Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Kulmbach

So war der Schulanfang in der "guten alten Zeit"

Ranzen, Tafeln, Schreibmaschinen: Wie der Herr Lehrer den Mädchen und Buben einst Einmaleins und Abc beibrachte, kann man im Dorfschulmuseum Ködnitz erleben.



Die Tafel war einst unverzichtbar, wie das Ködnitzer Dorfschulmuseum dokumentiert. Günter Wild, früher selbst Lehrer, ist Initiator, Gründer, Leiter, Museumsführer und Vorsitzender des Trägervereins in einer Person.	Foto: shf
Die Tafel war einst unverzichtbar, wie das Ködnitzer Dorfschulmuseum dokumentiert. Günter Wild, früher selbst Lehrer, ist Initiator, Gründer, Leiter, Museumsführer und Vorsitzender des Trägervereins in einer Person. Foto: shf  

Ködnitz - Die letzten Schüler haben sich gerade verabschiedet. Einige haben ihre Mützen an der Garderobe vergessen. Überall riecht es nach frisch geölten Bodendielen. Auf den Pulten liegen noch Griffel und Schiefertafeln. PCs, Tabletts und Smartphones sucht man hier vergebens, Schüler allerdings auch, denn hier geht es um ein Museum, genauer gesagt das Dorfschulmuseum in Ködnitz.

Öffnungszeiten

Das Dorfschulmuseum hat die Adresse Ködnitz 6. Es ist von April bis Oktober immer an den Sonn- und Feiertagen zwischen 14 und 16 Uhr, sowie ganzjährig nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Telefon: 09221/1529.

Weitere Information im Internet: www.dorfschulmuseum.de


"Die Dorfschulen sind verschwunden", sagt Günter Wild. Der frühere Lehrer ist nicht nur Vorsitzender des Trägervereins Dorfschulmuseum Ködnitz, der 78-Jährige ist auch Initiator, Gründer, Leiter und Museumsführer. Ihm ist es zu verdanken, dass nicht nur das Gebäude, sondern auch das Inventar erhalten werden konnte. Denn 1985, als die Witwe des letzten Dorflehrers Herbert Zapf auszog, rollten schon die großen Müllcontainer an, um alles das zu entsorgen, was heute teilweise in Vitrinen ausgestellt wird. Günter Wild konnte das gerade noch verhindern.

Die Dorfschule geht zurück bis zur Zeit der Reformation. Fast 500 Jahre lang hatte sie Bestand - bis zur großen Schulreform im Jahr 1969. Im korrekten Behördendeutsch "einklassige Landschule" genannt, wurden hier alle Kinder von der ersten bis zur achten Jahrgangsstufe zusammen unterrichtet.

Die Schule sei aber über die Jahrhunderte hinweg viel mehr, als nur eine Bildungseinrichtung gewesen, sagt Günter Wild. Die Schule war der kulturelle Mittelpunkt der Ortschaften, gerade in kleinen Dörfern wie Ködnitz, die keine eigene Kirche besitzen. Deshalb auch der außergewöhnliche Baustil, für den auch die, 1861 eröffnete Ködnitzer Schule steht. Sie hat ihren Platz mitten im Dorf, ist in einem hoch aufragenden und nobel wirkenden Sandsteinbau untergebracht. Günter Wild spricht vom "Herrenhauscharakter".

Einfach sei es damals nicht gewesen, alle Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Ködnitz ein Dorfschulmuseum braucht, erinnert sich Günter Wild. Der Gemeinderat habe das Vorhaben zunächst sogar abgelehnt. Trotzdem folgte 1993 die feierliche Einweihung. Heute ist die Einrichtung ein beliebtes Ziel sowohl von Schulexkursionen als auch von Seniorenausflügen.

Im Zentrum des Museums steht der große Lehrsaal. Kaum zu glauben, dass hier mal bis zu 120 Kinder Platz fanden. 1969 im letzten Ködnitzer Schuljahr waren es immerhin noch 40. Liebevoll und mit großer Sorgfalt für Details gibt es hier alles zu bestaunen, was zum Schullalltag irgendwie gehörte. Schulranzen, Schiefertafeln, Schreibmaschinen, ein Globus, Griffel, Liederbücher, Tintenbehälter. Sogar ein historisches Steingraeber-Klavier steht an der Wand und daneben hängt ein Bild von Heinrich Lübke, der bis 1969 Bundespräsident war. "Wir wollen ein lebendiges Museum sein, deshalb ist alles so eingerichtet worden, wie es uns die letzte Ködnitzer Schüler berichteten", so Günter Wild.

