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Kulmbach

Städtebauliche Schätze neu entdeckt

Die Mainleuser Gestaltungsfibel blickt auf das reiche architektonische Erbe. Sie dient als ein Sanierungsleitfaden, um den Ortskern weiter zu verschönern.



Fabrikant Fritz Hornschuch hat Anfang des 20. Jahrhunderts die Architektur in Mainleus geprägt. Die Gemeinde bewahrt das kulturelle Erbe. Fotos: Stefan Linß
Fabrikant Fritz Hornschuch hat Anfang des 20. Jahrhunderts die Architektur in Mainleus geprägt. Die Gemeinde bewahrt das kulturelle Erbe. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Mainleus - Es scheint, als könnten sich die Mainleuser in die Schönheit ihrer Marktgemeinde neu verlieben. Die Gestaltungsfibel zeigt, welches Potenzial Mainleus hat, sagt Bürgermeister Robert Bosch. Er schwärmt von den Entwicklungsmöglichkeiten: "Das Potenzial, das noch schlummert, wollen wir wecken." Die Fibel wird eine Anleitung sein für künftige Gebäudesanierungen. Martina Schwarz hat den Leitfaden geschrieben, der die ortsbildprägende Baugeschichte zeigt. Die Kulmbacher Architektin präsentierte in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung zum ersten Mal die Inhalte. Sie richtete dabei den Blick auf die vielen städtebaulichen Schätze, die eine Strahlkraft besitzen weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

Aus dem Marktgemeinderat Mainleus

Neues Baugebiet: Mainleus wird wachsen. Die Marktgemeinderäte haben einstimmig den Aufstellungsbeschluss für das Baugebiet "Rothe Kelter III" gefasst. 21 Parzellen sollen im Anschluss an das bestehende Baugebiet entstehen. Der Eigentümer der Grundstücke, die Aveco Holding, wird die Erschließung und Vermarktung auf eigene Kosten vornehmen. Damit kann nun das Verfahren für den Bebauungsplan beginnen.

Mobilfunk-Konzept: Die Alternative Bürgerliste Mainleus (ABL) will schnellstmöglich ein Mobilfunk-Versorgungskonzept für den gesamten Markt Mainleus erstellen lassen. Hintergrund ist der Funkturm-Streit von Schwarzach. Die Telekom hatte ihre Pläne nach Anwohnerprotesten auf Eis gelegt, die Frankenpost berichtete. Die ABL will, dass die Gemeinde eine für die Bürger möglichst gute aber auch möglichst schonende immissionsarme Versorgung mit Mobilfunk gestaltet. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Verwaltung wird nun beauftragt, entsprechende Angebote von Planungsbüros einzuholen.

Sanierung der Wasserleitungen: Die Wasserleitungen von Neuenreuth, Gundersreuth, Proß und Appenberg müssen erneuert werden. Bislang werden die Mainleuser Ortsteile vom Markt Kasendorf mit Wasser versorgt. Ein Ingenieurbüro hat geprüft, ob ein Anschluss an das FWO-Netz möglich ist. Eine Sanierung der bestehenden Leitungen kostet rund 1,87 Millionen Euro. Der neue FWO-Anschluss wäre rund eine Million Euro teurer als die Sanierung, außerdem gibt es weniger staatliche Förderung. Deshalb entschieden sich die Marktgemeinderäte einstimmig dafür, die Sanierung weiter zu verfolgen. sli


Keimzelle am Main: "Wir möchten die Augen öffnen für das Erbe", erklärt Martina Schwarz. Auch alteingesessenen Mainleusern sei nicht immer bewusst, wie die historischen Zusammenhänge sind. Die Gestaltungsfibel weist darauf hin, dass sich die Keimzelle des Dorfes am namensgebenden Main befindet. Von den kleinen Flößerhäusern am Ufer ist leider keines mehr erhalten. Die Mühle und die Bauernhäuser dort seien die ältesten baulichen Zeugen aus der Zeit vor 1900.

Romantische Gartenstadt: Von 1913 bis 1940 ist Hornschuchshausen als romantische Gartenstadt entstanden. Fabrikant Fritz Hornschuch wollte seinen Spinnereimitarbeitern etwas bieten und ließ die Siedlung errichten. Es gab für die damalige Zeit einen hohen Komfort mit wohnungseigenen Toiletten, Gärten und Gemeindschaftsbad. In der Werkbundsiedlung befanden sich eine eigene Bäckerei, eine Metzgerei, eine Turnhalle und ein Gasthaus. Es ging darum, eine betriebsfamiliäre Atmosphäre zu schaffen.

Die zweite Gründerzeit: Eine weitere architektonisch prägende Epoche war in Mainleus die zweite Gründerzeit, erklärt Martina Schwarz. In den 1920er- und 1930er-Jahren sind dabei viele Villen entstanden, die durch ihre Größe und ihre schlichte Eleganz auffallen.

Der Leitfaden will nun dabei helfen, die besonderen Details zu erkennen und damit die städtebaulichen Schätze zu entdecken. Das Motto laute "Bestand erhalten, Bestand gestalten". Bei der Sanierung der Häuser sei auch eine Kombination möglich aus Alt und Neu. Wichtig ist in allen Fällen eine kompetente Beratung, betont die Architektin.

Adeliges Goldocker: Die Gebäude weisen je nach Epoche unterschiedliche Fassaden, Dächer, Türen und Fenster auf. Ein typischer Anstrich in Hornschuchshausen sei beispielsweise die Farbe Goldocker. Das ist damals ein spektakuläres Wagnis gewesen. Denn Goldocker durfte bis dahin nur an Adelshäusern verwendet werden, heißt es in der Fibel. Mit großer Geste adelte der Fabrikant damit seine Siedlung. Außerdem gab es bei Hornschuch Erker und Giebel als Verzierungen.

Die Fenster aus weiß lackiertem Holz hatten hochrechteckige Formate und unterstrichen somit den romantischen Ausdruck. Weil Fenster das Gesicht des Hauses ganz besonders prägen, habe es oberste Priorität, die historischen Bauteile zu erhalten und zu sanieren. Dasselbe trifft auf Türen und Tore sowie auf Einfriedungen zu. Besonderes Augenmerk gilt der Begrünung und dem Blumenschmuck.

Bevölkerung einbinden: Der öffentliche Raum könne auch mit geringen finanziellen Mitteln attraktiver gestaltet werden, davon ist die Architektin überzeugt. Der Markt Mainleus habe sich entschieden, einen kreativen Weg zu gehen und die Bevölkerung aktiv in die Verschönerung des Ortes und des eigenen Lebensumfeldes einzubinden.

Anreiz bieten: In den vergangenen Jahren sei in Mainleus bereits viel passiert, damit das Ortsbild attraktiver wird, sagt Bürgermeister Robert Bosch. Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept hat die Marktgemeinde ein Sanierungsgebiet festgelegt. Dort werde es privaten Hauseigentümern über ein kommunales Förderprogramm ermöglicht, die Gebäude herzurichten. "Wir wollen einen Anreiz bieten und die Bürger beraten", sagt Bosch. Wer Interesse hat, könne sich jetzt schon im Rathaus melden. Um die Gestaltungsfibel und die Fördermöglichkeiten im Detail vorzustellen, ist am 7. Mai eine öffentliche Informationsveranstaltung geplant.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
16:54 Uhr

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Stefan Linß

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02. 04. 2019
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