Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Kulmbach

Sexueller Übergriff nach Blütenfasching

Das Landgericht kassiert den Freispruch des Amtsgerichts Kulmbach. Es hält die Belastungszeugin für uneingeschränkt glaubwürdig und spricht einen 35-Jährigen schuldig.



Sexueller Übergriff nach Blütenfasching
Sexueller Übergriff nach Blütenfasching  

Bayreuth/Kupferberg - Ein bleicher, niedergeschlagener Angeklagter, eine zitternde Belastungszeugin: Das Landgericht hat am Donnerstag einen 35-jährigen Mann aus dem Landkreis Kulmbach des sexuellen Übergriffs schuldig gesprochen und den erstinstanzlichen Freispruch des Kulmbacher Amtsgerichts aufgehoben.

Die Berufungsverhandlung in dem Fall hatte zwei Prozesstage mit jeweils langer und aufwendiger Beweisaufnahme in Anspruch genommen. Nun der Urteilsspruch: Die 25-jährige Belastungszeugin, die den Angeklagten eines sexuellen Übergriffs in einer Wohnung in Kupferberg bezichtigt hatte, ist nach Meinung der Berufungskammer unter Vorsitz von Werner Kahler ohne jeden Zweifel glaubwürdig.

Den sexuellen Übergriff beging der Angeklagte demnach am 26. Februar 2017 im Anschluss an den Kupferberger Blütenfasching - eine Kultveranstaltung im Oberland. Dort traf er auf eine junge Frau, mit der er einmal eine Beziehung gehabt hatte. Diese Frau hatte ein befreundetes, frisch verheiratetes Ehepaar aus dem Landkreis Bayreuth zu Besuch. Das Ehepaar sollte bei der Freundin in Kupferberg übernachten. Auf der Faschingsveranstaltung wurde auch der angetrunkene Angeklagte zum Nächtigen eingeladen.

Laut dem Urteil verließen der Angeklagte, das Ehepaar und die Gastgeberin den Blütenfasching und wollten in dem Haus der Gastgeberin vor dem Schlafengehen noch etwas essen. Die Hauptbelastungszeugin befand sich mit dem Angeklagten alleine in der Küche und wollte gerade aus einem Oberschrank Teller herausholen, als der Angeklagte ihr von hinten unter den Rock ans Höschen fasste. Die Frau drehte sich um, stieß den Angeklagten weg und sagte "Lass das". Worauf dieser nun von vorne ein zweites Mal zulangte. Der gerade zur Küchentüre hereinkommende Ehemann ging auf den Angeklagten los und prügelte ihn so heftig zusammen, dass er sich die Hand brach.

Vermutlich war die verspätete Anzeigeerstattung durch das begrapschte Opfer ein Grund, warum das Amtsgericht in Kulmbach sich nicht zu einer Verurteilung durchrang: Denn die Anzeige wegen des Begrapschens folgte erst auf die Anzeige des Angeklagten wegen Körperverletzung.

Doch eine Retourkutsche schloss das Landgericht aus: Schon die nach Kupferberg gerufenen Sanitäter hatten gehört, dass die Schlägerei entstand, weil jemand "begrapscht" wurde. Auch der Arzt, der die gebrochene Hand des Ehemanns tags darauf behandelte, bezeugte: Der Patient habe berichtet, seine Frau sei "angefasst" worden. Wesentlich für die Berufungskammer war jedoch die spürbare emotionale Regung des Opfers bei ihrer Aussage im Gericht und bei einer Art Gegenüberstellung, die der Vorsitzende veranlasste: "Noch selten habe ich erlebt, wie jemand von einem anderen Menschen mit jeder Faser seines Körper wegwollte."

Das Gericht verhängte eine zehnmonatige Bewährungsstrafe, zudem 1500 Euro Geldauflage und 150 Stunden Arbeitsauflage.

Staatsanwalt Jan Köhler hatte 13 Monate auf Bewährung beantragt, Verteidiger Wolfgang Schwemmer Freispruch. Ob er in Revision geht, ist noch nicht entschieden.

