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Kulmbach

Walzen versus Wiesenbrüter

Eines der Verbote im Volksbegehren Artenschutz: Ein Walz-Verbot auf Wiesen nach dem 15. März. Bauern aus dem Kreis erklären, warum das für sie verheerend wäre.



Seit Jahren klagen die Bauern in der Region Presseck über die zahlreichen Wildschweine, die aus Wiesen Äcker machen. Landwirt Georg Wolf (rechts) aus Schöndorf bei Presseck. Wolfgang Goller (von links), Norbert Grass, Arnold Vogler, Rainer Heinz, Wolfgang Baumer und Georg Wolf haben bereits vor Jahren ihre Misere öffentlich gemacht, am Ende der Kette immer diejenigen zu sein, die Schäden erleiden und zusätzliche Arbeit haben. Das Verbot, nach dem 15. März noch Walzen auf den Wiesen einzusetzen, würde im Oberland eine Nachsaat unmöglich machen, sagen die Landwirte. Fotos: Melitta Burger
Seit Jahren klagen die Bauern in der Region Presseck über die zahlreichen Wildschweine, die aus Wiesen Äcker machen. Landwirt Georg Wolf (rechts) aus Schöndorf bei Presseck. Wolfgang Goller (von links), Norbert Grass, Arnold Vogler, Rainer Heinz, Wolfgang Baumer und Georg Wolf haben bereits vor Jahren ihre Misere öffentlich gemacht, am Ende der Kette immer diejenigen zu sein, die Schäden erleiden und zusätzliche Arbeit haben. Das Verbot, nach dem 15. März noch Walzen auf den Wiesen einzusetzen, würde im Oberland eine Nachsaat unmöglich machen, sagen die Landwirte. Fotos: Melitta Burger   » zu den Bildern

Kulmbach - Käme es so, wie die Initiatoren des Volksbegehrens Artenvielfalt es fordern, würden schon vom kommenden Jahr an Bayerns Landwirte vor einem guten Dutzend neuer Verbote stehen. Das Verbot, Wiesen nach dem 15. März noch zu walzen, ist eines davon. Walzen, das ist das Anliegen der Organisatoren, gefährde die Wiesenbrüter. Doch die Bauern im Landkreis Kulmbach weisen dieses strikte Datum zurück. Ihre Argumente: Vor dem 15. März ist es in unserer Region kaum möglich, in eine Wiese zu fahren, zum Beispiel um notwendige Nachsaaten vorzunehmen. Im Oberland ist zu dieser Zeit oft noch Winter. In der unteren Region des Landkreises sind die Wiesen nass, in Flussnähe zu dieser Zeit sogar oft überschwemmt. Ohne das Walzen, sagen die Bauern, wären viele Flächen für die Futtergewinnung nicht mehr geeignet. Die Folge: Futter müsste aus anderen Regionen Deutschlands zugekauft werden. "Das Datum muss weg", ist die Forderung der Landwirte. Für Wolfgang Baumer aus Kunreuth ist nicht nur dieser Teil des Volksbegehrens "total sinnfrei". Der Landwirt ist frustriert: "Wer das fordert, hat keine Ahnung von der Praxis. Ich weiß nicht, was diese Leute sich denken."

Wiesen, von denen Heu gemacht wird, müssen gewalzt werden. Das hat verschiedene Gründe. Wenn zum Beispiel die Grasnabe durch Frost aufgebrochen wurde oder Wildschweine die Wiese durchwühlt haben. Würde diese Fläche nicht neu angesät, käme beim Mähen auch Dreck und Erde mit ins Futter. Das wäre dann nicht nur von schlechter Qualität. Es bestünde auch die Gefahr, dass das im Winter dringend benötigte Futter für das Vieh verschimmelt.

Im Oberland haben die Bauern aufgrund der Lage ihrer Flächen ohnedies schon schlechtere Bedingungen als beispielsweise ihre Kollegen aus Unterfranken. Wolfgang Baumer lacht mit einer spürbaren Bitternis, wenn er an das Datum denkt, das die Initiatoren des Volksbegehrens für das Walzen setzen wollen. "In unseren Höhenlagen haben wir am 15. März oft noch Schnee und Frost. In diesem Jahr hätten wir bisher noch gar keine Chance gehabt, in eine Wiese zu fahren." Und auch die Wildschweine sind derzeit in den Wiesen auf den Höhen des Frankenwalds noch gar nicht aktiv. "Die Schäden durch die Schweine gehen doch bei uns jetzt erst los. Die kommen, wenn der Schnee weg ist und die Wiesen feucht sind." Seit Jahren bereits klagen die Bauern in der Pressecker Region über eine regelrechte Wildschweinplage. Die Schäden sind immens.

