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Kulmbach

Wegbereiter des Pressecker Tourismus

Von der Bierwirtschaft zum renommierten Landgasthaus: Hugo Reuther hat mit dem"Pressecker Hof" die Marktgemeinde geprägt. Am 25. Mai feiert er 80. Geburtstag.



Hugo Reuther feiert demnächst seinen 80. Geburtstag. Er und seine Frau Christa können auf eine stolze Lebensleistung als Gastronomen in Presseck zurückblicken.	Foto/Repro: Siegfried Sesselmann
Hugo Reuther feiert demnächst seinen 80. Geburtstag. Er und seine Frau Christa können auf eine stolze Lebensleistung als Gastronomen in Presseck zurückblicken. Foto/Repro: Siegfried Sesselmann   » zu den Bildern

Presseck - Natur, Wanderwege, Baudenkmäler: Die Frankenwaldgemeinde Presseck hat viel zu bieten. Das örtliche Lebensmittelhandwerk ist in den vergangenen Jahren jedoch nahezu komplett verschwunden. So fehlen Metzgerei, Bäckerei und Einkaufmöglichkeiten, doch die Gaststätte "Pressecker Hof" steht wie ein Fels in der Brandung - bereit für die Zukunft. Hier floriert das Lebenswerk von Hugo und Christa Reuther, die in fast 60 Jahren aus kleinsten Anfängen mit viel Fleiß, Geschick und Geschäftssinn einen renommierten Gasthof etablierten.

 

Eine Land- und Gastwirtsfamilie: Als Hugo Reuther vor 80 Jahren, am 25. Mai 1939 in der Großbirken, in der damaligen Gemeinde Schwand das Licht der Welt erblickte, konnte niemand ahnen, dass er mit seinem Unternehmen die Entwicklung Pressecks nicht nur im kulinarischen, sondern besonders auch im touristischen Bereich maßgeblich mit beeinflussen würde. Hugo Reuthers Großvater Johann Reuther (1882 - 1957) entstammte der Metzgerei Reuther in Stadtsteinach, der die Wirtswitwe Sophie Schütz 1907 in Presseck heiratete, um mit ihr die Bierbrauerei und Metzgerei zu führen. Hugos Vater, Hans Reuther (1908 - 1962), heiratete 1932 die Wirtstochter Katharina Sesselmann (1910 - 1963) aus der Großbirken, in der eine lange Gastwirtschaftstradition bis vor 1800 nachzuweisen ist. Von den sechs Kindern war Hugo der dritte Junge und heute der einzig noch lebende. Seine Eltern führten nicht nur die Großbirken, sondern nach dem Krieg auch die Landwirtschaft und Bierwirtschaft in Presseck Nummer 8, heute Helmbrechtser Straße 2.

 

Jung gefreit, nie gereut: Als am zweiten Weihnachtsfeiertag 1959 der junge Hugo mit Freunden mit seinem Auto auf die "Frei" ging, landeten die jungen Männer zufällig in Wolfersgrün bei Wallenfels im Gasthaus "Neue Welt", wo das Schicksal ihn und seine zukünftige Frau Christa, geborene Engelhardt, deren Vorfahren mütterlicherseits aus Enchenreuth stammen, zusammenführten. Beide merkten bald, dass sie den Lebensweg gemeinsam gehen wollten - und so wurde ein halbes Jahr später geheiratet. Und das am 18. Geburtstag von Christa - am 6. August 1960. Doch was nun folgte, war Arbeit und Entbehrung, aber immer mit einem klaren Ziel vor Augen.

 

Zwei Arbeitstiere: Es begann schon damit, dass Hugos Eltern beide unerwartet und viel zu jung verstarben. Die Jungvermählten mussten die Landwirtschaft und die Bierwirtschaft übernehmen. Drei kleine Kinder mussten versorgt werden und die Ehefrau Christa, investierte wie auch Hugo ihre ganze Kraft in die gut florierende Gastwirtschaft. Oft saßen die Zecher bis weit nach Mitternacht. Und vor Sonnenaufgang wartete schon wieder das Vieh und wollte von dem Gast- und Landwirtsehepaar versorgt werden. Zum Durchschnaufen gab es jahrelang keine Möglichkeit, das Wort Urlaub kannte man nicht.

