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Kulmbach

Sozialarbeiter sollen noch in diesem Jahr beginnen

Möglichst noch im Herbst soll das Projekt Streetwork in Kulmbach starten. Die Verantwortlichen versprechen sich sehr viel davon und arbeiten schon am Konzept für den Einsatz.



Schmierereien und andere Sachbeschädigungen verursachen in Kulmbach jedes Jahr immense Schäden. Die Hochwasser-Schutzmauern in der Blaich sind da nur ein Beispiel. Auch in diesem Bereich versprechen sich die Verantwortlichen Entlastung durch die Streetworker. Foto: Stefan Linß
Schmierereien und andere Sachbeschädigungen verursachen in Kulmbach jedes Jahr immense Schäden. Die Hochwasser-Schutzmauern in der Blaich sind da nur ein Beispiel. Auch in diesem Bereich versprechen sich die Verantwortlichen Entlastung durch die Streetworker. Foto: Stefan Linß  

Kulmbach - Peter Hübner, Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, ist begeistert, dass sich bald schon Streetworker um die jungen Leute in der Stadt kümmern, die auf öffentlichen Plätzen feiern und trinken, die pöbeln, Sachbeschädigungen begehen und negativ auffallen. "Wir finden es hervorragend, dass diese Entscheidung getroffen wurde. Wir haben ein ganzes Klientel, das sich nicht so verhält, wie wir uns das wünschen würden. Streetworker haben ganz andere Möglichkeiten als die Polizei, diese jungen Leute zu begleiten und mit ihnen in Kontakt zu kommen." Die Grundlagen sind bereits geschaffen. Stadt und Landkreis haben sich über die Rahmenbedingungen geeinigt. Zwei Halbtagskräfte sollen eingestellt werden, am besten ein Mann und eine Frau, sagt Simon Ries von der Stadt Kulmbach. Ideal wäre es seinen Aussagen zufolge, wenn das Projekt noch in diesem Jahr, am besten vor dem Winter, starten könnte.

Stark gemacht für den Einsatz von Streetworkern hat sich Oberbürgermeister Henry Schramm. Immer wieder war es an bestimmten Brennpunkten in der Stadt, vor allem rund um den Busbahnhof, aber auch in Parkhäusern, zu Ärger und auch zu Polizeieinsätzen gekommen. "Wir müssen auf diese Jugendlichen, die offensichtlich Probleme haben, aktiv zugehen und ihnen Hilfen anbieten, damit sie wieder in die Spur kommen." Mit dem neuen JUZ, dem Soccer-Court und den Streetworkern solle ein rundes, erweitertes Paket im Bereich der Jugendarbeit geschnürt werden, das auch die erreicht, die am Rand stehen. "Wir sind optimistisch, dass das Projekt Streeetwork gut laufen wird", betont Simon Ries. Nachdem die Eckdaten verhandelt und beschlossen sind, werde jetzt bereits am Konzept gearbeitet. Gemeinsam mit Stadt, Landkreis, dem Kreisjugendring, dem BRK und natürlich auch der Polizei soll festgelegt werden, zu welchen Zeiten die Streetworker am besten tätig werden und wo sie eingesetzt werden sollen.

Peter Hübner von der Polizei nennt als erstes das gesamte Areal rund um den Busbahnhof. Mit Blick auf den Soccer-Court betont er, dass nicht diejenigen Probleme machen, die dort Fußball spielen. "Es sind eher die, die daneben sitzen." Ein weiterer Brennpunkt sei freitags und samstags in der Nacht in der Oberen Stadt. Immer wieder müsse die Polizei dort einschreiten, weil junge Leute über die Stränge schlagen. Peter Hübner vertritt die Ansicht, dass diese Jugendlichen Ansprechpartner brauchen, denen sie sich anvertrauen können. Das könne die Polizei in diesem Sinne nicht bieten. "Wir müssen anzeigen, sobald uns eine Straftat bekannt wird." Das sei natürlich nicht die beste Grundlage, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Das könnten jetzt die Streetworker übernehmen.

Die Videoüberwachung an bestimmten Brennpunkten, zum Beispiel am Busbahnhof, aber auch in der Parkhäusern, habe in der Basteigasse bereits Wirkung erzielt. Seit die Kameras laufen, habe es dort keine Sachbeschädigungen mehr gegeben, das Partyvolk sei abgezogen. "Jetzt können die Leute das Parkhaus wieder ganz entspannt nutzen, wenn sie ihr Auto abstellen wollen."

