Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelGerchRegionale Videos: Kellerwetter, Tiny House

Kulmbach

Warnung vor Wohnungsnot im Alter

Deutschland steuert nach Ansicht von Experten auf ein massives Alterswohnproblem zu. In Bayreuth finden schon jetzt alte Menschen nicht leicht passende Wohnungen.



Bayreuth/München - Eine "graue Wohnungsnot" drohe, schlug das Pestel-Institut Hannover dieser Alarm. In Bayreuth sei die Situation nicht so dramatisch wie in Ballungsgebieten, doch gehe der Trend in die von der Studie beschriebene Richtung, sagt Christian Hartmann, Kreisgeschäftsführer des Sozialverbandes VdK. Schon jetzt sei der Markt für Singlewohnungen mit 60 bis 80 Quadratmetern in der Stadt "sehr eng". Es fehlten vor allem barrierearme Wohnungen ohne Treppenaufgang mit geräumigem Bad, die erschwinglich seien. "Ich habe jeden Monat zwei, drei Anfragen von älteren Bürgern, die keine geeignete Wohnung finden", sagt Hartmann.

Auch Manuela Brozat, Sozialreferentin der Stadt, bekommt bereits jetzt immer wieder zu hören, dass entsprechende Nachfragen beim Wohnungsamt nicht oder nicht gleich befriedigt werden können. Einen Überblick über den Bedarf und das Angebot hat die Stadt aber nicht, weil die Zahlen nicht erfasst seien. Was die Stadt ganz allgemein weiß, ist, dass der Wohnungsbau zuletzt zurückging: Im vergangenen Jahr hat sie 388 Baugenehmigungen erteilt (darunter 318 Wohnungen). Im Vorjahr waren es noch 452.

 

Immer mehr ältere Menschen: Schätzungen zumindest gibt es zur künftigen Altersstruktur der Bayreuther Bevölkerung. Das Statistische Landesamt erwartet, dass im Jahr 2037 etwa 46 von 100 Bayreuthern 65 Jahre oder älter sein werden. Derzeit gehören 34 von 100 Bürgern dieser Altersgruppe an. Im Landkreis Bayreuth fällt der Alterungsprozess noch drastischer aus: Jetzt sind 37 von 100 Bürgern im Alter von 65 plus, in 18 Jahren könnten es 61 von 100 Einwohnern sein.

90 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe leben nach Erkenntnissen der bayerischen Koordinierungsstelle "Wohnen im Alter" in ihren eigenen Wohnungen, aber nur fünf Prozent der Wohnungen sind barrierefrei. Während das Pestel-Institut eine "Senioren-Umzugswelle" vorhersagt, ist Christian Hartmann skeptisch. "Wer mit 70, 80 Jahren in eine kleinere, barrierearme Wohnung umziehen will, der bekommt in Bayreuth nichts, wenn er sich keine hohe Miete leisten kann." Im Landkreis gebe es zwar günstigeren Wohnraum, aber oft nicht barrierearm. Und es komme auch durchaus vor, dass Menschen in Wohnungen mit günstigeren Mieten umzögen, dann aber merkten, dass die Nebenkosten umso höher seien. In vielen Fällen gingen Menschen, die in ihren alten Wohnungen nicht bleiben könnten, gleich ins Pflegeheim.

 

Viel Arbeit für Wohnberater: Damit ältere oder körperlich gehandicapte Bürger möglichst in ihren Wohnungen bleiben können, gibt es Wohnberater in Stadt und Landkreis Bayreuth. Die städtische Wohnberaterin Bettina Müller hat nach Aussage von Manuela Brozat schon jetzt gut zu tun: 300 Beratungen und 40 Hausbesuche absolviere sie im Jahr. Dabei geht es vor allem darum, bestehende Wohnungen seniorenfreundlicher und barrierearm umzubauen. Laut Pestel-Institut rechnet sich das nicht zuletzt auch für den Staat: Der altersgerechte Umbau einer Wohnung koste rund 16 000 Euro, stationäre Pflege sei pro Jahr rund 8500 Euro teurer als ambulante Pflege. Ein altersgerechter Umbau mache sich schon nach zwei Jahren bezahlt. Auch der VdK sieht im Wohnungsumbau ein gutes Mittel, den Mangel geeigneter Wohnungen zu beheben. "Wir fordern seit Langem, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die bestehende Förderung ausweitet", sagt Hartmann.

