum und ausreichend Betreuungsplätzen für Kinder. Außerdem stelle sich die Frage, wo Partner oder Partnerinnen unterkommen, wenn beide eine Karriere anstreben. Welche Unterstützungsmöglichkeiten könne die Region bieten, etwa über die Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken oder über Dienstleistungspartner?


Henne-Ei-Problem: "Der Aufbau des Campus kann nur Hand in Hand gehen mit weiteren Maßnahmen zur Förderung der Standortattraktivität, um Kulmbach für Studenten, aber auch grundsätzlich für Arbeitnehmer und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen", teilen die Wirtschaftsjunioren mit. Schließlich biete der Landkreis wirtschaftlich viel mehr als nur die Unternehmen aus dem direkten thematischen Umfeld der Lebenswissenschaften. Die Wirtschaftsstruktur sei breit gefächert: vom Maschinenbau über die Kunststoffverarbeitung, Textilien, technische Textilien, Vliesstoffe, technische Keramik, elektronische und optische Erzeugnisse bis zu Medizintechnik und Automotive. Die Anzahl der sogenannten Hidden Champions im Weltformat sei groß, die Innovationskraft ebenfalls. Ständig würden neue Produkte und Technologien entwickelt, die national und international vertrieben werden.


Risiken beachten: "Heute geltende Argumente, wie die hohe Lebensqualität in der Region, können langfristig nur bestehen, wenn wir für den Erhalt und Ausbau dieser Vorteile sorgen", heißt es im Positionspapier. Entstehe beispielsweise eine Verknappung an attraktivem Wohn- und Bauraum, so würden auch die Immobilienpreise steigen. Wenn also keine Anreize für den Unterhalt kultureller und gastronomischer Angebote oder den Einzelhandel geschaffen, würden weitere Lokale der Region schließen und die Fußgängerzonen der kleineren Städte verlören zunehmend an Anziehungskraft. "Der Campus ist eine hervorragende Chance, die wir als Stadt und Landkreis nutzen können und sollten. Jedoch ist es wichtig, den größeren Kontext dieser Aufgabe zu sehen", heißt es abschließend.

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
18:02 Uhr

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13. 08. 2019
18:02 Uhr



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