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Kulmbach

Vom Ende eines Mythos

Die Schüler der 13. Klassen der Berufsschule haben sich intensiv mit dem System der DDR und dem Mauerfall befasst. Jetzt präsentieren sie in zwei Aulen die Ergebnisse.



An Fluchten und Opfer an der Berliner Mauer erinnert diese Litfasssäule.	Fotos: Gabriele Fölsche
An Fluchten und Opfer an der Berliner Mauer erinnert diese Litfasssäule. Fotos: Gabriele Fölsche   » zu den Bildern

Kulmbach - "30 Jahre Mauerfall - Mythos und Wirklichkeit in der DDR" ist eine sehenswerte und gleichermaßen informative und spannende Ausstellung des Beruflichen Schulzentrums in Kulmbach, die die "Ostalgie" mit Realitäten bricht.

Die Namen derer, die bei ihrer Flucht durch die Ostsee ertrunken sind nebeneinander in einem großen, beleuchteten Feld aufgereiht. Fluchten und Opfer an der Berliner Mauer sind an einer Litfasssäule dokumentiert. Die politische Geschichte der DDR wird ebenso aufgezeigt wie das Schul- und Gesundheitssystem. Aber auch das alltägliche Leben im ehemaligen Ostdeutschland bis hin zum Einblick in Stasiakten. Und natürlich wird an die Montagsdemonstrationen bis hin zum Mauerfall erinnert.

Untermalt wird die thematische Aufarbeitung der Lehrer und Schüler mit zahlreichen Original-Leihgaben von ehemaligen DDR-Bürgern und Sammlern. Gleich zwei Aulen füllt das zusammengetragene und ausgewertete Material, das noch die nächsten drei Wochen zu sehen ist. Selbst ein hellblauer Trabant sowie eine Simpson wurden aufgetrieben. Sie stehen im Pausenbereich. Fachlehrerin Silke Scheffold, die im Verlauf der Ausstellungseröffnung am Montagvormittag mehrmals für die Organisation gelobt wurde, sagte, dass so eine Ausstellung nur zusammen mit Kollegen und Schülern entstehen kann. "Die Idee kam aus der Überlegung aller Seminar-Kollegen, welches Rahmenthema man den 13. Klassen geben könnte für ihre Seminararbeit. Es lag in diesem Jahr nahe, sich 30 Jahre Mauerfall zu widmen", führte Silke Scheffold aus. Scheffold sagte aber auch, dass es schade gewesen wäre, die Arbeiten der Schüler lediglich im Klassenzimmer zu präsentieren. "Wir wollten das in einem würdigen Rahmen tun. So kam eines zum anderen, und immer mehr Kollegen und Berufsschulklassen der verschiedenen Ausbildungsrichtungen halfen beim Entstehen mit. "Der Titel der Ausstellung ist "30 Jahre Mauerfall - Mythos und Wirklichkeit in der DDR." Silke Scheffold sagt: "Immer wieder kommt es zur ,Ostalgie‘ und der Verklärung von 40 Jahren DDR, die doch angeblich so toll war. Wir wollen die ,Ostalgie‘ durch die Realität brechen und hinterfragen, wie es zu diesem Mythos kam und wie es wirklich im Osten war", erklärte die Rednerin. Sie bedankte sich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Bundeszentrale für die Aufarbeitung von Stasiunterlagen. "Sie gewährten uns für unsere Auswertungen Einblick in die Akten. Einen Teil sehen sie als Quellen abgedruckt."

Schulleiter Alexander Battistella begrüßte zur Vernissage zahlreiche Schüler sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft. Er zeigte ein Foto, das ihn und einige seiner Freunde vor der Prager Botschaft im Juli 1989 zeigt: "Ich habe mich damals gewundert, dass wir nicht hinein durften. Später erfuhr ich, das bereits die ersten Flüchtlinge im Gebäude waren." Alexander Battistella richtet seine Worte an die jungen Leute: "Sie kennen die Mauer nicht mehr. Ich bitte Sie, sich mit der Zeitgeschichte auseinanderzusetzen, um möglichen Problemen vorzubeugen." Landrat Klaus Peter Söllner lobte alle an der Ausstellung Beteiligten: "Ich habe selten so eine umfassende Darstellung zu diesem wichtigen Thema gesehen. Die Umsetzung ist ein Meisterwerk." Als Highlights bezeichnete er den Mauerdurchbruch und die Leihgabe des Trabbis von Dieter Weith. "Der 9. November ist ein historisches Datum. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, was sich in der Reichspogromnacht 1938 abgespielt hat. Leider ist in unserer Zeit Antisemitismus noch ein Thema. Friede, Freiheit und Demokratie sind die höchsten Güter", betonte der Redner. Den Mauerfall bezeichnete Söllner als Feiertag: "So eine Euphorie und Aufbruchstimmung, vorher und nachher, habe ich nie mehr erlebt." Söllner erläuterte, dass der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow die Öffnung der Grenze herbeigeführt und die USA dies mitgestaltet habe. "Ich bezweifle, dass dies unter Trump und Putin möglich gewesen werde."

Stadtrat Michael Pfitzner erinnerte an die Menschen der ehemaligen DDR, die friedlich demonstriert und sich Gefahren an Leib und Leben ausgesetzt hatten. "Die Begriffe Mauerfall und Wende sind für mich zu passiv. Es waren Menschen, die mit ihrem Wunsch nach Freiheit auf die Straße gegangen sind und letztendlich die Mauer eingerissen haben."

Dr. Michael Pfitzner forderte die jungen Menschen dazu, auf ihre Meinung zu äußern und sich aktiv in dem Staatssystem zu beteiligen. Verschiedene Schüler stellten dann Auszüge ihrer Seminararbeiten vor. Während der Projektwoche ist der Besuch der Schüler des Kinofilmes "Ballon" vorgesehen, ebenso die Vorstellung weiterer Projektarbeiten sowie eine Podiumsdiskussion mit Günter Wetzel, dessen Familie zusammen mit der Familie Strelzyk im September 1979 eine aufsehenerregenden Ballonflucht in den Westen gelang. Der Ballon landete in der Nähe von Naila. Auch der BGS-Beamte, der die Familien an der Grenze in Empfang nahm, wird zugegen sein. Die Ausstellung im Beruflichen Schulzentrum ist noch bis zum 29. November zu sehen.

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
18:02 Uhr

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Autor

Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
18:02 Uhr



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