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Kulmbach

Vom kleinen grauen Männchen

Der "Geweihte Brunnen" von Untersteinach ist verschwunden. Eine uralte Sagengestalt hat dadurch ihre Heimstatt verloren.



Mit dem Bau der Ortsumgehung wurde das Wasser des "Geweihten Brunnens" in Untersteinach in aufrecht stehende Betonrohre gefasst und läuft nun unterirdisch weiter.	Foto: Erich Olbrich
Mit dem Bau der Ortsumgehung wurde das Wasser des "Geweihten Brunnens" in Untersteinach in aufrecht stehende Betonrohre gefasst und läuft nun unterirdisch weiter. Foto: Erich Olbrich  

Untersteinach - Seit vielen Tausend Jahren, als noch keine Menschenseele an einen Ort namens Untersteinach dachte (der 1281 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde), spendete eine kleine Quelle ihr reines Wasser den Tieren und Pflanzen ihrer Umgebung.

Im Laufe der Zeit nannten die Altvorderen diese kleine Wasserschüttung den "Geweihten Brunnen". Das Wissen um die Entstehung dieser Namensgebung ging verloren. Aber der Volksglaube hatte eine Sage um diese, relativ warm aus der Erde rinnende Quelle gesponnen, die auch im tiefsten Winter nicht zufror.

Die alten, noch im Aberglauben verhafteten Einwohner, raunten sich geheimnisvoll zu: "Do untn gitts imm!" Das bedeutete, dass dort unten ein Geist umher ging, der seiner Erlösung harrte. Die Sage gibt leider keinen Aufschluss darüber, weshalb und von wem diesem "Männchen" ein so ausweglos erscheinendes Schicksal aufgebürdet wurde.

In Elisabeth Gleichmanns rund 100 Jahre alten Sammlung oberfränkischer Volkssagen "Von Geistern umwittert", steht die Sage vom "Geweihten Brunnen" abgedruckt. Diese lautet folgendermaßen:

Auf dem Wege von Kauerndorf nach Untersteinach befindet sich kurz vor dem Ortseingang von Untersteinach, am Fuße des Eichberges rechts der Straße in einer Mulde der "Geweihte Brunnen". Das Wasser desselben fließt in die Schwarze Schorgast. Dem Wanderer erscheint, eine Strecke vorher, von jetzt auf gleich, ein graues Männchen, um ihn zu begleiten und dann beim Vorübergehen im "Geweihten Brunnen" zu verschwinden. Oder das graue Männchen entsteigt dem Brunnen, um ein Stück des Weges mit dem Wanderer zu gehen, um dann plötzlich wieder zu verschwinden. Das graue Männchen wartet bei seinen Begleitungen auf ein Segenswort eines von Sünden ganz freien Menschen, um dadurch seine Erlösung zu finden.

Bis in den Sommer 2017 hinein speiste das Wasser dieser Untersteinacher Quelle einen kleinen Fischteich der Familie Werner Geyer in der Kulmbacher Straße. Im Zuge des Baues der Umgehungsstraße musste das uralte Idyll jedoch weichen. Mit dem Umgehungsstraßenbau, der in vollem Gange ist, sind tiefgreifende Veränderungen verbunden. Große Maschinen und Baucontainer bestimmen das Bild. Vom "Geweihten Brunnen" ist nichts mehr zu sehen.

Seine Quellschüttung wurde in große, aufrecht im Boden stehende Betonrohre gefasst. Das Wasser wurde von dort aus, mit tief unter dem Schotter liegenden Kunststoffrohren, dann weiter in sein altes Bett geleitet.

Und wo ist das sagenumwobene kleine graue Männchen geblieben, das schon Jahrhunderte dort umherirrte und auf Erlösung wartete? Nun, da sein "Geweihter Brunnen" dem Fortschritt weichen musste und es somit keine Heimstatt mehr sein Eigen nennen konnte, kann man nur hoffen, dass eine gütige Vorsehung sich seiner armen Seele erbarmt hat, um es auf eine andere Art zu erlösen und ihm den ewigen Frieden zu schenken.

Oder hat sich das kleine graue Männchen mit einem kleinen Streich von seiner angestammten Umgebung verabschiedet und den Planern der Brücke eine zu geringe Höhe für die Eisenbahn-Durchfahrt eingeflüstert? Wer weiß, möglich wäre es schon, wie Dieter Geyer aus Untersteinach mutmaßt, der das Bemühen unterstützt, dass historisch und volksgeschichtlich Wissenswertes nicht verloren geht.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
17. 05. 2020
16:10 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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17. 05. 2020
16:10 Uhr



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