Topthemen: Fall Peggy KnoblochFrankenpost-ChristkindNeue B15-AmpelHilfe für NachbarnStromtrasse durch die RegionGerch

Kulmbach

Sehnsucht nach mehr Rücksicht

Die Kulmbacher Polizei zieht nach drei Wochen Schulwegüberwachung eine durchwachsene Bilanz. Das Verhalten mancher Autofahrer zeugt von Eigensinn.



Einer parkt falsch und die anderen machen es nach. In der Hardenbergstraße ertappt die Polizei regelmäßig Autofahrer, die es mit den Regeln nicht ganz so genau nehmen. Foto: Stefan Linß
Einer parkt falsch und die anderen machen es nach. In der Hardenbergstraße ertappt die Polizei regelmäßig Autofahrer, die es mit den Regeln nicht ganz so genau nehmen. Foto: Stefan Linß  

Kulmbach - Die Sehnsucht sei groß nach mehr Rücksichtnahme. Zwei Drittel der Deutschen sehen Respekt als wichtigsten Wert im Leben an. Das hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos zusammen mit Zukunftsforscher Horst Opaschowski in einer aktuellen Umfrage herausgefunden. Wenn so viele Menschen für Rücksichtnahme und Respekt eintreten, dann sei das wie eine Gegenbewegung zu dem aggressiven Verhalten, das sich beispielsweise auf den Straßen abspielt, sagen die Forscher. Die Kulmbacher Polizei kann diesen Optimismus nicht ganz teilen. Verkehrssachbearbeiter Klaus-Peter Lang zieht nach drei Wochen Schulwegüberwachung ein durchwachsenes Fazit.

Es habe glücklicherweise keine Unfälle und keine schwereren Verstöße gegeben, sagt der Polizeihauptkommissar. Die Beamten der Polizeiinspektion Kulmbach kontrollierten schwerpunktmäßig den Straßenverkehr vor den Schulen, die Frankenpost berichtete. "Unter dem Strich hatten wir einige geringfügige Beanstandungen", erklärt Klaus-Peter Lang. Im Großen und Ganzen sei er zufrieden. Wenn da nicht die vielen Unbelehrbaren wären.

Dass Autofahrer an unübersichtlichen Stellen anhalten und Verbote ignorieren, sei schon sehr weit verbreitet, stellt der Verkehrssachbearbeiter erneut fest. Die berühmt-berüchtigten Elterntaxis fahren ihre Kinder bis vor die Schule und provozieren damit gefährliche Situationen. Die damit verbundene Problematik sei bei vielen bislang überhaupt nicht angekommen. Auch wenn es die Verkehrssituation gar nicht hergibt, werde einfach angehalten, um andere ein- oder aussteigen zu lassen. "Jeder hat es eilig und jeder ist sich selbst der nächste", sagt der Polizeihauptkommissar.

Das zeige sich nicht nur auf den Schulwegen, sondern auch vor Geschäften, Banken oder Bratwurstbuden. Der Autofahrer hält direkt davor an, um dort seine Besorgungen zu machen. In der Innenstadt gehören zugestellte Gehsteige, Radwege und Zufahrten zum alltäglichen Straßenbild. Dass Halteverbote bewusst nicht beachtet werden und in zweiter Reihe geparkt wird, stellt die Polizei dort häufig fest.

Auch das Hansaviertel in Kulmbach, besonders die Kreuzung zwischen Finanzamt und Hallenbad, ist einer der Brennpunkte. Dort ereignen sich regelmäßig brenzlige und strittige Verkehrssituationen. Autofahrer blockieren Parkplätze, Lastwagen nutzen schraffierte Linien als Stellmöglichkeiten.

Wer auf sein Fehlverhalten angesprochen wird, reagiere in den meisten Fällen mit der Standardausrede, stellen Klaus-Peter Lang und seine Kollegen fest. Man habe doch nur ganz kurz gehalten und sei danach ja sofort wieder weg. "Wenn jeder so denkt, dann haben wir ein Problem", sagt der Verkehrssachbearbeiter.

Ein einziger Autofahrer, der seinen Wagen falsch positioniert, reiche nämlich schon aus. "Dann stellen sich in kürzester Zeit andere dazu", beobachtet der Polizeihauptkommissar. Jeder berufe sich auf das Verhalten des anderen, es dauere nicht lange und der Straßenrand sei zugeparkt. Dabei entstehen Engstellen und unübersichtliche Situationen wie sie in der Hardenbergstraße und in der Georg-Hagen-Straße täglich zu beobachten sind.

Genau diejenigen, die für sich gerne solche Ausnahmen und Sonderrechte in Anspruch nehmen, greifen hingegen sofort zum Telefon, wenn daheim vor der Einfahrt ein fremdes Auto steht. Dieses Verhalten sei vergleichsweise häufig zu beobachten, sagt der Verkehrssachbearbeiter. Über die Gründe kann Klaus-Peter Lang nur spekulieren.

In Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung sind die Grundregeln festgehalten. Dort heißt es: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

Einfacher wäre es wohl, nach den Regeln zu leben. "Uns geht es darum, ein Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen", betont Klaus-Peter Lang. Die Polizei wolle nicht den Autofahrern an den Geldbeutel, sondern appelliere an die Einsicht.

Gegenseitige Rücksichtnahme wäre schon schön, wünscht sich der Verkehrssachbearbeiter. Aufeinander aufpassen, statt aufeinander losgehen. Und nicht immer auf sein Recht pochen, sondern ruhig mal zurückstecken und dem anderen den Vortritt lassen. Wer mit dieser Einstellung am Straßenverkehr teilnimmt, der könne viele Situationen entschärfen.

Autor

Stefan Linß
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
18:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autofahrer Meinungsforschungsinstitute Polizei Polizeihauptkommissare Polizeiinspektion Kulmbach Sehnsucht Sonderrechte Straßenverkehr Zukunftsforscher
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ein Auto ist mit dem blauen, europäischen Behinderten-Parkausweis hinter der Windschutzscheibe auf einem der Behinderten-Stellplätze am Klinikum abgestellt. Ob der Fahrer einen behinderten Menschen zum Krankenhaus gefahren hat oder abholt, ist für die Polizei nicht ersichtlich. Foto: Gabriele Fölsche

09.07.2018

Das Rollstuhl-Symbol soll Wege verkürzen

Behinderte Menschen genießen im ruhenden Verkehr Sonderrechte. Doch oftmals sind diese speziellen Parkplätze widerrechtlich von rücksichtslosen Fahrern belegt. » mehr

Die Kulmbacher Verkehrspolizisten beteiligen sich wie in den Vorjahren am bundesweiten Blitzmarathon. Unser Bild zeigt die Beamten an der B 85 bei Leuchau. An dem Standort wollen sie auch während der heutigen Aktion die Laserpistole aufbauen. Foto: Stefan Linß

17.04.2018

13 Messstationen in 24 Stunden

Die Polizei rät, den Fuß vom Gas zu nehmen. Nicht nur zum heutigen Blitzmarathon überwachen die Beamten die gefährlichsten Straßen im Landkreis Kulmbach. » mehr

Das Geld ist weg, die Ware aber nicht da: Meistens sind es Auktionshaus-Betrügereien, die Bürger online anzeigen. Foto: Adobe Stock

06.09.2018

Nur sechs Fälle für die Online-Wache

Opfer von Kleinkriminalität können seit Februar bei bestimmten Delikten auch im Internet Anzeige erstatten. Im Kulmbacher Land nutzt kaum jemand den Service der Polizei. » mehr

Der Gehweg vor dem Büttnerdenkmal wird von Autofahrern gern als alternativer Parkplatz genutzt. Nebenan in der Oberen Stadt sieht es nicht anders aus.

20.12.2017

Die Innenstadt ein Paradies für Falschparker

Kurz vor Weihnachten nimmt der Verkehr in der Innenstadt groteske Züge an. Hemmungslos parken Autofahrer auf allen freien Flächen, am liebsten auf dem Gehsteig. » mehr

Sie wurden für eine langjährige Schulweghelfertätigkeit geehrt. Mit dabei auch Gebhard Greitl, der seit 18 Jahren seinen Dienst an der Volksschule Ziegelhütten versieht und Anneliese Schmidt, die seit 28 Jahre als Schulweghelferin für die Max-Hundt-Schule tätig ist. Foto: Werner Reißaus

17.07.2018

Damit die Kinder sicher zur Schule kommen

307 Frauen und Männer verrichten im Landkreis Kulmbach als Schulweghelfer ihren Dienst. Einige davon hatte die Kreisverkehrswacht zu einer Feierstunde eingeladen. » mehr

Feuerwehr

17.07.2018

Großeinsatz in Kulmbacher Druckerei

Es war ein Schreckensmoment für die Nachtschicht in der Kulmbacher Druckerei Baumann. Gegen 23.30 Uhr am Montag bemerkte die Belegschaft, dass aus einer der Druckmaschinen Rauch drang. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weihnachtsfeier der Grundschule Naila

Weihnachtsfeier der Grundschule Naila | 12.12.2018 Naila
» 8 Bilder ansehen

2000er-Party in Schwingen

2000er-Party in Schwingen | 09.12.2018 Schwingen
» 80 Bilder ansehen

Fan-Stammtisch Selber Wölfe

Fan-Stammtisch Selber Wölfe | 11.12.2018 Selb
» 44 Bilder ansehen

Autor

Stefan Linß

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
18:18 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".