Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Kulmbach

Strafbarer Ausdruck der Freude

Die Polizei ist dem Macher eines Gaffito auf der Spur. Der Unbekannte freut sich mit einem ziemlich großen Kunstwerk über die Meisterschaft des BSC. Verboten bleibt es dennoch.



Etwa zwei auf zwei Meter groß ist das Graffito auf einem Betonpfeiler, der zur Nordumgehung in Kulmbach gehört. Der unbekannte Sprayer feiert mit seinem Werk die Meisterschaft des BSC Kulmbach , der es nach vier Jahren geschafft hat, in die Kreisklasse zurückzukehren. Doch Freude hin oder her: Es handelt sich um Sachbeschädigung. Die Polizei ermittelt. Einen Verdächtigen gibt es bereits. Foto: Kristina Kobl
Etwa zwei auf zwei Meter groß ist das Graffito auf einem Betonpfeiler, der zur Nordumgehung in Kulmbach gehört. Der unbekannte Sprayer feiert mit seinem Werk die Meisterschaft des BSC Kulmbach , der es nach vier Jahren geschafft hat, in die Kreisklasse zurückzukehren. Doch Freude hin oder her: Es handelt sich um Sachbeschädigung. Die Polizei ermittelt. Einen Verdächtigen gibt es bereits. Foto: Kristina Kobl  

Kulmbach - Dass da einer mit der Spraydose umgehen kann, ist wohl unbestritten. Dasselbe gilt wohl auch für die Annahme, dass der langersehnte Wiederaufstieg des BSC Kulmbach in die Kreisklasse für viele Anhänger des Vereins eine große Freude ist. Doch umgekehrt ist das etwa zwei auf zwei Meter große Graffito, das ein momentan noch unbekannter BSC-Fan auf eine Betonsäule an der Nordumgehung gegenüber dem "Schlössla" in Kauernburg gesprüht hat im Sinne des Gesetzes eine Sachbeschädigung, der die Polizei nachgeht. Es ist auch ein Fall, der im BSC selbst und im Internet nun schon eine ganze Weile heiß diskutiert wird.

Wieder mehr Sachbeschädigungen

Die Zahl der Sachbeschädigungen, darunter fallen auch Graffiti und Schmierereien, ist im Bereich der Polizeiinspektion Kulmbach nochmals gestiegen. Helmut Horn, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion, kennt die Zahlen. Zwischen Januar und Ende Mai 2017 wurden 102 Sachbeschädigungen gezählt. In diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum 126. Das ist ein Plus von vier Prozent. Es liegt in der Natur dieser Straftatengruppe, die als "Sachbeschädigung" zusammengefasst wird, dass die Täter oft entkommen und nie gefasst werden. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt bei 34 Prozent.


Um ein Haar hätte die Polizei den Sprayer auf frischer Tat erwischt. Er wurde beobachtet, als er am Morgen des 8. Juni das eindrucksvoll große rot-weiß-schwarze "Meister-Werk" auf den Beton sprühte. Doch als die Polizei auftauchte, flüchtete der vermummte Mann. Es ging über die Bahngleise, über die Bundesstraße und schließlich in ein Waldstück. Die Polizei blieb dran. Sogar ein Suchhund war mit im Einsatz. Doch trotzdem entkam der Mann, der sich selbst wohl eher als Künstler sehen dürfte, von der Polizei aber als Straftäter eingeschätzt wird. Wer was auch immer ohne Genehmigung auf fremdes Eigentum sprüht, begeht eine Sachbeschädigung. Wer dabei erwischt wird, muss mit Strafe rechnen und durchaus auch mal tief in die Tasche greifen. Die Beseitigung von unerwünschten Graffiti ist teuer. Mehrere Hundert bis Tausend Euro kann es kosten. Es macht keinen Unterschied, ob es ein gut gemachtes Bild oder nur eine Schmiererei ist.

Die Aufklärungsquote ist im Bereich der Sachbeschädigungen ziemlich niedrig. Das liegt in der Natur der Sache. Sprayer kommen meist nachts, verbergen sich gut und sind längst spurlos verschwunden, bis ihre Werke entdeckt werden. Von "spurlos" kann man aber im Fall des BSC-Sprayers nicht sprechen. Er wurde in seiner Arbeit gestört und musste eine Menge Dinge zurücklassen. Unter anderem auch das Fahrrad, mit dem er an den Tatort gefahren war, ein auffälliges rotes Mountainbike der Marke "Winora".