Autor

Manfred Scherer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
17:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amtsgerichte Angeklagte Ehegatten Ehepartner Frauen Freunde Kultveranstaltungen Landgerichte Sexualität Sexuelle Belästigung
Bayreuth Kupferberg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ein Ehepaar aus Weidmes wird seit Jahren von Nachbarn drangsaliert. Doch die Staatsanwaltschaft stellt Anzeigen immer wieder ein.

29.10.2019

Oberfranken

Tote Ratten vor der Tür: Paar fühlt sich von Nachbarn terrorisiert

Rattenköpfe vor der dem Haus, blockierte Parkstreifen, unflätige Bemerkungen und Anzeigen bei der Führerscheinstelle: In Weidmes im Landkreis Kulmbach tobt ein besonders hässlicher Nachbarschaftsstreit. » mehr

Steuer-Mann Roman Liebig ist in arger Bedrängnis. Vier Frauen schalten auf Eroberungs-Modus. Im Bild (von links) Uta Lau, Ina Fehn, Barbara Hahn, Markus Wachter und Marion Herold. Fotos: privat

27.09.2019

Vergnügliches zum Saisonauftakt

Der Schauhaufen startet mit zwei Einaktern in die Saison 2019/2020. Premiere ist am 2. Oktober. » mehr

Selbst hautnahe Begegnungen zwischen Klaus und Anna führen nicht zu einem Happy End.

06.05.2019

Eine ganz unmögliche Freundschaft

"Können Männer und Frauen nicht einfach so befreundet sein?" Auch das Frankenwald-Theater hat diese Frage in ihrer neuen Komödie nicht beantworten können. » mehr

Der Höhepunkt des Festabends "60 Jahre Freundeskreis" der Evangelischen Akademie Tutzing, die Verleihung des "Freundeskreiszeichens" an das Ehepaar Waltraud und Dr. Bernd Matthes. Von links Dekan Thomas Kretschmar, Landrat Klaus Peter Söllner, Dr. Bernd Matthes, OB Henry Schramm, Waltraud Matthes, Andrea Schramm, Vorsitzende Brigitte Grande, Synodale Christina Flauder und Direktor Udo Hahn.

13.10.2019

60 Jahre Wissen vermittelt

Der Kulmbacher Freundeskreis Evangelische Akademie Tutzing feierte sein 60-jähriges Bestehen. Dabei wurden Waltraud und Bernd Matthes für ihr Engagement ausgezeichnet. » mehr

Die oft wechselnden Bewohner der Obdachlosenunterkunft in der Kulmbacher Hermann-Limmer-Straße sind immer wieder für Schlagzeilen gut. Jetzt sind zwei Männer festgenommen, die verdächtigt werden, einen Mitbewohner regelrecht gefoltert und dabei schwer verletzt zu haben. Foto: Melitta Burger

26.09.2018

Gewaltexzess eines Gequälten

Prozess am Landgericht: Ein 28-Jähriger soll einen Mitbewohner in einer Obdachlosenwohnung in Kulmbach brutal misshandelt haben. » mehr

Die Halter der Rottweiler, die in Ziegelhütten einen neunjährigen Jungen gebissen und schwer verletzt hatten, dürfen in Bayern keine Hunde mehr halten oder betreuen. Das Verwaltungsgericht Bayreuth bestätigte einen Bescheid, den die Stadt Kulmbach erlassen hatte.

09.10.2019

Es bleibt beim Haltungsverbot

Das Ehepaar, dessen Rottweiler in Ziegelhütten ein Kind gebissen hatten, darf keine Hunde mehr halten, sagt das Verwaltungsgericht. Zu Ende ist das Verfahren aber noch nicht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

töpfermarkt

töpfermarkt | 06.12.2019
» 16 Bilder ansehen

2000er-Party Susi Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 30.11.2019 Weißenstadt
» 49 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Lindau

Selber Wölfe - EV Lindau | 06.12.2019 Selb
» 31 Bilder ansehen

Autor

Manfred Scherer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
17:42 Uhr



^