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Kulmbach

Randalierer im Zug

Ein Betrunkener greift Bahnmitarbeiter an, als diese ihn in Mainleus aus dem Zug werfen wollen. Die Polizei bittet um Mithilfe bei der Aufklärung.



Zivilcourage ist wichtig. Die kann man auch zeigen, wenn man sich nicht persönlich traut, in einen Streit einzugreifen. Handyaufnahmen beispielsweise sind nützlich, wenn es später darum geht, die Täter zu überführen. Foto: Bundespolizei
Zivilcourage ist wichtig. Die kann man auch zeigen, wenn man sich nicht persönlich traut, in einen Streit einzugreifen. Handyaufnahmen beispielsweise sind nützlich, wenn es später darum geht, die Täter zu überführen. Foto: Bundespolizei  

Kulmbach/Mainleus - An diese Zugfahrt werden sich alle, die den Vorfall miterlebt haben, sicher noch lange erinnern. Ein betrunkener Mann hat am Karfreitag im Regionalexpress RE 59315 randaliert und andere Fahrgäste angepöbelt. Als zwei Zugbegleiter den Mann zur Raison bringen wollten, griff der 39-Jährige beide Männer an. Einer der beiden Bahnmitarbeiter wurde dabei so schwer verletzt, dass er krankgeschrieben werden musste. Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können, wenn nicht ein couragierter Mitreisender eingegriffen hätte. Besonders ihn, aber auch andere Fahrgäste, die diesen Vorfall beobachtet haben, würde die Bundespolizei gern sprechen. "Dem mutigen Fahrgast würden wir gern danken", sagt Dieter Pfitzner von der Bundespolizeiinspektion in Selb.

Um 18.09 Uhr am Karfreitag war der Regionalexpress in Hochstadt gestartet. Der Zug bestand aus zwei Teilen, der vordere sollte später nach Hof weiterfahren, der hintere hatte Bayreuth zum Ziel. Der 39-jährige Mann, der im Raum Burgkunstadt zu Hause ist, hatte sich, wie Dieter Pfitzner sagt, im vorderen Teil aufgehalten. Wohin er fahren wollte, weiß man noch nicht. Sicher ist aber, dass er während der Fahrt kräftig aus einer mitgebrachten Flasche Schnaps trank und dabei immer wieder andere Fahrgäste anpöbelte.

Als schließlich die beiden Zugbegleiter dazukamen und den Mann beruhigen wollten, eskalierte die Situation. Schließlich kündigten die Mitarbeiter an, dass der Mann in Mainleus den Zug verlassen müsse. Der Betrunkene nahm zunächst seine Schnapsflasche und machte den Anschein, als würde er tatsächlich aussteigen. Doch plötzlich wandte er sich um, packte einen der Zugbegleiter und schubste ihn. Den anderen drückte er gegen die im Zug abgestellten Fahrräder. Beide Bahnmitarbeiter stürzten. Das war, wie Dieter Pfitzner berichtet, der Moment, als der bislang unbekannte Helfer eingriff. Der Mann zerrte den Randalierer von seinen beiden Opfern weg, die sich im Führerstand in Sicherheit bringen konnten. Als der Lokführer den inzwischen ausgestiegenen Unruhestifter auf dem Mainleuser Bahnsteig sah, verschloss er die Zugtüren. Doch damit zeigte sich der 39-Jährige gar nicht einverstanden: Er trommelte mit den Fäusten gegen die Türe und war immer noch in Rage, als schließlich Beamte der Polizei aus Kulmbach eintrafen und den Mann abführten.

Peter Hübner, Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion, beschreibt Vorfälle wie diesen als eher selten im Polizeialltag. Allerdings, räumt Hübner ein, zeige sich immer öfter, dass es in Bussen oder auch in Bahnen zu Respektlosigkeiten vor allem gegenüber dem Personal komme. Viele dieser Vorfälle würden aber gar nicht angezeigt. "Die Leute haben inzwischen eine relativ hohe Hemmschwelle, Anzeigen zu erstatten. Sie müssen sich einiges bieten lassen. Das gilt auch für Feuerwehrleute. Wir hören das immer wieder." Für Peter Hübner ist das ein Indiz, dass es in diesem Bereich eine recht hohe Dunkelziffer geben dürfte.

Der ganze Vorfall verursachte nicht nur der Polizei viel Arbeit und den Betroffenen einen gehörigen Schrecken. Der Regionalexpress konnte seine Fahrt erst mit 20-minütiger Verspätung fortsetzen.

Die Bundespolizei hat Ratschläge für kritische Situationen in Zügen oder in Bahnhöfen zusammengestellt. Die Regeln sollen zeigen, dass jeder Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht, Größe oder Körperbau, Hilfe leisten kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Es geht nicht darum, "den Helden zu spielen" - schon eine umsichtige Reaktion kann helfen. Den Notruf 110 zu wählen ist dabei das erste, was zu tun ist. "Schauen Sie nicht weg, seien Sie aufmerksam, sprechen Sie andere (mögliche) Helfende direkt an oder sagen Sie laut, dass Sie Hilfe organisieren. Dies kann bereits dazu beitragen, dass von dem Opfer abgelassen wird", ist einer der Ratschläge. Ein weiterer: "Beobachten Sie genau und prägen Sie sich Täter-Merkmale ein." Die Polizei ist auf Unterstützung angewiesen. Oft sind es kleine Details, die dazu beitragen, dass der Täter zur Verantwortung gezogen werden kann. Kein Opfer sollte nach einer Tat alleingelassen werden. "Kümmern Sie sich unverzüglich um verletzte Personen. Bitten Sie auch andere Personen um Unterstützung." Und schließlich eine Bitte: "Stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung. Mit Ihrer Aussage zum Geschehen tragen Sie dazu bei, dass die Straftat umfassend aufgeklärt werden kann."

Den 39-jährigen Randalierer aus dem Regionalexpress erwartet nun ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. Der couragierte Reisende und auch weitere Zeugen der Vorgänge im Zug und am Bahnhof in Mainleus werden gebeten, sich bei der Bundespolizeiinspektion Selb am Revier in Hof unter der Telefonnummer 09281140029-0 zu melden.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
24. 04. 2019
17:16 Uhr

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