Autor

Peter Rauscher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 01. 2019
18:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bürger Christian Hartmann Experten Gefahren KfW Bankengruppe Sozialverband VdK Wohnungsknappheit Wohnungsämter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Schon früh müssen Kinder lernen, nicht bei Fremden ins Auto zu steigen. Beratungsstellen bieten dafür spezielle Kurse an. Dort lernen die Kinder, wie sie Nein sagen und Hilfe suchen können. Foto: dpa / Frank Rumpenhorst

19.12.2018

Fremde nicht beachten, zügig weiter gehen

Ein Zehnjähriger wurde wohl auf dem Schulweg von einem Fremden angesprochen. Wie sollten Kinder in einem solchen Fall reagieren? Experten geben Tipps. » mehr

Zum 70. Jubiläum hat der VdK-Ortsverband Wirsberg eine Reihe von Mitgliedern geehrt. Der VdK-Landesverband zeichnete Bürgermeister Hermann Anselstetter aus. Das Bild zeigt (vordere Reihe von links) Heidemarie Holhut, Hertha Anselstetter, Regina Söllner, Vera Nenninger, Regina Opel, Ewald Oertel und Sibylla Naumann sowie (obere Reihe von links) stellvertretenden VdK-Landesvorsitzenden Hellmut Ott, VdK-Ortsvorsitzenden Thomas Steinlein, Bürgermeister Hermann Anselstetter, Manfred Wiefek, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, VdK-Kreisvorsitzenden Klaus Nenninger und stellvertretende VdK-Ortsvorsitzende Irmgard Ackermann, die auch die Chronik des VdK-Ortsverbandes Wirsberg vortrug. Foto: Werner Reißaus

14.08.2017

Ein Hort der Kameradschaft

Zum 70. Jubiläum des VdK Wirsberg hebt Bürgermeister Hermann Anselstetter die Verdienste der Gründerväter hervor. Der Name Karl Hahn wird im Ort unvergessen bleiben. » mehr

Im Oktober 1983 wurde Wirsberg als behindertenfreundlicher Kurort in München ausgezeichnet. Im Bild (von links) der damalige Gemeinderat Erwin Ringsdorf, Bürgermeister Hermann Anselstetter, VdK-Ortsvorsitzender Karl Hahn, VdK-Präsident Karl Weishäupl und Ortsbetreuerin Lina Kneitz.

09.08.2017

Der Vorzeige-Ortsverband des VdK

Der VdK Wirsberg feiert am Freitag 70. Jubiläum. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist er der stärkste Verband im Landkreis. » mehr

Obdachlosen-Zahl nimmt zu

12.10.2018

Jeder Mensch braucht eine Wohnung

Die Herbstsammlung der Diakonie geht in diesem Jahr zugunsten von wohnungslosen Menschen. Die Aktion startet am Montag. » mehr

Alles neu macht der Mai: So präsentiert sich das modernisierte und erweiterte Dr.-Julius-Flierl-Seniorenheimin Marktleugast.	Fotos: Klaus-Peter Wulf

05.05.2017

Frischzellenkur fürs Seniorenheim

Das Rote Kreuz hat sein Heim in Marktleugast "aufgemöbelt" und erweitert. Auf diese Weise sollen Familien für ihre Angehörigen wohnortnah einen Pflegeplatz finden. » mehr

Im Gründungsjahr 1947 trat der Grafengehaiger Alfred Burger dem VdK-Kreisverband Kulmbach bei. Am Samstag nahm er die Ehrung für 70-jährige Mitgliedschaft aus den Händen von Kreisvorsitzenden Klaus Nenninger und VdK-Kreisgeschäftsführer Alexander Wunderlich entgegen. Unser Bild zeigt (von links) VdK-Kreisgeschäftsführer Alexander Wunderlich, ZBFS-Regionalstellenleiter Rudolf Kirchberger, Landtagsabgeordneten Martin Schöffel, Landrat Klaus Peter Söllner, VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, VdK-Kreisvorsitzenden Klaus Nenninger, Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm, Alfred Burger, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Dr. med. Camelia Sancu vom Gesundheitsamt und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Foto: Klaus-Peter Wulf

28.02.2017

Ein Sozialverband per excellence

Seit 70 Jahren gibt es im Landkreis Kulmbach den VdK. Alfred Burger aus Grafengehaig ist seit der Gründung dabei. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

"Let it beat" in der Hofer Freiheitshalle

"Let it beat" in der Hofer Freiheitshalle | 16.02.2019 Hof
» 41 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night

Black Base - Mens Night | 16.02.2019 Hof
» 60 Bilder ansehen

Selber Wölfe-Eisbären Regensburg 3:2

Selber Wölfe -.Eisbären Regensburg 3:2 | 17.02.2019 Selb
» 48 Bilder ansehen

Autor

Peter Rauscher

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 01. 2019
18:36 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".