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Kulmbach

Taschendiebe haben jetzt Hochkonjunktur

Wenn es in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten besonders eng zugeht, finden Langfinger ideale Bedingungen für ihre Taten. Die Polizei sagt, wie man sich schützen kann.



Diebstahl - Symbolfoto Weihnachtsmärkte, aber auch das geschäftige vorweihnachtliche Treiben in Einkaufszentren sind bevorzugte "Arbeitsplätze" von Taschendieben.
Weihnachtsmärkte, aber auch das geschäftige vorweihnachtliche Treiben in Einkaufszentren sind bevorzugte "Arbeitsplätze" von Taschendieben.  

Kulmbach - Sie treten selten allein auf, gehören meistens organisierten Banden an, die international "arbeiten, und sie schätzen es am allermeisten, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, wenn es hektisch zugeht und es Gedränge gibt. Die vollen Geschäfte in der Adventszeit und ganz besonders auch die Weihnachtsmärkte ziehen Taschendiebe ganz besonders an. Dabei haben sich die Täter längst nicht mehr nur auf Großstädte konzentriert. Auch in Kulmbach wurden bereits etliche Bürger Opfer verschiedenster Maschen der überaus kreativen Täter. Jetzt sind aus Coburg wieder Fälle von Taschendiebstahl gemeldet worden. Für die Polizei ein guter Grund, vor den Tätern zu warnen. Man kann sich vielleicht nicht vollständig schützen, sagt Alexander Horn von Kulmbacher Polizei. Aber er sagt auch: "Man kann es wenigstens versuchen, es den Dieben so schwer wie nur möglich zu machen."

Taschendiebe kommen meistens mit ihren Taten unentdeckt davon

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für das Jahr 2015 in Deutschland insgesamt 168 142 Taschendiebstähle angezeigt, 2014 waren es noch 157 069 Fälle. Mit diesem Anstieg von sieben Prozent erreichen die Zahlen aus diesem Bereich der Kriminalität ein sehr hohes Niveau. Taschendiebstahl ist in der Großstadt-Öffentlichkeit eines der häufigsten Delikte. Aber auch auf dem Land treten die oft organisierten Diebe zunehmend auf.

Es gibt Situationen, in denen sich die Diebe besonders wohlfühlen: Das Gedränge bei Veranstaltungen, in Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln machen sich die Täter zunutze, um zuzuschlagen. Die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtsmärkte sind dabei Hauptsaison für diese Tätergruppen.

Im Jahr 2015 entstand durch Taschendiebe ein Schaden von 50,8 Millionen Euro. Und das, obwohl die Polizei diesen Delikten nur solche zählt, bei denen es um Diebstahl aus am Körper getragenen Bekleidungs- oder Handtaschen geht.

Für die Täter ist ihre "Arbeit" leider nur mit geringem Risiko verbunden: Die meisten Fälle von Taschendiebstahl bleiben unaufgeklärt. Die Aufklärungsquote 2015 betrug gerade einmal 6,4 Prozent. Das liegt daran, dass die Diebe sehr geschickt sind. Oft bemerken die Oper erst Stunden später, dass sie bestohlen wurden. Da haben sich die geschickten Langfinger längst davongemacht. Taschendiebe sind oft professionelle, international agierende Täter, die grenzüberschreitend in ganz Europa aktiv sind.

Insgesamt wurden 2015 9142 Tatverdächtige in Deutschland registriert, davon waren 66,7 Prozent 21 Jahre und älter. Aber es sind sehr oft auch Kinder und Jugendliche, die beim Taschendiebstahl ertappt werden. 2015 waren 16,6 Prozent der Tatverdächtigen unter 18 Jahre alt, wie die Polizei ermittelt hat.

 

Gleich drei Frauen sind jetzt in Coburg bestohlen worden. Die Fälle lagen alle gleich. Die Langfinger fischten sich die Geldbörsen und persönliche Gegenstände aus den Handtaschen, die die Frauen sich umgehängt hatten. Dabei machten die Langfinger Beute im Wert von mehreren Hundert Euro und entkamen unerkannt. Die Kripo ermittelt zwar. Aber die Chancen, dass die Diebe geschnappt werden, stehen denkbar schlecht. Nur ein sehr geringer Teil dieser Taten wird je aufgeklärt. Die Opfer sehen in der Regel nie wieder, was ihnen gestohlen wurde. Das weiß auch Alexander Horn: "Diese Leute zu fassen ist schwierig, auch wenn wir immer wieder mal welche erwischen. Die Täter sind gerissen, meist arbeitsteilig unterwegs und geben, was sie gestohlen haben, meist sofort an einen Komplizen weiter."

 

Wer sich vor Taschendieben schützen will, kann dies mit einigen wenigen Vorsichtsmaßnahmen tun, weiß der stellvertretende Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion. Wertgegenstände sollten möglichst in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung getragen werden. Handtaschen sollte man verschlossen und mit dem Verschluss zum Körper tragen. Vor allem im Gedränge muss man besonders aufpassen. Sofort misstrauisch sollte man werden, wenn man plötzlich angerempelt wird. Dass man immer nur so viel Bargeld bei sich tragen sollte, wie man wirklich braucht, versteht sich von selbst.

Zumeist gehen Taschendiebe in Teams von mehreren Tätern arbeitsteilig vor. Dabei nutzen sie Tricks oder schlagen nach einem selbst verursachten Gedränge zu. Opfer von Taschendiebstahl werden übrigens vor allem Frauen.

Das Repertoire der Taschendiebe ist äußerst umfangreich. Die Polizei-Beratung hat die verschiedenen Maschen zusammengetragen:

 

Der Rempel-Trick

Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder "in die Zange" genommen; beim Einsteigen stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

 

Der Drängel-Trick

In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm den Rücken zuwendet und so die Tasche "griffbereit" anbietet.

 

Der Stadtplan-Trick

Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm einen Stadtplan vor oder bitten es an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer orientiert und abgelenkt ist, plündern andere Täter die Handtasche.

 

Der Geldwechsel-Trick

Fremde bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt. Während dieser beispielsweise seine Münze in die Börse wirft, nimmt er Banknoten heraus.

 

Der Beschmutzer-Trick

Insbesondere nach einem Bankbesuch wird das Opfer "versehentlich" mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld aus der Bekleidungstasche.

 

Der Supermarkt-Trick

Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.

 

Der Hochhebe-Trick

In einer Gaststätte behauptet jemand, das Gewicht des Opfers schätzen zu können. Beim Hochheben "zieht" er oder ein Komplize die Geldbörse.

 

Der Bettel-Trick

Kinder halten dem Opfer im Lokal ein Blatt Papier vor mit der Bitte um eine Spende. Oder sie tollen auf der Straße um das Opfer herum und betteln es an. Dabei nutzt einer die Ablenkung für den raschen Griff nach der Geldbörse oder in die Handtasche.

 

Der Blumen-Trick

Ein Fremder begrüßt das Opfer freundschaftlich, umarmt es oder steckt ihm eine Blume an. Während das Opfer verdutzt ist, verschwindet die Brieftasche.

 

Der Taschenträger-Trick

"Taschenträger" spähen ältere Frauen beim Einkaufen aus und bieten ihnen scheinbar hilfsbereit an, den Einkauf nach Hause zu tragen. Dort eilen sie mit der Tasche die Treppe hinauf, während der ältere Mensch nicht so schnell hinterherkommt. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus, stellen die Tasche vor die Tür und kommen dem Opfer grüßend entgegen. Der Verlust wird erst später bemerkt.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 11. 2017
17:51 Uhr

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Melitta Burger

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21. 11. 2017
17:51 Uhr



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