 

Mutiger Schritt in die Zukunft: Doch der Einsatz sollte sich lohnen. 1969 riss die Familie das komplette Pressecker Anwesen ab, um einen neuen Gasthof zu errichten, der den gestiegenen Ansprüchen genügen sollte und mehr Platz und Möglichkeiten bot. Die beiden spielten parallel mit dem Gedanken, einen stattlichen Aussiedlerhof zu bauen, verwarfen den bereits genehmigten Plan aber über Nacht, um mit voller Kraft in die gastronomische Zukunft zu starten. Das Bier kam damals ausschließlich von der Brauerei Schübel aus Stadtsteinach, wohl mittlerweile über 100 Jahre. Seit 35 Jahren bietet man den Gästen auch Reichelbier aus Kulmbach an. So war der Gasthof gerüstet für Hochzeiten, Familien- und Betriebsfeiern - und die Gäste kamen nun aus nah und fern.

 

Auf Werbetour in ganz Deutschland: Schon 15 Jahre nach dem Neubau nutzen die Nimmermüden eine Marktlücke, nahmen viel Geld auf und wagten etwas Neues. Hugo Reuther ließ an den Gasthof einen Anbau mit Fremdenzimmern errichten, so dass man Übernachtungsmöglichkeiten für über insgesamt 60 Gäste schaffte. Doch woher sollten die Gäste kommen? Die Reuthers ergriffen wie gewohnt selbst die Initiative und reisten gezielt durch Deutschland. Schwerpunktstädte waren Frankfurt, Stuttgart, Berlin und Köln und dort überzeugte das Ehepaar das Rote Kreuz, die Caritas und den Sozialverband VdK von ihrer Idee. Das Konzept lautete, drei Wochen "Kururlaub" im Frankenwald. So kamen bestorganisiert jeweils Busse mit etwa 50 Personen, die Zimmer waren alle belegt und Presseck wurde nun durch Familie Reuther zu einem touristischen Magneten.

Im Zuge des Anbaus setzte die Gastronomenfamilie auch gleich die Idee einer Kegelbahn im Haus in die Tat um. Hugo und Christa Reuther lehnten sich aber immer noch nicht zufrieden zurück. Sie waren stets in der Wirtsstube, in der Küche oder bei anderen Umbauten - oder auf Werbereise.

Der Generationswechsel ist vollzogen: Im Jahre 2003 übergaben Hugo und Christa Reuther den Gasthof an ihren zweiten Sohn Thomas, der das beliebte gastronomische Unternehmen zusammen mit seiner Frau Monika weiterführt. Der gelernte Koch, der in Bamberg seine Ausbildung absolvierte, löste nun die langjährige Köchin Hilde Koch aus Enchenreuth ab. Den weiteren Besitz, die Landwirtschaft und die Großbirken, haben beide ihrem Sohn Roland, einem Landmaschinenmechaniker, und ihrer Tochter Anja, einer gelernten Hotelfachfrau, überschrieben.

Doch Ruhe kehrte bei beiden nie ein. Die Großbirken musste von Grund auf um- und ausgebaut werden. Hier ist nun ihr "Alterssitz" und der Jubilar blickt auf ein arbeitsreiches Leben zurück. Sechs Enkelkinder und vier Urenkel sichern den Fortbestand der Familie Reuther.

Man kann mit Sicherheit behaupten, das Fundament, das Hugo Reuther und seine Frau Christa gelegt haben, den guten Namen, den beide erarbeitet haben und die traditionell gute Küche garantieren Erfolg für die weitere Zukunft. Ohne Hugo Reuther wäre Presseck um einiges ärmer.

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Siegfried Sesselmann

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Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
16:26 Uhr

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20. 05. 2019
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