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Kulmbach

Wildunfälle nehmen weiter zu

Die Gefahr, dass Autos mit einem Tier kollidieren, wird von Jahr zu Jahr größer. Polizei und Jäger warnen und rufen zur vorsichtigen Fahrweise auf.



Die meisten Wildunfälle passieren aufgrund von unangepasster Geschwindigkeit. Gerade in waldreichen Gebieten besteht eine erhöhte Gefahr. Verkehrsteilnehmer sollten besonders in der Dämmerung vorsichtig und vorausschauend fahren. Foto: Adobe Stock
Die meisten Wildunfälle passieren aufgrund von unangepasster Geschwindigkeit. Gerade in waldreichen Gebieten besteht eine erhöhte Gefahr. Verkehrsteilnehmer sollten besonders in der Dämmerung vorsichtig und vorausschauend fahren. Foto: Adobe Stock   » zu den Bildern

Kulmbach/Himmelkron - Zu unzähligen Wildunfällen ist der Himmelkroner Adolf Reinel schon gerufen worden. Der Vorsitzender des Jägervereins Bayreuth hat sein Revier zwischen Trebgast und Himmelkron und kennt die Gefahren, die bei Überlandfahrten lauern. Vor wenigen Tagen wäre ihm beinahe selbst ein Unfall passiert. Er war in der Nähe von Pechgraben unterwegs, als auf einmal drei Rehe auf der Straße standen. "Wenn ich gerast wäre, hätte es gekracht", erinnert er sich. "Ich habe auf 40 Stundenkilometer runter gebremst und das Licht abgeblendet." Die Geiß und ihre zwei Kitze sind gemütlich weitergezogen. Nicht jede Begegnung zwischen Wildtieren und Autofahrern geht so glimpflich aus. Im Landkreis Kulmbach gab es noch Auskunft der Polizei im vergangenen Jahr 932 Wildunfälle. Und die Gefahr wird größer.

Gefahr in der Dämmerung

Wildunfälle sind Unfälle, bei denen am Fahrzeug Schäden entstehen, weil der Fahrer ausweicht oder mit einem Tier zusammenstößt, teilt der ADAC mit. Wildunfälle machen rund fünf Prozent aller Straßenverkehrsunfälle aus. Jährlich kommt es dem Statistischen Bundesamt zufolge in Deutschland zu mehr als 200 000 Wildunfällen, bei denen 2018 mehr als 2700 Menschen verletzt wurden. 15 verunglückten dabei tödlich. Der Deutsche Jagdverband erklärt, dass jedes Jahr mehr als eine Million Wildtiere bei Unfällen ums Leben kommen - hauptsächlich Rehe aber auch mehr und mehr Wildschweine.

"Vorausschauendes Fahren und erhöhtes Gefahrenbewusstsein helfen folgenschwere Wildunfälle zu vermeiden", sagt der Automobilclub und weist darauf hin, dass die Tiere besonders häufig in Waldabschnitten und an Feldrändern die Straßen überqueren. Hauptsächlich in den Abend- und frühen Morgenstunden während der Dämmerung. Die wichtigste Verhaltensregel: Fuß vom Gas und immer bremsbereit sein.

Denn Wildtiere können nach Informationen des ADAC die Geschwindigkeit von Autos nicht einschätzen und warten nicht am Fahrbahnrand. Obwohl das Tier das Auto sieht, kann es trotzdem unmittelbar vorher auf die Straße springen.

Der ADAC empfiehlt: "Wenn Sie also ein Tier am Straßenrand entdecken, müssen Sie deutlich langsamer werden oder sogar ganz abbremsen. Schalten Sie das Fernlicht aus, um das Tier nicht zu blenden - dadurch bleibt es nämlich stehen. Hupen Sie zusätzlich, das verscheucht das Wild in den meisten Fällen." Ein Wildtier ist übrigens meist nicht allein unterwegs. Einem Tier könnten weitere folgen. Darauf sollte sich jeder Autofahrer einstellen.


"Auch in meinem Revier nehmen die Wildunfälle zu", sagt Adolf Reinel. Auf den Straßen zwischen Trebgast und Himmelkron sind im vergangenen Jahr 15 Wildtiere von Autos getötet worden. "Heuer sind es schon 14. Und erfahrungsgemäß kommen Ende des Jahres noch einige dazu."

