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Kulmbach

Von null auf zehn in zehn Wochen

Aus Couch-Potatoes werden ehrgeizige Sportler. Der inner Schweinehund ist längst überwunden.



Kurz vor dem Start auf der Sportanlage der Realschule. Vorne in der Mitte (mit Mütze Kursleiterin Helga Kauper. Fotos: Dieter Hübner
Kurz vor dem Start auf der Sportanlage der Realschule. Vorne in der Mitte (mit Mütze Kursleiterin Helga Kauper. Fotos: Dieter Hübner   » zu den Bildern

Kulmbach - Zehn Wochen trainieren, um dann zehn Kilometer zu laufen - das ist Lauf 10! 21 Laufanfänger haben mithilfe der SGB Stadtsteinach das große Ziel erreicht.

Die seit 2008 vom Bayerischen Rundfunk in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München populär gewordene "Lauf 10-Aktion" für untrainierte Menschen und Sportmuffel hat auch in der Region ihre Anhänger gefunden. Über 250 spezielle Laufgruppen haben sich in Bayern dieser Aktion angeschlossen. Eine davon ist die Sportgemeinschaft Biathlon (SGB) Stadtsteinach. Zweite Vorsitzende Helga Kauper, die beim Bayerischen Landes-Sportverband das Zertifikat als Laufgruppen-Leiterin erworben hat, nahm sich im Verein dieser "Couch-Potatoes" an. Sie hat sich einen Leitspruch verinnerlicht, der Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben wird. "Erfolg hat drei Buchstaben: TUN".

Nach der Anmeldung beim Bayerischen Rundfunk absolvierte sie ab 29. April mit anfangs knapp 30 Interessierten nach einem Trainingsplan der TU München bis zu dreimal in der Woche die ersten Trainingsläufe. Und zwar bei jedem Wetter. Unterstützt wurde sie bei den Trainingseinheiten von Jürgen Lindner, Karin Weggel und Ben und Anne Volpert, die alle erst 2016 beziehungsweise 2018 bei "Lauf 10" angefangen haben.

Helga Kauper sah ihre wichtigste Aufgabe zunächst darin, die Anfänger von Woche zu Woche zu motivieren. Los ging es mit langsamen Trip-pel-Schritten, dann folgte lockeres bis zügiges Walken, bevor ab der siebten Woche allmählich zum Joggen übergewechselt wurde. Mit der Zeit haben sich entsprechend dem jeweiligen Laufvermögen zwei, drei Gruppen gebildet, um Teilnehmern, denen schon mal der "Sprit" ausgegangen war, Gelegenheit zu geben, zwischendurch mal ein paar Schritte zu gehen.

Jede Woche wurde die Laufstrecke um einen Kilometer erweitert. Dazwischen gab es zur Stabilisierung der Körpermitte immer wieder Koordinations- und Kraftübungen und Gymnastik, aber auch immer wieder Ruhetage. Der Rehberg, der Trimm-Dich-Pfad am Flugplatz, die Kieswäsch, die kleine Kessel-Runde, später vom Freibad bis zur Kneipp-Anlage in Ebersbach, im Wald und auf Asphaltwegen, waren abwechselnd die Übungsorte. Und immer stand dabei der Spaß im Vordergrund. Am Mainzusammenfluss saßen sie schließlich buchstäblich "alle in einem Boot". Jeder wusste, ich mache das, um mein Wohlbefinden zu verbessern.

Alexander Lattner aus Kulmbach ist einer der Neueinsteiger. "Ich habe vom Klettersteig über Radfahren und Wandern zwar schon allerhand gemacht. Aber Joggen war bisher nicht mein Ding", erklärt er kurz vor dem Start. "Ich merkte, dass meine Ausdauer mit jedem Trainingstag besser wurde. Nach drei, vier Wochen läuft man einfach schon leichter. Und wenn man wirklich mal einen Hänger hat, zieht einen die Gruppe einfach mit. Allein würde ich vielleicht eher mal sagen: Ich habe jetzt keinen Bock mehr."

Zehn Wochen Training sind vorbei. Jetzt galt es. Für den harten Kern von 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 14 bis 65 Jahren war der Sportplatz der Carl-von-Linde-Realschule in Kulmbach Treffpunkt für den Abschlusslauf. Nervosität war nicht zu spüren. Alle waren guter Dinge. Wie üblich, waren ein paar Aufwärm-Übungen für die 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Pflicht. Darauf legt Kursleiterin Helga Kauper Wert. Dann war es so weit. Bei angenehmen Temperaturen erfolgte der Start in Richtung Melkendorf, über die Forststraße nach Wickenreuth. Dass der Verein voll hinter der Aktion steht, sah man auch unterwegs. Nach fünf Kilometer hatten einige Mitglieder mit Vorsitzendem Harald Stricker und Sportwartin Jutta Kratzel eine Verpflegungsstation aufgebaut.

Probleme gab es unterwegs nicht. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten waren tatsächlich alle im Ziel, begleitet vom Beifall der im Stadion anwesenden Angehörigen und Vereinsmitglieder. Alle waren froh, dass sie es geschafft hatten. Manche legten auf den letzten Metern sogar noch einen fulminanten Schlussspurt hin. Egal wie, alle waren nach diesem Lauf Sieger.

Alexander Lattner kam nach 65 Minuten an. "Etwas kaputt, aber gut drauf", gab er zu Protokoll. Er ist überzeugt, dass sein Entschluss, vor eineinhalb Jahren mit dem Rauchen (30 bis 40 Zigaretten am Tag) aufzuhören, mit dazu beigetragen hat, dass er es geschafft hat. Und er will auf jeden Fall weitermachen.

"Jetzt bin ich schon so weit gekommen, jetzt ist das nächste Ziel der Halbmarathon", schaut er nach vorne. Die ausgeschütteten Endorphine sorgen für ein zufriedenes Gefühl, für den "Flow", von den Läufern auch "Runner’s High" genannt. Sportwartin Helga Kauper hofft, dass neben Alexander Lattner auch andere "Finisher" dabei bleiben und weiterhin an den regelmäßigen Lauftreffs teilnehmen.

Als kleine Belohnung erhielten alle bei einem gemeinsamen Abschlussabend eine Urkunde und ein kleines Geschenk. Viel wichtiger aber wird für sie sein, dass sie es geschafft haben, den inneren Schweinehund zu überwinden und etwas für ihre Gesundheit getan zu haben. Und darauf können sie zu Recht stolz sein.

Autor

Dieter Hübner
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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
17:18 Uhr

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Dieter Hübner

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
17:18 Uhr



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