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Kulmbach

Wo anders sein normal ist

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt wird 100 - auch der Kreisverband Kulmbach feiert mit, und zwar am 13. Juli. Das Rehbergheim ist Teil des Jubiläums.



Das Rehbergheim, ein "Siebentage-Internat für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche" der Mathilde-Trendel-Stiftung, ist für die Bewohner Heimat und Familie, sagt die Leiterin Friedericke Ködel (rechts).	Foto: Gabriele Fölsche
Das Rehbergheim, ein "Siebentage-Internat für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche" der Mathilde-Trendel-Stiftung, ist für die Bewohner Heimat und Familie, sagt die Leiterin Friedericke Ködel (rechts). Foto: Gabriele Fölsche  

Kulmbach - Von der Bierwirtschaft zum Internat für geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. Das Rehbergheim der Mathilde Trendel Stiftung der Arbeiterwohlfahrt hat eine wechselvolle Geschichte. Die Leiterin des Rehbergheimes, Friedericke Ködel, weiß um die Historie des großen Anwesens, das 1926 bis 1942 bereits "Trendels Walderholungsheim" war. Heute leben am Rehberg 16 Kinder und Jugendliche mit einer geistigen oder Mehrfachbehinderung. Das Sieben-Tage-Internat ist für sie Heimat und Familie.

Das Gebäude Rehbergheim

Ab 1853 Bauernhof und Bierwirtschaft

1907 bis 1924 Ausflugsgaststätte

1926 bis 1942 Trendels Walderholungsheim

1942 bis 1945 Kinderheim der NS-Volkswohlfahrt

1945 bis 1969 Kinderwalderholungsheim

1969 bis1979 Kinderheilstätte Rehberg der Arbeiterwohlfahrt

Seit 1979 Sieben-Tage-Internat für geistig- und mehrfachbehinderte Kinder.


Das Jubiläumsfest

Die Feier der Arbeiterwohlfahrt findet am 13. Juli von 14 bis 19 Uhr auf dem Gelände der AWO-Einrichtungen in der Hannes-Strehly-Straße 1 in Kulmbach statt. Die Besucher erwartet nicht nur ein Theaterstück von und mit Rüdiger Baumann, sondern auch zahlreiche Attraktionen sowie Bastel- und Spielangebote für Kinder. Neben Livemusik, werden allerlei kulinarische Köstlichkeiten angeboten.


"Das Besondere unserer Einrichtung ist die familiäre Atmosphäre. Unsere Kinder und Jugendlichen leben in zwei Gruppen. Jeder Bewohner hat einen Bezugsbetreuer, der sich um die individuellen Belange des Kindes oder des Jugendlichen kümmert", sagt Friedrike Ködel. Und auch, dass das Motto der pädagogischen Arbeit lautet: "Anders sein ist für uns normal." "Hinter diesem Motto steht für uns als Erzieher die individuelle und bedarfsorientierte Förderung im Sinne einer ganzheitlichen Pädagogik. Das Kind wird dort abgeholt, wo er oder sie steht."

Deshalb steht für die Arbeiterwohlfahrt die Förderung von Sozialkompetenzen, die Stärkung und Weiterentwicklung der vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Fokus, um die größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der anvertrauten Bewohner zu ermöglichen. "Wir wollen so viel selbstständiges Handeln wie möglich für die Kinder und Jugendlichen erreichen. Dies geschieht durch Übernahme verschiedener Pflichten im Haushalt", erzählt die 49-Jährige. Und weiter: "Das Leben im Internat wird geprägt von wiederkehrender Tagesstruktur, welche individuell aber auch gruppenorientiert geplant ist. Somit wird Sicherheit im Lebensalltag vermittelt. Die Kinder und Jugendlichen können ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten einbringen und weiterentwickeln, begleitet durch das pädagogische Personal."

Eine besondere Freundschaft verbindet die Bewohner mit dem AWO-Ortsverein Untersteinach, deren Mitglieder regelmäßig zu Besuch kommen und Patenschaft für die Bewohner übernommen haben. Aber auch zahlreiche Aktivitäten werden mit den Bewohnern unternommen. Seien es Ausflüge oder Freizeiten. Zur Schule müssen die 16 Bewohner ebenfalls - doch das war nicht immer so. Als die Arbeiterwohlfahrt Kulmbach die Kinderheilstätte Rehberg 1969 von der Stadt anmietete, wurde das Haus in Absprache mit dem Bezirk Oberfranken mit 30 geistig und körperlich schwerbehinderten Kindern belegt, die zwar auch ein therapeutisches Angebot erhielten, es blieb aber lange Zeit in erster Linie ein Pflegeheim - ohne ausreichendes fachliches Angebot.

"Mit dem Unterhalt der Kinderheilstätte Rehberg als Einrichtung für behinderte Kinder betrat die AWO in Kulmbach pädagogisches Neuland in ihrer Sozialarbeit", erinnert sich Friederike Ködel. Der damalige Kreisvorsitzende Karl Herold gab sich bei der Eröffnung des Heimes bereits optimistisch, er sprach von einem Notbehelf. Und dachte bereits an ein Zentrum für rund 150 Sorgenkinder mit Sonderkindergarten und Förderschule sowie beschützende Werkstätten. So wurde eine Vision zur Wirklichkeit: Ab September 1979 besuchten die ersten Bewohner des Rehbergheims endlich die im Jahre 1975 errichtete "Private Sondervolksschule für Geistigbehinderte" der Arbeiterwohlfahrt. "Und das nach langen Auseinandersetzungen mit Amtsarzt und Schulrat. Galten unsere Bewohner doch damals als bildungsunfähig", weiß Ködel. Die Heimleiterin stellt fest: "Zeitgemäße schulrechtliche Grundlagen und neue Formen der pädagogischen Förderung Schwerstbehinderter in der Sonderschule erforderten zwingend die Wahrnehmung deren Rechte auf angemessene schulische Bildung." So blieb es nicht aus, dass eine inhaltliche Neuorientierung der Arbeit am Rehbergheim folgte. Und somit auch eine baulichen Veränderung. So entstand aus einer Bierwirtschaft dann im Jahre 1979 das erste "Sieben-Tage-Internat für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche in Oberfranken".

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
06. 07. 2019
00:00 Uhr

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Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
06. 07. 2019
00:00 Uhr



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