Plus von 13 Prozent: Die Kulmbacher Polizei geht davon aus, dass die Wildunfallzahlen weiter steigen werden. Die 932 Wildunfälle von 2018 bedeuten ein Plus im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent, sagt Klaus-Peter Lang, der Leiter der Verkehrsabteilung bei der Polizeiinspektion Kulmbach. Bis Ende September 2019 haben sich im Landkreis bereits 760 Kollisionen mit Tieren ereignet. Das sind 80 mehr als im Vergleichszeitraum vor einem Jahr. "Der Trend setzt sich fort", sagt Lang.

In den Nachbarlandkreisen zeigt sich eine ähnliche Situation. Zum Beispiel im Landkreis Kronach. Jährlich ereignen sich dort rund 600 Kollisionen mit Wildtieren. Im aktuellen Jahr 2019 sind es bereits mehr als 500. Und dabei werden längst nicht alle Zusammenstöße in der Polizeistatistik erfasst.

Furchtbar verunstaltet: Adolf Reinel erlebt öfters, dass an den Straßen tote Tiere liegen. Doch vom Unfallfahrer gibt es keine Spur. Der Jäger vermutet, dass häufig Lastwagen mit dem Wild zusammenstoßen und dann einfach weiterfahren. Die Kadaver werden zufällig gefunden. Viele sind furchtbar verunstaltet. "Das kann dann nur ein Lkw gewesen sein. Ein Pkw wäre ganz schön demoliert, wenn er so in ein Tier hinein rauschen würde."

Der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr, nimmt weiter zu. Rund um Himmelkron und Neuenmarkt gibt es viele Umleitungen. Deshalb brettern die Lastwagen verstärkt auf der engen Staatsstraße durch Reinels Revier. Eine logische Folge ist, dass die Wildunfälle mehr werden.

Hohe Gefährdungslage: In den kommenden Wochen und Monaten ist die Gefährdungslage besonders hoch. Beim Wild gibt es derzeit viel Wechselbewegung, erklärt der Jäger. Denn die Feldflur ist ausgeräumt und die Nahrung wird knapper. Die meisten Unfälle, bei denen Autos mit Tieren kollidieren, geschehen während der Brunftzeit im Juli und August sowie in den Monaten November und Dezember. Während der dunklen Jahreszeit ist das Wetter oft trüb. Diese Faktoren bewirken, dass Autofahrer eine schlechte Sicht haben.

Rehe werden am häufigsten überfahren, stellt Adolf Reinel fest. Auch Wildschweine, Hasen, Greifvögel, Marder und Haustiere erwischt es regelmäßig. Viele tote Tiere werden gar nicht gefunden, sondern vom Fuchs weggeräumt, weiß der Jäger.

Autofahrer blenden oft aus, dass eine Begegnung für beide Seiten lebensgefährlich ausgehen kann. Reinel appelliert an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer. Im Zweifelsfall sollte der Fuß runter vom Gas.

Reflektoren und Duftzäune: Die Jäger haben in den vergangenen Jahrzehnten in der Region eine ganze Reihe von Schutzvorrichtungen ausprobiert. Beispielsweise sollen die blauen Reflektoren an den Leitpfosten am Fahrbahnrand Tiere fernhalten. In Himmelkron und Trebgast habe das ganz gut funktioniert. Aber es ist wie bei den Duftzäunen und mit anderen Versuchen. Irgendwann gewöhnen sich die Wildtiere daran und sie lassen sich davon nicht mehr abhalten.

Jährlich fünf verletzte Autofahrer: Klaus-Peter Lang von der Kulmbacher Polizei gibt allen Autofahrern den Rat, vorsichtig zu sein. "Die Tiere tauchen wie aus dem Nichts auf." Im Landkreis haben sich die meisten Wildunfälle früh während der Dämmerung sowie abends und nachts bis 24 Uhr ereignet. Die Zahl der Verletzten Autofahrer liegt jährlich bei rund fünf. Das ist verglichen mit der hohen Unfallzahl ein vergleichsweise niedriger Wert.

Dennoch sei die Gefahr nicht zu unterschätzen. Der Verkehr und die Wildpopulationen nehmen zu, erklärt Verkehrssachbearbeiter Lang. Wenn Lebens- und Schutzräume für Tiere weiter verschwinden und gleichzeitig mehr Straßen entstehen, dann wird es wohl immer häufiger zu den unliebsamen Begegnungen kommen.

Autor

Stefan Linß
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
17:22 Uhr

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Autor

Stefan Linß

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 10. 2019
17:22 Uhr



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