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Kulmbach

"Wir wünschen uns mehr Verständnis"

Adolf Hildner beteiligt sich an der Protestaktion mit den grünen Kreuzen. Er bezeichnet Markus Söder als einen Steigbügelhalter der Grünen.



Auch der Stadtsteinacher BBV-Obmann Adolf Hildner hat nun ein grünes Kreuz auf seinem Grund aufgestellt. Foto: Werner Reißaus
Auch der Stadtsteinacher BBV-Obmann Adolf Hildner hat nun ein grünes Kreuz auf seinem Grund aufgestellt. Foto: Werner Reißaus  

Stadteinach - Der Stadtsteinacher Obmann des Bayerischen Bauernverbandes, Adolf Hildner, ist bekannt für seine klare Sprache und mitunter auch deutlichen, kritischen Worte gegenüber dem eigenen Verband und der Politik. Am vergangenen Samstag ließ er an der Anhöhe der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Stadtsteinach und Gumpersdorf auch Taten folgen.

An einem "Grünen Kreuz" mit einer Solarleuchte, damit man auch nachts den Text lesen kann, brachte er ein Schild mit folgendem Text an: "Landwirtschaft ade! Zu spät werden die grünen Besserwisser erkennen, dass Land- und Forstwirte die einzigen waren, die wirklich und praktisch die Natur pflegen und erhalten." Die Anbringung dieses Schildes hatte Adolf Hildner mit seinem Ortsverband abgesprochen und deshalb war auch der Name "BBV-Ortsverband Stadtsteinach" am Ende angebracht.

Herr Hildner, in den vergangenen Wochen wurden überall in unserer Region grüne Kreuze auf landwirtschaftlichen Flächen aufgestellt. Was hat Sie veranlasst, sich an der Aktion zu beteiligen?

Wegen einer bauernvernichtenden Agrarpolitik sehen wir Landwirte uns gezwungen, Mahnkreuze aufzustellen. Wir wollen damit zeigen, dass eine familiengeführte Landwirtschaft zu Grabe getragen wird.

Es gab ja einen Runden Tisch mit Ministerpräsident Markus Söder, an dem die Landwirte mit den Vertretern des Naturschutzbundes am Tisch saßen. Das Ergebnis dieses Gespräches lässt aus Ihrer Sicht zu wünschen übrig.

Mehrheitlich waren Naturschützer oder besser gesagt, Naturvernichter und Grüne am Tisch. Hier wusste doch jeder, wie so ein Gespräch ausgeht. Ich kann mir nicht helfen, aber unser Ministerpräsident hat dabei die Funktion eines Steigbügelhalters der Grünen übernommen, denn durch eine Umschwenkung auf Klimawandel und Naturschutz will er für die nächste Landtagswahl punkten und da zählt die Minderheit Landwirtschaft einfach nicht.

Wie stehen Sie zur Biolandwirtschaft?

Egal, ob Bio- und konventionelle Landwirtschaft, wir sitzen alle im gleichen Boot. Aber jetzt schon zeigt sich, dass die Biomolkereien aufgrund von Absatzproblemen keinen neuen Bio-Lieferanten aufnehmen. Und die Getreidepreise auch für Bioware fallen, weil der Verbraucher billig essen will. Das geht zulasten der Landwirte. Das ist nicht das Gelbe vom Ei. Und wenn Auslandsprodukte billiger sind, ist es egal, wie dort das Tierwohl aussieht und was für Genfutter verabreicht wurde oder wie die Schlachtung ablief. Hauptsache ist doch, es muss billig sein.

Haben Ihrer Meinung nach Junglandwirte überhaupt noch eine Chance und auch die Lust dazu, eine Landwirtschaft zu betreiben?

Sollte in absehbarer Zeit keine andere Landwirtschaftspolitik eintreten, dann wird es bald auch keine gutgehenden Betriebe mehr geben. Zwei meiner Enkelsöhne haben in Triesdorf die Fachschule für den Landwirtschaftsmeister und Landwirtschaftstechniker absolviert. Unter Tränen gaben sie mir preis, dass mit den derzeitigen Auflagen und Verordnungen keine vernünftige Landwirtschaft mehr zu betreiben sei. Sie waren auch der Meinung, dass die Bürokratieflut nicht mehr tragbar sei. Und dazu kommen noch die extremen Wetterverhältnisse in den vergangenen Jahren.

Wo müsste Ihrer Meinung nach der Hebel angesetzt werden, um etwas zum Positiven zu verändern?

Der Verbraucher in Deutschland bekommt vollwertige und beste Qualität zu günstigen Preisen. Wir Bauern wünschen uns mehr Verständnis vom Verbraucher, denn nur die Landwirtschaft leistet einen Beitrag zur Artenvielfalt und zur Klimaverbesserung. Ich erinnere hier an die Blühflächenaussaat und die Reduzierung der Düngung beziehungsweise eine Düngung nach Computervorgaben.

Wie lautet Ihr Wunsch für die Zukunft der Landwirtschaft?

Ich möchte es nicht hoffen und spreche es ungern aus, aber der gebeutelten Landwirtschaft würde eine Art Hungersnot helfen, so brutal und erschreckend das klingt. Dann würden unsere Produkte und unsere mühevolle Arbeit von der Politik und von den Verbrauchern nicht mehr mit Verachtung betrachtet werden, sondern wir würden wieder die Anerkennung finden, die uns zusteht. Für mich ist klar: Stirbt der Bauernstand, stirbt das ganze Land.

Das Gespräch führte Werner Reißaus

Autor

Karin Reißaus
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:28 Uhr

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Karin Reißaus

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:28 Uhr



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