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Kulmbach

Schönheit der Natur bewahren

Sieht so Naturschutz aus? Die 30 Teilnehmer einer Exkursion rund um Menchau staunten nicht schlecht, als sie zum Rand des Ordenbrunns kamen.



Bei einer Exkursion rund um Menchau lernten die Teilnehmer viel über die Vegetation in der Region. Fotos: Landratsamt
Bei einer Exkursion rund um Menchau lernten die Teilnehmer viel über die Vegetation in der Region. Fotos: Landratsamt   » zu den Bildern

Kulmbach - Pünktlich zum Start des naturkundlichen Spaziergangs, organisiert von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kulmbach (UNB), brach die Sonne durch die Wolken. Die Gruppe Naturinteressierter brach unter der Führung von Dr. Martin Feulner, Botaniker, und Dr. Kristina Schröter von der UNB zu einer kleinen Wanderung auf.

Dabei wurde besonders der Wechsel der Vegetation auf kleinstem Raum deutlich sichtbar. Zunächst ging es über den Aubach im kühleren, nährstoffreicheren Tal mit seiner typischen Vegetation. Hierzu zählen die nach Vanille duftende Mondviole oder der gerade zierlich weiß blühende Waldmeister. Feulner erläuterte wie die sogenannten Kalktuffmoose im Laufe der Jahre Kalk aus dem Wasser ausscheiden und so die für den Aubach typischen Sinterterrassen aufbauen.

Weiter am Anstieg zum Ordenbrunn erzählte Hermann Kraus, Ortssprecher in Menchau, über die verschiedenen Wege, die früher hinauf führten, vom alten Kalkbrennofen und der Bedeutung dieses Bereichs für die ganze Ortschaft.

Es folgte der Blick auf eine vermeintliche Katastrophe: Eine ganze Fläche junger Bäume abgeholzt und bis auf wenige Reste entfernt - und das soll Naturschutz sein? Ja - erklärten Dr. Karin Meißner und Dr. Kristina Schröter. Diese Maßnahme war notwendig, da die Bäume den letzten Rest der durch Beweidung entstandenen Kalkmagerrasen langsam aber sicher überwachsen hätten.

Diese Wacholderheiden entstanden in der Fränkischen Linie durch jahrhundertelange Weidewirtschaft, sind aber heute selten geworden. Sie bieten einer Vielzahl von spezialisierten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.

Die nördliche Frankenalb zählt deshalb zu einem der 30 wichtigsten "Biodiversitätshotspots" Deutschlands. So erstaunte es den ein oder anderen Besucher, dass auch hier bei uns der aus dem Mittelmeerraum stammende Thymian heimisch geworden ist. Ein Meer aus Schlüsselblumen und Waldanemonen, letztere intensiv nach Honig duftend, sind die ersten Vorboten einer im Laufe des Sommers von unzähligen, auch seltenen Pflanzenarten geprägten Blumenwiese. Diese sind wiederum Lebensgrundlage für viele seltene Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten wie der Jürgen Beck aus Thurnau erläuterte.

Er erklärte den faszinierenden Lebenszyklus eines Ameisenbläulings der ganz normal wie andere Raupen zunächst an Pflanzen frisst, je nach Schmetterling meist nur an einer Pflanzenart, um sich dann fallen zu lassen und von Ameisen in ihren Bau getragen zu werden um dort seinen Lebenszyklus auf Kosten seines Wirts zu beenden. Im Frühjahr fliegt der fertige Schmetterling aus.

Revierförster Fabian Kowollik und Schröter erläuterten die Notwendigkeit Robinien durch Ringeln bis ins Hartholz absterben zu lassen. So soll einem unkontrollierten Ausbreiten über Wurzelbrut sowie einer Anreicherung des Bodens mit Stickstoff vorgebeugt werden. Neben dieser fremden Baumart sind durch die in Teilen ehemalige Gartennutzung des Geländes weitere fremde Arten eingeschleppt worden. Diese werden nun nach und nach, auch mit Hilfe der neuen Eigentümer des Wohnhauses am Ordenbrunn, zurückgedrängt. Nach Jahren wurde nun im vergangenen Herbst auch die Beweidung und Pflege durch einen jungen Schäfer aus Alladorf wieder aufgenommen. So ziehen hier alle, Anwohner, Behörden und Marktgemeinde, gemeinsam an einem Strang um dieses Kleinod bei Thurnau zu erhalten.

Höhepunkt auf dem Rückweg war ein Innehalten an der Aubachquelle. Hier verlas eine gebürtige Menchauerin ein Gedicht: "Quellen-Fürbitte". Dieses hatte ihr Großvater bereits 1938 verfasst. Damals wie heute gilt: Gehen Sie mit offenen Augen durch unsere Natur - Gelegenheit hierfür gibt es bei vielen weiteren BayernTourNatur-Exkursionen: Infos unter www.tournatur.bayern.de.

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Veröffentlicht am:
16. 05. 2019
17:40 Uhr

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