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Kulmbach

Rätselraten um den Funkturm

Bringt ein neuer Telekom-Mast in Schwarzach das ultraschnelle 5G-Netz? Gibt es Alternativen? Die Anwohner des Mainleuser Ortsteils wollen endlich Antworten.



Ähnlich wie dieser Funkturm in Kulmbach soll der Schwarzacher Mast in die Höhe ragen. Das neue Bauwerk wird mit 36 Metern die größten Bäume aber weit übertreffen. Foto: Stefan Linß
Ähnlich wie dieser Funkturm in Kulmbach soll der Schwarzacher Mast in die Höhe ragen. Das neue Bauwerk wird mit 36 Metern die größten Bäume aber weit übertreffen. Foto: Stefan Linß  

Mainleus - Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) baut im Auftrag ihres Mutterkonzerns, der Deutschen Telekom, die lokale Mobilfunkversorgung weiter aus. Auf ihrer Homepage verspricht die DFMG, dass durch den Einsatz hochmoderner kompakter Systemtechnik die erforderlichen Anlagen an die Umgebung angepasst werden. Optimal werde auf die örtlichen Gegebenheiten und die konkreten Bedürfnisse eingegangen. In den beiden Mainleuser Ortsteilen Schwarzach und Schmeilsdorf gibt es zahlreiche Anwohner, die an diesen Aussagen ihre Zweifel haben.

Die Bürger würden gerne mehr darüber erfahren, warum vor ihrer Haustüre mitten im Dorf ein 36 Meter hoher Funkmast gebaut werden soll. Der Turm zwischen Schwarzach und Schmeilsdorf ist auf einer Wiese hinter dem Sportplatz nahe eines Reiterhofs geplant. Er würde die größten Bäume leicht überragen und höher als der Kirchturm werden.

Keine Antworten: Die Frankenpost hat sich mit den Fragen an die DFMG gewandt, bislang aber ebenfalls keine Antworten darauf erhalten. Die Telekom will bei einer Bürgerversammlung am 19. März um 19.30 Uhr in der Schwarzacher Mehrzweckhalle die Anwohner informieren. Doch so lange wollen sich die Betroffenen nicht mehr gedulden.

Schon im Herbst 2018, als die ersten Pläne bekannt wurden, haben die Spekulationen in den Mainleuser Ortsteilen begonnen. Eine erste kleine Protestkundgebung gab es Anfang Februar, als der Bauantrag im Gemeinderat behandelt werden sollte. Die Entscheidung über den Antrag wurde vertagt. Die Anwohner äußerten sich kritisch. Mittlerweile ist ihre Geduld strapaziert, denn das Rätselraten geht seitdem weiter.

Leitmarkt für 5G: "Die Deutsche Funkturm ist ein transparenter Partner von Bürgern und Kommunen", so lautet die Selbsteinschätzung der DFMG. "Mit vorausschauender Planung unter Einhaltung der Grenzwerte haben wir uns einen guten Namen gemacht", schreibt das Unternehmen.

Wenn die Schwarzacher und Schmeilsdorfer wissen wollen, wohin die Reise geht, dann hilft ihnen womöglich die Bundesnetzagentur weiter. Dort heißt es, dass Deutschland Weltspitze bei der digitalen Infrastruktur und Leitmarkt für 5G werden soll. Nachdem die LTE-Mobilfunknetze der sogenannten vierten Generation ausgebaut worden sind, komme mit 5G nun der Nachfolger. Weil mit 5G die Daten ultraschnell übertragen werden können, seien innovative Dienste und Anwendungen wie das autonome Fahren oder das Internet der Dinge damit möglich.

Näher an die Nutzer: Weitere Details dazu nennt das Informationszentrum Mobilfunk, zu dem die Telekom gehört. Dort heißt es, dass für 5G zusätzliche Standorte erforderlich sein werden. Die Mobilfunkstandorte müssen außerdem näher an die Nutzer gebracht werden. Und es werden größere Antennen als bisher benötigt. "Die für den 5G-Ausbau notwendige Standortverdichtung stellt die Mobilfunkbetreiber in technischer und auch wirtschaftlicher Sicht vor neue Herausforderungen", sagt das Informationszentrum. "Die Bundesregierung empfiehlt, soweit es im Verantwortungsbereich der Kommune liegt, das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht für die Schaffung neuer Mobilfunkstandorte so auszulegen, dass Genehmigungen für einen privatwirtschaftlichen Breitbandausbau rasch erteilt werden."

