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Kulmbach

Wohngemeinschaft als Drehscheibe für Drogen?

Ein mutmaßlicher Dealer bringt fünf junge Leute vor Gericht. Die bezichtigen ihn der Lüge. Zur Verhandlung erscheint er nicht.



Kulmbach - Eine Wohngemeinschaft junger Leute als Drogennest? Diese Behauptung hat ein mutmaßlicher Dealer aufgestellt. Im Prozess gegen die fünf Angeklagten kneift er. Die jungen Leute sagen: Er beschuldigt uns zu unrecht.

Am Mittwochmorgen um 8 Uhr rief die Hauptperson dieses Falles beim Kulmbacher Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner an: Er könne heute nicht zum Prozess kommen, er sei krank. Jedoch, einen Arzttermin für das notwendige Attest zum Fernbleiben für den Prozess, den habe er erst für den späten Nachmittag bekommen. "Ohne den Zeugen geht es nicht", sagte der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts zu Beginn der Verhandlung.

Das, was in der Anklage von Staatsanwalt Julius Klug steht, hat es in sich und ist nach Meinung des Gerichtsvorsitzenden "kein Pappenstiel": Fünf junge Leute aus einer Wohngemeinschaft in Kulmbach sollen zwischen Juli 2018 und April 2019 in 36 Fällen von einem Lieferanten pro Woche für 100 Euro Haschisch erworben haben.

Einer von ihnen, ein 20-Jähriger, soll laut Anklage in sechs Fällen Hasch weiterverkauft haben - insgesamt 50 Gramm. Der 20-Jährige ist folglich wegen Rauschgifthandels angeklagt und wie die anderen vier Mitangeklagten im Alter von 18 bis 22 Jahren wegen Erwerbs von Rauschgift.

Die jungen Angeklagten sagen alle aus. Alle fünf sagen: Das stimmt nicht. Der Hauptangeklagte sagt, man sei mit dem Belastungszeugen gut bekannt gewesen. Der Mann sei des Öfteren Gast in der Wohngemeinschaft gewesen, aber warum der Zeuge der Kriminalpolizei Lügen erzählt habe, wisse er nicht. Der 20-Jährige sagte, er habe früher mit Drogen zu tun gehabt und der Zeuge habe das auch gewusst. Vielleicht sei das der Grund, dass er nun falsch beschuldigt werde: "Gegen ihn wird ermittelt, das weiß ich. Vielleicht will er seinen Arsch retten."

Ein 21-jähriger Mitangeklagter bestreitet die Vorwürfe ebenso: "Ich habe nix angekauft, ich habe nix verkauft." Der Hauptzeuge habe ihm im April noch erzählt, dass "er wegen Drogen bei der Polizei war, aber kein Sterbenswörtchen, dass er mich beschuldigt hat." Der 21-Jährige sagte, er habe "früher" mal Rauschgift konsumiert und der Belastungszeuge wisse das: "Er hat mir mal Rauschgift angeboten, aber ich habe das abgelehnt." Dieser Angeklagte beteuerte, er habe nun Frau und Kind und nichts mehr mit Drogen zu schaffen. Und: Er habe als Inhaber eines Führerscheins den Belastungszeugen oft gefahren bis es ihm zu viel wurde: "Ich sagte zu ihm, dass ich nicht sein Taxi bin, da gab es Streit."

Ein 18-jähriger Angeklagter bestritt die Vorwürfe ebenso und sagte, er sei mit den Angeklagten befreundet, den Belastungszeugen kenne er nur flüchtig. Seine Freunde aus der Wohngemeinschaft hätten ihn gewarnt: "Halt Dich von ihm fern, er hat mit Rauschgift zu tun."

Mit auf der Anklagebank sitzt auch ein frisch vermähltes Ehepaar im Alter von 21 und 22 Jahren. Der junge Ehemann sagt, er habe früher einmal Drogen konsumiert. Dem Hauptbelastungszeugen, der "damit prahlte, dass er dealt, habe ich gesagt, dass ich nichts mehr damit zu tun haben will". Dieser Angeklagte sagte weiter: Keiner aus der Wohngemeinschaft von Schülern und Auszubildenden habe über genug Geld verfügt, um die behaupteten Drogenmengen kaufen zu können. Seine Ehefrau sagte aus, sie lehne Rauschgift ab, sie habe nie konsumiert und außer der Tatsache, dass ihr Ehemann früher einmal konsumiert habe, nichts damit zu tun.

Ob die jungen Leute die Wahrheit gesagt haben, soll sich im weiteren Verlauf des Verfahrens zeigen, wenn der Belastungszeuge aussagt und ein Kriminalbeamter. Der nächste Prozesstermin ist der 10. Dezember.

Autor

Manfred Scherer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 11. 2019
17:44 Uhr

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Autor

Manfred Scherer

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2019
17:44 Uhr



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