Auch eine Beschreibung des Täters gibt es. 175 bis 180 Zentimeter groß soll er sein, eine schlanke, sportliche Figur haben. Komplett schwarz bekleidet war er. Er trug sogar eine schwarze Sturmhaube mit Sehschlitzen, um sein Gesicht zu verbergen. Ob ihm die Vermummung hilft, wird man sehen. Fakt ist: Die Polizei spricht davon, einen Verdächtigen ermittelt zu haben. Überführt sei er aber noch nicht.

Auf einen gewissen Rückhalt beim BSC kann der Sprayer allerdings bauen. Der Verein hat in einer Stellungnahme im Internet klargemacht, dass er solche Straftaten nicht gutheißt und betont, dass dieses Gaffito keineswegs vom BSC "in Auftrag" gegeben worden ist. Die Grafik, die dafür als Vorlage verwendet wurde, könne sich jeder aus dem Netz herunterladen. Der unter dem Namen des Vereins aufgetretene Schreiber meint aber auch: "Allzu oft sehen solche Schmierereien auch geschmacklos aus oder werden von gänzlich unbegabten Stümpern an völlig unpassenden Plätzen verewigt. Hier an dieser Stelle, unter der Nordumgehung, an der man es sowieso nur im Vorbeifahren sieht, bleibt es zwar ein illegales Graffiti, eine Straftat. Wir sind jedoch geschlossen der Meinung, dass es Schlimmeres gibt heutzutage, und wenigstens stimmt doch die Lage und viel schöner war der Pfeiler vorher auch nicht." Dennoch werde der Verein der Polizei, falls nötig, behilflich zur Seite stehen.

In der Zwickmühle, in der sich der BSC aller Wahrscheinlichkeit nach befindet, steckt die Polizei nicht. Deren Auftrag ist klar, macht stellvertretender Inspektionsleiter Alexander Horn deutlich. "Der Anlass, warum ein Graffiti aufgesprüht wurde, ist für die Polizei egal", sagt Horn und betont: "Sachbeschädigung ist Sachbeschädigung. Auch wenn es schön gemacht ist." Und auch die Meinung, der Betonpfeiler sei vorher auch nicht schöner gewesen, kann Helmut Horn nicht gelten lassen. Das Staatliche Bauamt als die verantwortliche Behörde für diesen Streckenabschnitt, dulde Graffiti nicht. Dafür gebe es viele Gründe. Einer ist besonders wichtig. Die Beschaffenheit des Betons muss regelmäßig überprüft werden. Das wird erschwert, wenn dicke Schichten Farbe aufgetragen sind.

Die Polizei verwendet viel Zeit darauf, die Taten der Sprayer zu dokumentieren und zu verfolgen. Der noch Unbekannte, der am 8. Juni das BSC Graffito aufgesprüht hat, war nicht der einzige, der sich an diesem Tag mit einem illegalen Kunstwerk so lange verewigen wollte, bis es mühsam von Dritten wieder entfernt wird.

Fast zur gleichen Zeit hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein ganz anderer im Rentamtsgässchen mitten in der Stadt zur Sprühdose gegriffen und dort das Rolltor einer Hofeinfahrt mit einem, wie die Polizei berichtet, unleserlichen Schriftzug in schwarzer Farbe beschmiert. Auch nach ihm wird noch gesucht.

Geradezu eine Sisyphus-Aufgabe haben die Kulmbacher Polizisten mit den Graffitis ganz offensichtlich zahlreicher unterschiedlich begabter "Künstler" an der neuen Spundmauer an der Flutmulde vor sich. Das Wasserwirtschaftsamt hat längst Strafanzeige erstattet. Die Dimension ist gewaltig. Praktisch die gesamte lange Mauer ist inzwischen besprüht. Die erst vor Kurzem errichtete Mauer, die die Blaich vor Hochwasser des Weißen Mains schützen soll, hat sich längst zu einem Brennpunkt der illegalen Sprayerszene entwickelt.

Die hat offenbar an der Mauer längst nicht mehr genügend freie Flächen für sich gefunden und weichen zunehmend auf Alternativen aus. Garagenwände, Stromverteilerkästen und selbst Verkehrsschilder sind in der Blaich inzwischen bemalt. Selbst ein Insektenhotel, das das Wasserwirtschaftsamt aufgestellt hatte, wurde besprüht.