Peter Hübner ist natürlich bewusst, dass sich Problembereiche einfach verlagern, wenn es den jungen Leuten an ihren bisherigen Treffpunkten zu ungemütlich wird. Auch Jahreszeiten spielen eine Rolle. Aber die Streetworker werden das, sagt Hübner, schnell merken und können dann reagieren.

Jürgen Dippold, Kreisgeschäftsführer beim BRK Kulmbach, steht voll und ganz hinter dem Projekt, das nun bald mit Mitarbeitern startet, die beim BRK angestellt werden. Streetwork, sagt er, sei eine notwendige Einrichtung. Im Rahmen der aufsuchenden Sozialarbeit könne man die Jugendlichen, die sich an Brennpunkten in der Stadt aufhalten, am besten betreuen. "Unser Ziel ist es, da anzusetzen, wo es ‚brennt‘. Wir wollen individuell auf die betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zugehen und sie möglichst in ihrer jeweiligen Situation abholen." Es gebe ganz unterschiedliche Ansätze, wie es gelingen soll, Kontakte zwischen den Sozialarbeitern und den jungen Leuten zu knüpfen, sagt Dippold. In jedem Fall geht es darum, längerfristige Kontakte zu schaffen, persönliche Beziehungen aufzubauen. Geeignete Sozialarbeiter müssen dafür gefunden werden. "Es wird sicher so anfangen, dass sich die beiden Seiten erst einmal über eine längere Phase hinweg aufeinander zu bewegen." Sobald ein Band geknüpft ist, könne dann in einer längerfristigen Betreuung die eigentliche Arbeit begonnen werden. Das könne sowohl zwischen dem Streetworker und seinem Klienten direkt geschehen. Es sei aber auch möglich, dass die jungen Leute an geeignete Einrichtungen überwiesen werden. In jedem Fall gehe es darum, den Betroffenen dabei zu helfen, ihr Leben wieder auf solide Beine zu stellen.

Auch Erwachsene sollen in die Arbeit der Streetworker mit einbezogen werden, kündigt Jürgen Dippold an. Es gehe grundsätzlich darum, Probleme bewusst zu machen, sie zu analysieren und dann in der Betreuung Hilfen anzubieten. Der Geschäftsführer des Kulmbacher BRK betont: Jeder Einzelfall ist uns wichtig. Wir wollen keine Pauschalbetreuung machen und auch nicht nach dem ‚Gießkannenprinzip‘ arbeiten, sondern möglichst jeden erreichen und ihn da abholen, wo er gerade steht." Die jungen Leute, die in der Stadt immer wieder für Ärger sorgen, befinden sich laut Jürgen Dippold oft in Ausnahmesituationen. Aus denen wieder herauszukommen, dabei sollen die Streetworker helfen. Zuständig für die Sozialarbeiter, die nun für den Bereich Streetwork in Kulmbach gesucht werden, wird beim BRK Ingrid Schweiger sein. Sie ist Leiterin der psychosozialen Arbeit im BRK und zeichnet unter anderem auch für die Betreuung der Obdachlosenunterkunft in der Stadt verantwortlich.

Klaus Schröder, der Leiter des Kulmbacher Jugendamts, begrüßt die Entscheidung, Streetwork in Kulmbach zu etablieren. "Immer wieder gibt es junge Leute, die aus dem System herausfallen. Man sollte versuchen, sie wieder zu erreichen. Streetwork ist deshalb für eine Stadt wie Kulmbacher sicher eine gute Geschichte." Eltern, aber auch junge Leute selbst kommen laut Schröder immer wieder zum Jugendamt, um dort von sich aus nach Hilfen zu fragen. Doch nicht alle kommen. "Es gibt junge Leute, die so weit entwurzelt sind, dass es einen langen Prozess braucht, bis sie Hilfe annehmen können."

Voreiligen Annahmen, es wende sich alles schnell zum Guten, sobald die Streetworker ihren Dienst aufgenommen haben, entzieht Klaus Schröder aber schnell den Boden. Er kennt seine "Kundschaft": "Für diesen Personenkreis braucht man einen langen Atem. Schnelle Erfolge wird es in diesem Bereich nicht geben. Dessen muss man sich bewusst sein." Gerade da könne aber die langfristige angelegte Tätigkeit der Streetworker erfolgreich ansetzen, zeigt sich der Chef des Kulmbacher Jugendamts optimistisch.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
17:34 Uhr

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Melitta Burger

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11. 07. 2019
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