Wolfgang Baumer wünscht sich, dass die Bevölkerung besser informiert würde, besser über die wesentlichen Grundlagen in der Landwirtschaft Bescheid wüsste. Da, sagt er, müsste auch der Bauernverband noch mehr Aufklärung bieten. "Wir müssen den Leuten wieder näherbringen, worum es bei uns geht. Wir sind nicht nur die, die mit der Spritze herumfahren und alles totmachen. Es kann doch nicht sein, dass man immer nur uns die Schuld an allem gibt."

Gerhard Reif hat seinen Hof in Gössenreuth im Stadtgebiet von Kulmbach. Schnee und Frost sind dort zwar kein Problem. Dafür aber die massive Feuchtigkeit. Vor wenigen Tagen waren viele Auwiesen komplett unter Wasser. Unmöglich, dort jetzt mit einem Traktor zu fahren und zu walzen. "Das ist Planwirtschaft auf dem Reißbrett", schimpft Gerhard Reif. "Wir können sagen, am 24. Dezember ist Weihnachten. Aber wer in der Natur arbeiten will, kann kein Datum im Kalender ankreuzen. Jeder, der bei klarem Verstand ist, weiß, dass man sich nach der Natur richten muss. Leider haben viele Menschen dieses Gefühl und Wissen inzwischen verloren." Der Gössenreuther Landwirt, der auch für Berufskollegen als Lohnunternehmer tätig ist, macht unmissverständlich klar: "Wer jetzt bei uns in der Gegend mit dem Traktor in eine Wiese fährt, weil das Datum es vorgibt, macht sie kaputt."

Aus Unwissen um die Gesamtzusammenhänge würden dann oft nicht umsetzbare Forderungen erhoben, etwas unter Schutz zu stellen. Für Reif ist das eine bittere Pille. "Wir Bauern ernähren seit mehr als Tausend Jahren das Land. Das machen wir auch weiter, wenn man uns lässt. Man sollte uns Landwirten vertrauen und nicht einfach nur ständig gegen uns hetzen."

Als "fachlich nicht durchführbar" schätzt auch BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger eine zeitliche Begrenzung für das Walzen ein. Niemand in seinem Berufsstand, das macht Löwinger deutlich, walze eine Wiese, weil er Spaß daran habe. "Wenn es gemacht wird, dann ist es auch notwendig." Wenn Gras gesäht wird, müsse man das Saatgut in den Boden drücken. Wenn Frost die Grasnabe gelockert und angehoben hat, sei die Walze auch nötig, damit die Pflanzen wieder Kontakt zum Erdreich bekommen. Der 15. März als letzte Frist für diese Arbeit ist nach Worten des BBV-Kreisobmanns "bei uns zu 90 Prozent ein Termin, wo es noch nicht geht." Das gelte für die Beschaffenheit der Böden ebenso wie für das Wetter. "So lange es noch Nachtfröste gibt, geht das aus fachlichen Gründen nicht. Da würde man mehr kaputtmachen." In der Landwirtschaft drehe sich nahezu jede Arbeit um das Wetter. "Bei extremen Bedingungen kann es auch erst der 20. April sein. Ein Zeitfenster von vier Wochen ist ganz normal. Wenn es regnet, kann man nicht walzen. Das ist ein Grundsatz."

Wilfried Löwinger ist, wie viele seiner Berufskollegen, alles andere als erfreut über die "Einmischung" von außen. "Wir haben unseren Beruf gelernt. Jeder von uns weiß, was er zu tun oder zu lassen hat. Wir brauchen keinen Rat von Leuten, die von unserer Arbeit zu wenig wissen. Einem Schreiner schreibt man doch auch nicht vor, wie er ein Brett hobeln muss. Jeder hat sein Handwerk gelernt. Wir auch." Vor allem in der Landwirtschaft mache es kaum Sinn, feste Daten vorzugeben. "Wir pflegen seit Hunderten von Jahren die Landschaft."

Trotz allen Ärgers über dieses Datum: "Das dürfte eines der geringsten Probleme im Zusammenhang mit diesem Volksbegehren sein", sagt Wilfried Löwinger. Er setzt jetzt auf Lösungen am Runden Tisch, die hoffentlich alle Seiten zufriedenstellen. "Vernünftig" seien die Gespräche bislang gelaufen, findet der Bauernobmann. Er glaubt, dass es Alois Glück gelingen wird, Ordnung in dieses Thema zu bringen, wenn alle Seiten bereit sind, aufeinander zuzugehen. Gelingt das nicht, bliebe den Bauern nur noch eine Klage. Aber darüber will jetzt noch keiner reden.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
19. 03. 2019
17:16 Uhr

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19. 03. 2019
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