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Kulmbach

Spaß beim "Gräschkurs Fränkisch"

Mundartdichter Helmut Haberkamm trifft mit seinem Programm voll den Geschmack des Publikums in der Kulturscheune. Die Gäste kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus.



Auch englische Wörter wie Deadline, Timing und Copyright (siehe Tafel) erfreuen sich im Fränkischen einer etwas anderen Schreibweise, erklärte Helmut Haberkamm den Besuchern. Foto: Rainer Unger
Auch englische Wörter wie Deadline, Timing und Copyright (siehe Tafel) erfreuen sich im Fränkischen einer etwas anderen Schreibweise, erklärte Helmut Haberkamm den Besuchern. Foto: Rainer Unger  

Putzenstein - Zu einem "Gräschkurs Fränkisch" hatten Helmut Haberkamm und die Skinny Winni Band am Freitagabend in die Kulturscheune von Monika Kober im Thurnauer Ortsteil Putzenstein eingeladen und dabei ihre "Schüler" begeistert. Haberkamm verdeutlichte die Eigenheiten und Schönheiten unseres Dialekts auf informative und humorvolle Weise und brachte das Publikum immer wieder zum Staunen und zum Lachen. Das Trio aus Erlangen sorgte dazwischen mit seinen Mundart-Liedern für klasse Stimmung.

Nun, der Gräschkurs in Putzenstein war ausgebucht, sprich, die Kulturscheune war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der aus dem Aischgrund stammende Mundartdichter Helmut Haberkamm, der mit seinem Theaterstück "No Woman, no Cry - Ka Weiber, ka Gschrei" einen Wahnsinnserfolg hingelegt hat und der 1991/92 ein Jahr lang am Markgraf-Georg-Fridrich-Gymnasium unterrichtet hatte, trifft auch mit seinem "Gräschkurs Fränkisch" voll den Geschmack des Publikums. Dass es im fränkischen Dialekt weder ein hartes "b" noch ein hartes "d" gibt, führt zu vielen Doppeldeutigkeiten wie "Andi und Basdi essen Andibasdi" und lässt ihn für Außenstehende zu einem Buch mit sieben Siegeln werden. "A Moo in Begleidung aner Fra" kann mit einer Frau unterwegs sein, es kann sich bei ihm aber auch um einen Transvestiten handeln. Was sagt ein Franke, wenn er eine Kiefer als Weihnachtsbaum wollte, es aber keine mehr gibt? "Dann a Danna!" Und wenn das Landratsamt nach dem Umbau wie ein Palast aussieht, kommentiert er: "Des fei a Ballasd!" Damit ist laut Helmut Haberkamm alles gesagt.

Die Hintersinnigkeiten des Dialekts gilt es zu verstehen, hob der Protagonist hervor, und somit ist er nichts für dumme Leute. Ein schwieriger Fall ist im Fränkischen das k - deswegen müssen die "besseren Greise" in Franken nicht unbedingt alt sein. Im Gegensatz dazu wird das g oft zum k: wenn jemand etwas nicht gehabt hat, hat er es eben "ned kobd", und hat sich einer hingesetzt, hat er sich "hikokd!" Im Fränkischen zu schreiben, stellt jeden Geheimdienst vor unlösbare Probleme, war sich Haberkamm sicher, auch wenn das auf einem "dibbdobb läbdob" (einwandfreier Laptop) geschieht.

Neben der Aufweichung der harten Laute ist die Verkleinerungsform im "Lala-Land" etwas besonderes, denn hier wird selbst Gott zu einem "Goddela" und ein großes Trumm zu einem "Drümmla", wodurch der Dialekt melodisch wie das Italienische wird, stellte Helmut Haberkamm fest. Auch hier kommt es zu Doppeldeutigkeiten, so kann ein "Schissela" sowohl eine kleine Schüssel als auch ein Angsthase sein und ein "Diechela" ein Topf am Herd oder auch ein Tiger. Gilt woanders die politische Korrektheit, kann man in Franken "Niggerla" und "Necherla" sagen, denn das eine ist ein kurzer Schlaf und das andere ein Nagel zum in die Wand schlagen.

Die Zuhörer kamen aus dem Lachen und Staunen nicht mehr raus, auch wenn ihnen zwischendrin die Skinny Winni Band, bestehend aus Winni Wittkopp (Schlagzeug, Gesang), Arne Unbehauen (Piano, Gesang) und Andy Dorn (Bass) den fränkischen Dialekt in musikalischer Weise näher brachte und dabei sowohl gesanglich als auch instrumentell richtig abging.

Viele Eigenarten wie den im Fränkischen nicht vorhandenen Genitiv sprach Helmut Haberkamm noch an, richtig die Lachmuskeln strapazierte er, als er auf das Thema Schimpfwörter zu sprechen kam. Denn hier erweisen sich die Franken als höchst kreativ. Waren Ausdrücke wie Grübbl, Fregger, Doldi, Hirnheiner, Sachdabb und Gimbl den meisten noch bekannt, bedurfte es bei anderen einer Erklärung. So wird eine Frau, die längere Zeit zum Schminken auf der Toilette verbringt, zur "Abboddbrinzessin" geadelt und bei einer "Kierchhuufgroa" handelt es sich nicht um einen Rabenvogel, sondern um eine Frau, die ihren verstorbenen Mann auf dem Friedhof besucht. Zum Schluss erfuhren die Besucher noch, wie man im Fränkischen am Besten einen Vegetarier begrüßt: "Servus, alda Worschdhaud!" Ein Sprachkurs der besonderen Art, der dem restlos begeisterten Publikum einfach unglaublich viel Spaß machte.

Autor

Rainer Unger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
18:58 Uhr

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28. 10. 2018
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