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Kulmbach

Wohnstatt für Pfarrerswitwen

Frauen von verstorbenen Pfarrern haben bis weit ins vorige Jahrhundert hinein von der Familie Saher profitiert. Die Familie hatte ihnen ein Haus getiftet.



Bis in die Fünfzigerjahre des vorigen JAhrhunderts lebten im Anwesen Obere Stadt 14 Pfarrerswitwen.	Foto: Erich Olbrich
Bis in die Fünfzigerjahre des vorigen JAhrhunderts lebten im Anwesen Obere Stadt 14 Pfarrerswitwen. Foto: Erich Olbrich  

Kulmbach - Sicher sind schon viele an dem Anwesen Obere Stadt 14 vorbeigelaufen, ohne die schwarze Tafel über der Eingangstür wahrgenommen zu haben. Durch den Anstrich der Fassade kommt die schwarze Schiefer-Tafel nun viel besser zur Wirkung.

Eine Sage

In der Nähe der Saher’schen Gruft wurde einst eine kopflose Gestalt gesehen. Eine kopflose Gestalt war laut Sage ein Menschen, der seine Taten nicht zu Lebzeiten gesühnt hat. Ein weiteres Mal erschien der Kopflose in Begleitung von drei weißen Gänsen, Dies galt als Beweis dafür, dass nun ein Teil seiner Schuld gesühnt war.


Ihre Inschrift weist auf eine soziale Einrichtung hin, die vor 1883 durchaus üblich war: das Pfarrwitwenstift. Mit Hilfe von Spenden wurden damals Stiftungen gegründet, deren Zweck die soziale Absicherung von bestimmten Personengruppen war.

Aus den Geschichtsbüchern weiß man: Erst ab 1883 wurden in Deutschland durch Reichskanzler Bismarck zunächst die gesetzliche Krankenversicherung, dann die Unfallversicherung und schließlich die Rentenversicherung eingeführt. Sie waren überwiegend auf die Arbeiterschaft ausgerichtet. "Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte", sagte Otto von Bismarck seinerzeit.

Mit den Versicherungen sollte einerseits sozialen Unruhen und dem Sozialismus begegnet werden, andererseits bestand die Absicht, bereits bestehenden, freiwilligen Sozialversicherungen der Gewerkschaften und der kirchlichen Arbeiterverbände die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen.Die Inschrift am Anwesen Obere Stadt 14 besagt, dass die Witwe des Amtmannes Saher, Catharina Saher, und ihr Sohn Johann Wolfgang dieses Haus zur Versorgung von Pfarrerswitwen gestiftet haben.

Der vollständige Text lautet:

Geistliches Witwenstift

Frau Anna Catharina Saherin

geborene Auerbacherin verwitwete Amtmännin alhier

nebst ihren gütigen Sohn

Herrn Johann Wolfgang Sahern

gewesenen Hochfürstlichen Regierungs Advokaten zu Bayreuth

beide fertigen Anwesens und stiften dieses Haus.

Kulmbach, den 1. September 1741

Bestätigt wurde die Schenkung am 5. Februar 1742 . Die Gruft der wohltätigen Familie Saher befindet sich an der Ostseite der Petrikirche. Die letzte Pfarrerswitwe ist übrigens erst Anfang der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem Stift ausgezogen.

Ärger gab es nach dem Zweiten Weltkrieg, als Flüchtlingsfamilien in Kulmbach eine Unterkunft brauchten. Eine dieser Familien wurde in das Witwenstift eingewiesen. Eine der dort wohnenden Frauen regte sich fürchterlich darüber auf, dass nun auch Männer einziehen würden. Erst als ihr Oberbürgermeister Hagen persönlich die Entscheidung erklärte, beruhigte sie sich wieder. 1972 erwarb der Kaufmann Günter Franz das Anwesen und betrieb das bekannte Musikgeschäft Franz.

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Erich, Markus Olbrich
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Veröffentlicht am:
31. 03. 2019
16:44 Uhr

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Erich, Markus Olbrich

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Veröffentlicht am:
31. 03. 2019
16:44 Uhr



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