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Kulmbach

Visionen aus der Grabkammer

Die fränkische Theatergruppe "Bumerang" gibt Gastspiele im "Baumann". Gezeigt wird eine tragikomische Silvesterfeier.



Die Charaktere der "Silvesterpyramide" stehen für die politische Ungewissheit. Im Bild (von links) Jörg Weißmann als Baron Karl von Klenk, Silvan Wagner als Dr. Michael Fegelein, Julia Weiß als Eva von Klenk in spe und Vanessa Söldner als Ruth Stein.	Fotos: Werner Reißaus
Die Charaktere der "Silvesterpyramide" stehen für die politische Ungewissheit. Im Bild (von links) Jörg Weißmann als Baron Karl von Klenk, Silvan Wagner als Dr. Michael Fegelein, Julia Weiß als Eva von Klenk in spe und Vanessa Söldner als Ruth Stein. Fotos: Werner Reißaus   » zu den Bildern

Kulmbach - Mit der "Silvesterpyramide" hat die fränkische Theatergruppe "Bumerang" am Samstagabend im Kulmbacher Theater "Das Baumann" eine sehenswerte Premiere gefeiert. Grund genug, sich die Tragikomödie, die noch dreimal im "Baumann" gezeigt wird, anzuschauen.

Weitere Termine

Die Grabkammer "Meritatons" öffnet sich im Theater "Das Baumann" noch an folgenden Tagen: Freitag, 27. September, und Samstag, 28. September, jeweils um 20 Uhr, sowie Sonntag, 29. September, 17 Uhr. Karten sind im Vorverkauf (www.das-baumann.de) und an der Abendkasse erhältlich. Wegen der begrenzten Platzanzahl wird gebeten, Tickets über das Internet zu ordern.


Regisseur Silvan Wagner, der selber in dem Stück als Dr. Michael Fegelein auftritt, ist es zweifelsohne gelungen, die Besonderheit einer Tragikomödie in einer gleichermaßen sehr lebendigen wie authentischen Inszenierung herauszuarbeiten. In dem Stück treffen völlig unterschiedliche Lebensentwürfe in der Zeit der Ägyptomanie zu Beginn des Dritten Reichs aufeinander, noch dazu in einer Grabkammer. Diese Lebensentwürfe waren Garant für eine explosive Mischung.

Bei Regisseur Silvan Wagner spürt der Besucher sofort, dass der Hochschullehrer von klein auf in das Theaterspiel hineingewachsen ist, zunächst am Gymnasium in der Schultheatergruppe und später als Gründungsmitglied der Theatergruppe "Bumerang". Silvan Wagner ist seit 1999 künstlerischer Leiter dieser Theatergruppe. Zum Theater hat Silvan Wagner eine feste Meinung: "Künstlerischer Ausdruck, wissenschaftliche Erkenntnis und religiöse Erfahrung sind lediglich drei historisch ausdifferenzierte Modi intensiver Beschäftigung mit derselben Welt. Theater kann diese drei Modi vielleicht am einfachsten wieder zusammenführen oder aber ihre Trennung fruchtbar machen."

Bei der künstlerischen Ausrichtung der Theatergruppe "Bumerang" steht die Aufführung klassischer und moderner Dramen im Mittelpunkt, ergänzt durch die zusätzlichen Schwerpunkte Musik und Kunst. Die Bühne wird als Möglichkeit genutzt, fiktionale Welten vorzuführen und in der bleibenden Distanz zwischen Publikum und Bühne Strukturen der Gesellschaft aufzuzeigen; ein Ansatz, der durchaus an Brecht orientiert ist, ohne die veränderten Bedingungen einer postmodernen Gesellschaft zu ignorieren.

Regisseur Silvan Wagner lässt die Besucher auch durch Essays, die im Programmheft abgedruckt werden, an seiner Kunst teilhaben. Diese Essays sollen keine Interpretationsanleitung sein, sondern legen die eigene und durchaus differierende Sichtweise offen, zu der ein Publikum zustimmend oder ablehnend Stellung nehmen kann. Silvan Wagner: "Deshalb erachten wir das an die jeweilige Theaterproduktion geknüpfte Ziel als erreicht, wenn wir mit der Inszenierung eines Dramas genügend Anknüpfungspunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Dramentext und seiner aktuellen Relevanz für unsere Gesellschaft gegeben haben." In welche Richtung diese Auseinandersetzung bei einem Publikum geht, sei Teil des gesellschaftspolitischen Engagements der Theatergruppe, nicht mehr Teil des künstlerischen Engagements. "Der künstlerische Aspekt unserer Theaterarbeit ist die möglichst vielschichtige Unterhaltung eines Publikums; der gesellschaftspolitische Aspekt ist dabei der notwendige Hintergrund, weil er nicht auf den Bühnenraum beschränkt bleiben kann, sondern eine Auseinandersetzung jenseits einer distanzierenden Aufführungssituation erfordert."

In der Tragikomödie wird Silvester in einer Pyramide gefeiert. Die Archäologen Dr. Michael Fegelein (Silvan Wagner) und Ruth Stein (Vanessa Söldner) feiern Silvester 1929 zusammen mit ihrem Finanzier Baron Karl von Klenk (Jörg Weißmann) und seiner Verlobten Eva von Klenk in spe (Julia Weiß) nicht nur den Geburtstag von Eva, sondern auch die vollkommen unberührte Grabkammer der Pharaonin Meritaton Judith oder Dalila (Franziska Engel). Während die emanzipatorische Ruth den Beweis weiblicher Herrschaft im Alten Ägypten mehr oder weniger frenetisch feiert, agiert der opportunistische Michael geschickt mit seinem äußerst patriarchalen Geldgeber, Baron von Klenk, der allein schon mit seinem äußeren Erscheinungsbild einem Patriarchen alle Ehre machte.

Der Baron überlegt, wie er Ägypten zu einer privaten Kolonie machen kann und seine etwas unbedarfte Verlobte Eva hat ihre Erstbegegnung mit der ägyptischen Kultur und einem weiblichen Lebensentwurf, der sich nicht über Frisuren und Makeup hinaus definiert. Ein anfangs nur leicht unangenehmer Geruch entpuppt sich als tödliche Bedrohung, denn die Mumie dünstet ein halluzinogenes Gas aus, das allen auf der Bühne kollektive Visionen beschert. Dabei erscheinen auch noch die Jugendliebe Ruths, Paula (Eva Wagner), Meritaton höchstpersönlich und die bereits gestorbene Mutter Karls (Anna-Lisa Vorbrugg).

Autor

Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
17:12 Uhr

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Autor

Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
17:12 Uhr



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