Anwohner in der Offensive: Nach einer raschen Baugenehmigung sieht es in Mainleus derzeit nicht aus. Der Gemeinderat forderte zunächst weitere Informationen zu dem Projekt. Derweil gehen die Anwohner in die Offensive.

In einem aktuellen Schreiben an die Gemeinde teilen die Schwarzacher und Schmeilsdorfer mit, dass sie bestürzt und betroffen über das Vorhaben der Deutschen Funkturm GmbH sind. Die zu erwartende Strahlung mache den Bürgern die größten Sorgen.

Die Anwohner hoffen, dass bei der Informationsveranstaltung am 19. März auch Alternativen zum großen Funkturm aufgezeigt werden. "Denn alle anderen Aussagen und Informationen, egal von wem sie kommen, können uns angesichts des derzeitigen Wissensstandes in keinem Fall beruhigen", schreiben die Anwohner. Zu dem Thema gebe es viele konträre Meinungen, Gutachten und Rechtsprechungen. Die Bürger wollen auf keinen Fall bis zum 19. März untätig bleiben. Deshalb plant die Initiative ihrerseits Informationsveranstaltungen. Am 10. März um 19 Uhr führen die Anwohner in der Schwarzacher Mehrzweckhalle einen Film vor über die Hintergründe der Mobilfunktechnik. Am 14. März um 19 Uhr hält Jörn Gutbier von der Organisation "Diagnose: Funk" im Fränkischen Hof einen Vortrag über Risiken des Mobilfunks.

Die Bürgerinitiative wünscht sich einen offenen Dialog mit der Deutschen Funkturm GmbH und der Telekom mit dem Ziel, andere Standorte zu finden und möglichst geringe Immissionen zu erreichen. Womöglich könne ein Standort außerhalb der Ortschaften gefunden werden, der das Gemeindegebiet strahlenminimiert bei gutem Empfang versorgt.

Lücken im Netz: Bislang gibt es in dem westlichen Mainleuser Gemeindegebiet kleinere Mobilfunkmasten. Doch bei der bestehenden 3G- und 4-G-Technologie sind im Netz immer noch Lücken und Handys haben dort keinen Empfang. Die neue Antenne auf 36 Metern Höhe könnte über die Ortschaften hinaus einen weitaus größeren Bereich mit Mobilfunk versorgen. Anwohner in Wernstein und Veitlahm in drei bis fünf Kilometern Entfernung sind deshalb ebenfalls besorgt und haben sich der Bürgerinitiative angeschlossen.

Die Bürger betonen, dass sie einen guten Handy- und Internet-Empfang durchaus zu schätzen wissen. Sie fordern dabei aber eine echte Risikoprüfung, eine Vorsorge vor Strahlenbelastung und eine vorausschauende Standortwahl.

Der Kronacher Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner hat sich kürzlich am Rande eines Gemeindebesuchs in Mainleus zu dem geplanten Funkturm geäußert. Der Vorsitzende des Arbeitskreises für Wohnen, Bau und Verkehr der CSU-Fraktion fordert eine umfassende Diskussion. "Wenn wir 5G wollen, dann brauchen wir Masten", sagt er. Baumgärtner stellt fest, dass die Bevölkerung in den Dörfern rund um Kronach eher dafür ist, das Funknetz auszubauen. Dahinter stehe auch die Frage nach der Mobilität der Zukunft. 5G sei wichtig für das autonome Fahren. Der ländliche Raum dürfe von der Entwicklung nicht abgehängt werden.

Beispiel Nufringen: Streit um einen Antennenmast ist für die DFMG nichts Neues. In Nufringen im baden-württembergischen Landkreis Böblingen wollte das Unternehmen Ende 2018 einen 25 Meter hohen Mast in einem Wohngebiet errichten. Darüber berichtete die Kreiszeitung Böblinger Bote. Der Gemeinderat hat das Vorhaben abgelehnt mit der Begründung, dass die Bauweise nicht mit dem Baustil der übrigen Häuser harmoniert und das Ortsbild maßgeblich beeinflusst. Der Mast würde mehrere Meter über die Hausdächern ragen. Der Nufringer Gemeinderat hatte sich damals ähnlich wie jetzt die Mainleuser darüber beklagt, dass es kaum Informationen und viele offene Fragen zu dem Funkmast gibt.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
01. 03. 2019
17:16 Uhr

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Stefan Linß

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01. 03. 2019
17:16 Uhr



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