Immer wieder kann die Polizei den einen oder anderen Sprayer ermitteln. Manchmal, weil er auf frischer Tat ertappt wurde, manchmal auch nach langer und zäher Ermittlungsarbeit. Ob die am Ende auch dazu führt, das der BSC-Sprayer erwischt und zur Verantwortung gezogen, beziehungsweise zur Kasse gebeten wird, muss nun die Zukunft zeigen. Der anhaltenden Freude im BSC über die Meisterschaft tut das aber keinen Abbruch.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
18:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baubehörden Freude Graffiti Happy smiley Polizei Polizeiinspektion Kulmbach Polizeiinspektionen Polizistinnen und Polizisten Sachbeschädigung Verbrecher und Kriminelle Wasserwirtschaftsämter Öffentliche Behörden
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Mauer am Weißen Main in Kulmbach nahe der Berliner Brücke ist fast flächendeckend mit Graffiti beschmiert. Das Wasserwirtschaftsamt hat die unbekannten Täter angezeigt. Fotos: Stefan Linß

17.05.2019

Fahndung nach den Schmierfinken

Das Wasserwirtschaftsamt erstattet Anzeige, weil die Hochwasserschutzmauern am Weißen Main verunziert werden. Die Polizei verfolgt alle Hinweise, um die Täter zu schnappen. » mehr

Weniger Straftaten und eine bessere Aufklärungsquote: Die Kulmbacher Polizeiinspektion legt für das Jahr 2018 eine positive Kriminalstatistik vor.

27.03.2019

Zahl der Straftaten sinkt drastisch

Die Kriminalstatistik für Kulmbach weist den niedrigsten Wert seit zehn Jahren aus. Auch bei der Aufklärung verbucht die Polizei bessere Werte. » mehr

Faust

13.06.2019

Autos beschädigt: Vater und Sohn schlagen um sich

Eigentlich ist die Kulmbacher Polizei am Mittwochvormittag ausgerückt, um die Sachbeschädiung an zwei Autos aufzunehmen. Doch dann eskalierte die Situation. » mehr

Bei der Polizei kann man jetzt auch bargeldlos bezahlen. Die Inspektion Kulmbach ist eine von vier oberfränkischen Polizeidienststellen, in denen derzeit das System "Card-Cash" bereits im Einsatz ist. Antje Düthorn und ihre Kollegen akzeptieren für Strafzettel EC- und Kreditkarten.	Foto: Melitta Burger

14.05.2019

"Knöllchen" mit der Karte zahlen

Kulmbacher Polizisten haben ab sofort ein "Card-Cash-System" dabei, wenn sie auf Streife gehen. Wer direkt mit "Plastik" zahlen will, kann das jetzt tun. » mehr

Mehr als hunderttausend Besucher feierten auch in diesem Jahr mit viel Spaß und friedlich die Kulmbacher Bierwoche. Einige wenige schauen dabei aber viel zu tief ins Glas und werden aggressiv. Das ruft immer wieder die Polizei auf den Plan und macht den Beamten viel Arbeit. Foto: Stadt Kulmbach

04.08.2019

Bierwoche: In der Nacht fliegen Fäuste und Krüge

Auch am letzten Bierfest-Wochenende haben meist betrunkene Störenfriede der Polizei wieder viel Arbeit gemacht. Die Arrestzellen waren nach Mitternacht gut gefüllt. » mehr

Schmierereien und andere Sachbeschädigungen verursachen in Kulmbach jedes Jahr immense Schäden. Die Hochwasser-Schutzmauern in der Blaich sind da nur ein Beispiel. Auch in diesem Bereich versprechen sich die Verantwortlichen Entlastung durch die Streetworker. Foto: Stefan Linß

11.07.2019

Sozialarbeiter sollen noch in diesem Jahr beginnen

Möglichst noch im Herbst soll das Projekt Streetwork in Kulmbach starten. Die Verantwortlichen versprechen sich sehr viel davon und arbeiten schon am Konzept für den Einsatz. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

31. Bikertreffen des MRC Langenbach mit Rocknacht

31. Bikertreffen des MRC Langenbach mit Rocknacht | 25.08.2019 Langenbach
» 230 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - SC Eltersdorf

SpVgg Bayern Hof - SC Eltersdorf | 23.08.2019 Hof
» 38 Bilder ansehen

Autor

Melitta Burger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 06. 2019
18:02 Uhr



^