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Kulmbach

Von der Masse zu Qualitätsprodukten

Vor 50 Jahren musste Georg Krumpholz in der elterlichen Schmiede im Guttenberger Hammer schwer arbeiten. Der spätere Chef berichtet aus dieser Zeit.



Seniorchef Georg Krumpholz und sein Sohn Claus Krumpholz, der heute die Geschäfte führt, in der Schmiede im Guttenberger Hammer. Inzwischen ist der Familienname europaweit eine gefragte Marke bei Gartenwerkzeugen.	Foto: Manfred Biedefeld
Seniorchef Georg Krumpholz und sein Sohn Claus Krumpholz, der heute die Geschäfte führt, in der Schmiede im Guttenberger Hammer. Inzwischen ist der Familienname europaweit eine gefragte Marke bei Gartenwerkzeugen. Foto: Manfred Biedefeld   » zu den Bildern

Guttenberger Hammer - Die Firma Krumpholz im Grafengehaiger Ortsteil Guttenberger Hammer blickt auf eine fast 220-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1799 erwarb Johann David Krumpholz den Schmiedebetrieb im idyllischen Tal des Großen Rehbachs. Seither ist er im Familienbesitz und wird heute in siebter Generation von Claus Krumpholz und seiner Ehefrau Elke geführt.

Vor 50 Jahren war Georg Krumpholz (geboren 1905) noch Chef des Unternehmens. Sein Sohn Georg (geboren 1937) hatte ausgelernt und arbeitete im elterlichen Betrieb. Der heute 80-Jährige erinnert sich an jene Zeit, als die Schmiede Werkzeuge in großen Stückzahlen und in Akkordarbeit produzierte. "Damals bin ich um dreiviertel Sechs in der Früh in den Betrieb und habe den Ofen angeschürt und die Formen vorgeheizt. Dann bin ich nochmal in die Wohnung gegangen und habe mich gewaschen. Als um Sieben unsere Mitarbeiter gekommen sind, ging es gleich los", erinnert sich der heutige Seniorchef.

Er habe das Handwerk "von der Pike auf" von seinem Vater erlernt. Schon damals habe der Betrieb etwa 18 Mitarbeiter gehabt. "Aber wenn einer ausgefallen ist, musste ich doppelt ran, denn die Kunden habe pünktlicher Lieferung erwartet. Gleich tonnenweise habe das Unternehmen die geschmiedeten Werkzeuge an den Großhandel verkauft. Allerdings handelte es sich lediglich um die Metallteile, die Holzstiele besorgten sich die Händler oder die Endkunden anderweitig. "Damals hat ein Pickelstiel auch noch in jeden Pickel gepasst. Seitdem die Chinesen den Markt mit Billigware überschwemmen, ist das nicht mehr so", sagt Krumpholz.

Der Seniorchef zeigt anhand einer Anekdote auf, dass die Arbeit damals nicht ungefährlich war. Noch in seiner Zeit als Lehrling hat er versucht, einen Transmissionsriemen von der Antriebswelle bei laufendem Betrieb herunter zu nehmen. Die Riemen waren mit Klammern zusammengefügt, wo auch schon einmal ein Draht seitlich herausschaute. So ein Draht hat sich damals in der Arbeitskleidung von Georg Krumpholz verfangen. "Innerhalb einer Sekunde stand ich splitternackt da." Damit aber nicht genug. "Um nicht nackt über den Hof zur Wohnung gehen zu müssen, habe ich mir einen alten Sack um die Hüfte geschlungen. Als ich die Werkstatt verließ, stand ich einer Berliner Schulklasse mit lauter 13-jährigen Mädchen gegenüber", erinnert er sich an den peinlichen Auftritt. Ein paar Jahre später sei das auch seinem Vater passiert. "Aber das hat keiner gesehen", schmunzelt Krumpholz.

Es sei ganz schön hart gewesen, von früh bis in die Nacht hinein in der Schmiede zu stehen. Dazu kam, dass die Mannschaft Reparaturen an den Maschinen selbst erledigte. "Da kam es vor, dass wir ein zwei Tonnen schweres Zahnrad ausbauen mussten." Neue, schwere Maschinen habe man auf Schienen und mit der Seilwinde eines Traktors gesichert den Berg hinabgleiten lassen. "Das war schon sehr gefährlich. Heute kommt für so etwas ein Kran", sagt er.

Im Jahr 1977, also im Alter von 40 Jahren, hat er dann das Geschäft von seinem Vater übernommen. Seine Frau Sigrid habe die Büroarbeit erledigt, während er sich um die Produktion gekümmert hat. Er habe auch als Chef selbst mitgearbeitet und dabei Erkenntnisse gewonnen, wie man noch schneller und einfacher arbeiten konnte. "Meine Mitarbeiter wollten davon oft nichts hören, die wollten lieber im alten Stil weitermachen."

Damals habe die Schmiede Werkzeuge für den Bau und die Forstwirtschaft hergestellt. "Als es einmal schlechter lief, war ich froh, dass ich Händler fand, die den Bergbau beliefert haben. Daraufhin haben wir tonnenweise Werkzeuge für Untertage hergestellt", berichtet Georg Krumpholz. In all den Jahren habe sich der Umsatz ständig erhöht, aber nicht der Gewinn. "Es hat auch schwierige Zeiten gegeben", sagt Krumpholz senior. Und er erinnert daran, dass damals die Kreditzinsen bei zehn bis zwölf Prozent lagen. "Wir haben das Fremdkapital für die Produktion gebraucht", erinnert er sich.

Die Maschinen haben sich in all den Jahrzehnten nur wenig verändert: "Die Arbeit mit den alten Federhämmern war sehr schwer", sagt Krumpholz, heute stehen fünf Lufthämmer in der Schmiede.

Als er das 65. Lebensjahr erreicht hatte, hat Georg die Geschäftsführung an seinen Sohn Claus übergeben. "Der hatte neue Ideen, mit denen ich zunächst nicht so einverstanden war." Heute räumt Georg Krumpholz ein, dass sein Sohn den richtigen Weg eingeschlagen hat, als er das Sortiment mehr auf Gartenwerkzeuge umgestellt hat.

Die Schmiede liefere heute Werkzeuge aller Art von höchster Qualität, und zwar mit Stiel. Alle diese Werkzeuge tragen als "Qualitätssiegel" den Namen Krumpholz auf dem Label. Inzwischen hat die Marke einen guten Namen auf dem Markt. Nach wie vor produziert die Schmiede aber auch Werkzeuge für die Forst- und die Bauwirtschaft.

Claus Krumpholz ist stolz auf zahlreiche Auszeichnungen für sein Unternehmen, darunter als "Marke des Jahrhunderts". Damit gehört Krumpholz zu den rund 250 Marken der Königsklasse der deutschen Wirtschaft. Zu verdanken hat das Unternehmen diese Erfolge der langen Tradition der Schmiedequalität aus Schwedenstahl. Einen kleinen Beitrag liefert auch heute noch der 80-jährige Georg Krumpholz, der fast täglich in der Schmiede nach dem Rechten sieht. Die Familientradition wird eine Fortsetzung finden, denn im Unternehmen arbeitet bereits die nächste Generation mit in Person von Claus Georg Krumpholz, geboren 1989. Sichtbarer Beweis dafür, dass die Familie eine gute Zukunft für ihr Unternehmen sieht, ist ein Erweiterungsbau, der derzeit im Rehbachtal entsteht.

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Manfred Biedefeld
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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
00:00 Uhr

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Manfred Biedefeld

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12. 09. 2018
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