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Kulmbach

Stets bedacht auf Natur und Umwelt

Schweißen, Traktor fahren oder mit der Motorsäge umgehen: Das ist für Melissa Gräf alles kein Problem. Die 22-jährige Wickenreutherin hat sich für den Beruf der Landwirtin entschieden.



Gefüttert wird die Biogasanlage mit Silage. Das geht nur mit großem Gerät. Fotos: Gabriele Fölsche
Gefüttert wird die Biogasanlage mit Silage. Das geht nur mit großem Gerät. Fotos: Gabriele Fölsche   » zu den Bildern

Wickenreuth - Die blonde junge Frau schwingt sich auf den Schaufellader, lässt den Motor an und fährt mit einer Ladung Silage zur "Fütterung" der Biogasanlage. Gekonnt setzt sie das Fahrzeug rückwärts, um es behände wieder abzustellen. Seit dem Frühjahr letzten Jahres ist Melissa Gräf Angestellte im elterlichen Betrieb von Armin und Sabine Gräf im Kulmbacher Ortsteil Wickenreuth. Ihre Ausbildung zur Landwirtin ist bereits die zweite. "Nach meinem Abschluss an der Realschule rieten mir meine Eltern, ich sollte doch als Mädchen nicht so einen schweren Beruf wie den des Landwirtes erlernen", erzählt sie. So kam es, dass die heute 22-Jährige erst einmal eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma Ireks absolvierte. "Das war schön und mir hat es im Prinzip gefallen, aber ich merkte einfach, dass das Büro nicht mein Leben ist. Ich möchte einfach raus in die Natur", sagt die sympathische junge Frau.

"Dennoch kann ich viel von meinem Erlernten als Industriekauffrau für die Landwirtschaft nutzen", stellt Melissa Gräf fest. Eigentlich war es ihr als Kind schon klar, dass sie einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen wollte. Ihre Mutter Sabine erinnert sich: "Andere Mädchen haben Pferdebilder ausgeschnitten und aufgeklebt - Melissa Traktoren." Mitgeholfen hat die Junglandwirtin schon immer auf dem Hof: "Als Schülerin bin ich nach Hause, habe Hausaufgaben gemacht und bin dann sofort raus. Und ich konnte es nicht erwarten, endlich mit 16 Jahren meinen Traktorführerschein zu machen", sagt sie und lacht.

Die Gräfs haben sich auf Zuchtsauen spezialisiert. "Als zweites Standbein haben meine Eltern vor zehn Jahren eine Biogasanlage gebaut, aus der Strom und Wärme gewonnen werden", erläutert Melissa Gräf. Und auch, dass diese mit Schweinegülle, Gras- und Maissilage versorgt wird. "Der Strom wird verkauft und mit der Wärme heizen wir das Haus, den Ferkelstall sowie die Getreidetrocknung", erläutert die junge, schlanke Frau. Die Reste der vergorenen Biomasse werden auf die Felder ausgebracht. "Das Gärsubstrat ist hochwertiger als reine Gülle. Somit gelangt weniger Stickstoff in die Atmosphäre, zumal wir das Substrat mit Schläuchen direkt über den Boden ausbringen", sagt Melissa Gräf. Was der Junglandwirtin ganz wichtig ist: "Natürlich sind wir auf die Natur und die Umwelt bedacht, wir arbeiten schließlich damit." Sie nennt als Beispiel, dass der komplette CO2-Ausstoß von 60 000 Kilometern Autofahrt mit einem Hektar angebautem Mais recycelt wird.

Dennoch ist auch in der Landwirtschaft das einzig Beständige der Wandel: Nachdem die Großeltern in Rente gingen, wurden auf dem Hof der Gräfs vor einigen Jahren die 20 Milchkühe abgeschafft: "Es ist besser, sich auf eine Tierart zu konzentrieren. Zudem war der Kuhstall veraltet, hingegen der Schweinestall auf den neuesten Stand", erzählt Melissa Gräf. Die Arbeiten am Hof sind klar strukturiert: "Mein Vater und ich übernehmen die Feldarbeit. Den Stall machen wir zu dritt. Und meine Mutter, die ebenfalls Industriekauffrau ist, übernimmt die Büroarbeit."

Ihre zweite Ausbildung zur Landwirtin hat Melissa Gräf verkürzt in zwei Jahren absolviert: "Das erste Jahr ist ein Berufsgrundschuljahr, bei dem alles erlernt wird, was der Landwirt wissen muss über den Boden, die Pflanzen und Maschinen." Dieses Jahr beinhaltete auch einen einwöchigen Schweißkurs und einen Motorsägenlehrgang. "Das war total cool. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Baum gefällt", sagt die 22-Jährige, die zusammen mit einer weiteren Auszubildenden unter 15 Jungs die Schule absolvierte. Danach ging es in den Ausbildungsbetrieb, der in ihrem Fall der heimische Hof war. "Da ich um ein Jahr verkürzte, besuchte ich im letzten Jahr der Ausbildung an zwei Tagen in der Woche die Berufschule." Voriges Jahr im Sommer hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen und ihre Entscheidung nicht bereut.

Wenn man Melissa Gräf fragt, was ihr am besten an ihrem Beruf gefällt, bekommt man die Antwort "alles". Dann überlegt sie doch noch kurz: "Eigentlich ist es das Traktorfahren, die Arbeit mit den Maschinen und die Technik." Den Hof möchte sie später einmal übernehmen. Freut sich ihr Vater darüber? Seine Antwort lautet "Jein." Er sagt: "Es ist schön, wenn das, was über Generationen erarbeitet wurde, weitergeht. Dagegen steht, dass es früher in der Landwirtschaft vor allem um Ackerbau und Viehzucht ging. Heute kommen diese zahllosen Auflagen und die Bürokratie dazu, was oftmals schwer umzusetzen sind. Dazu kommt dann noch das Wetter, mit dem man zu kämpfen hat."

Melissa Gräf kann sich vorstellen, auf biologischen Anbau umzustellen: "Doch dazu braucht man größere Flächen, denn der Ertrag ist geringer als bei der herkömmlichen Bewirtschaftung." Sie gibt zu bedenken, dass das Anwesen stadtnah liegt, und die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sowohl durch die Bebauung als auch durch die damit verbundenen geforderten Ausgleichsflächen immer weniger werden. Zudem weiß sie, dass zwar viele Menschen Bio-Produkte wünschen, aber derzeit mehr produziert werden als es Nachfrage gibt. "Der Verbraucher hat es in der Hand", gibt sie zu bedenken.

Doch abseits von Bürokratie und allen Schwierigkeiten gibt es sie noch, die schönen Momente, die damit verbunden sind, wenn man einen Beruf in der freien Natur ausübt: Ein besonders Erlebnis hatte die ganze Familie heuer mit sechs Kiebitzpaaren, die ihre Maisflächen als Brutgebiet gewählt hatten. "Erst waren drei Paare da. Und eigentlich wollten wir unseren Mais gerade säen. Wir schalteten den LBV ein und machten uns zusammen auf die Suche nach den Nestern, die man wirklich sehr schwer findet, um diese abzugrenzen", erzählt Melissa Gräf. "Wir bearbeiteten den Boden um die Nester der Vögel herum. Danach stellten sich noch drei weitere Paare ein: "Im August konnte ich dann zwanzig dieser hübschen Vögel beobachten. Ich nehme an, das waren die Jungen. Das war wirklich toll."

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:38 Uhr

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Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
16:38 Uhr



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