Im Treppenhaus sind viele der damals typischen Schulwandbilder zu sehen, gemalte großformatige Abbildungen und Illustrationen von technischen Dingen wie Landmaschinen bis hin zu Abbildungen aus den klassischen deutschen Märchen. Im Lehrerzimmer ist die gesamte Bücherei untergebracht, ebenso Dokumente zum Schullalltag. Ein Stockwerk höher widmet man sich der Entwicklung des Schriftbildes, alte Singer- und Pfaff-Nähmachinen erinnern an den Handarbeitsunterricht und in einer Vitrine sind Spielsachen der Bauernkinder zu sehen, die sich im Prinzip gar nicht groß von heutigen Playmobil-Figuren unterscheiden.

Das Schulhaus war zugleich auch das Wohnhaus des Dorflehrers, der mit seiner Familie im unteren Stockwerk lebte. Im Nebengebäude waren das Waschhaus, die Holzlege und sogar ein Ziegenstall untergebracht. "Der Lehrer war Imker, Obstbauer und er hatte sogar einen Hektar Ackerland", erläutert Günter Wild.

Autor

Stephan Herbert Fuchs
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 09. 2020
17:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dorfschulmuseum Ködnitz Heinrich Heinrich Lübke Imker Kinder und Jugendliche Landwirtschaftliche Geräte und Landmaschinen Mädchen Reformation der christlichen Kirchen Schreibmaschinen Schulanfang Schulen Schülerinnen und Schüler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Notizenbuch der Volksschule Ködnitz aus dem Schuljahr 1872/73 stellt Günter Wild fest, dass es auch damals Epidemien gegeben hat. Foto: Werner Reißaus

14.06.2020

Dorfschulmuseum wieder auf

Günter Wild ist beim Stöbern auf interessantes Material gestoßen. Epidemien gab es in Schulen auch vor 150 Jahren. » mehr

Ob mit Einhorn oder anderer Deko: Einmal im Jahr, so wieder am nächsten Dienstag, haben Schultüten Hochkonjunktur. Und sie werden auch in Kulmbach das Straßenbild bunt färben. Foto: Christian Charisius/dpa

03.09.2020

So starten die Schulen am Dienstag

Auch unter den Vorzeichen von Corona: Nächste Woche beginnt im Landkreis Kulmbach wieder der Unterricht. » mehr

Schule

19.08.2020

Leichtsinn gefährdet Schulanfang

Nur wenn die Infektionszahlen im Griff sind, kann im September die Schule normal losgehen. Die Entwicklung stimmt die Behörden besorgt: Im Landkreis steigt die Fallzahl. » mehr

Das Schulhaus, eingebettet in einen Garten, in dem auch die Schüler selbst viel mitarbeiten. Mehrere Gebäude stehen auf dem Schulgelände.

17.09.2020

Die Schülerzahlen steigen wieder

Der 40. Geburtstag hätte an der Waldorfschule in Wernstein eigentlich groß gefeiert werden sollen. Doch Corona hat der Schule, wie vielen anderen auch, einen Strich durch die Rechnung gemacht. » mehr

Die Mund-Nase-Maske gehört, wie hier im Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach, für die ersten neun Tage zum Alltag. Trotz anderer Befürchtungen verlief der Schulstart bislang aber ohne Probleme wegen der Maskenpflicht. Foto: Christian Weidinger

11.09.2020

Gelungener Start mit Maske

Die Befürchtungen waren groß vor dem Start ins neue Schuljahr. Masken und Mindestabstand im Unterricht - kann das funktionieren? Die Erfahrungen aus der ersten Schulwoche mit Maske. » mehr

Ludwig Weilbacher

02.09.2020

Die Maske: Alibi oder Notwendigkeit?

Ein Spagat zwischen Gesundheit und "normalem" Schulbetrieb: Ehemalige Pädagogen aus dem Kulmbacher Land sehen die Maskenpflicht an Schulen mit gemischten Gefühlen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Dachstuhlbrand in Helmbrechts Helmbrechts

Dachstuhlbrand in Helmbrechts | 24.10.2020 Helmbrechts
» 24 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. Selb

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. | 23.10.2020 Selb
» 47 Bilder ansehen

Autor

Stephan Herbert Fuchs

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 09. 2020
17:28 Uhr



^