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Kulmbach

Zuschüsse vom Dach bis zum Keller

Das geplante Klimapaket der Bundesregierung verunsichert so manchen Hausbesitzer. Die Energieagentur Oberfranken warnt die Bürger vor falschen Erwartungen.



Sieht nach Halloween aus, gehört für Jürgen Ramming aber zum Alltag. Der Energieberater kämpft sich notfalls auch durch die Spinnweben im Dachboden, um in den Häusern das Energieeinsparpotenzial zu ermitteln. Foto: Energieagentur Oberfranken
Sieht nach Halloween aus, gehört für Jürgen Ramming aber zum Alltag. Der Energieberater kämpft sich notfalls auch durch die Spinnweben im Dachboden, um in den Häusern das Energieeinsparpotenzial zu ermitteln. Foto: Energieagentur Oberfranken   » zu den Bildern

Kulmbach - Verbot von Ölöfen, höhere Preise bei Kohlendioxidausstoß und neue Förderprogramme für Gebäudesanierungen? Das Klimapaket der Bundesregierung ist zwar nicht beschlossen, denn der Bundesrat muss noch zustimmen. Trotzdem wollen die Bürger heute schon wissen, was auf sie zukommt.

Die Beratungsstelle

Die Klimaschutz-Beratungsstelle der Energieagentur Oberfranken ist unter der Telefonnummer 09221/8239-18 oder per E-Mail unter beratung@eao.bayern zu erreichen. Privathaushalte und Vereine erhalten die Beratung kostenlos, die Kosten übernimmt der Landkreis.


Bei Jürgen Ramming steht das Telefon kaum noch still. Der Klimaberater der Energieagentur Oberfranken mit Sitz in Kulmbach berät private Haushalte und Vereine in den Landkreisen Kulmbach, Kronach, Bayreuth und Wunsiedel. Das von den Kommunen finanzierte Angebot ist kostenlos und unabhängig. Die Menschen werden für das Thema Klimaschutz immer stärker sensibilisiert, stellt Ramming fest. "Das Interesse steigt, aber auch die Verunsicherung nimmt zu", sagt er im Gespräch mit der Frankenpost.

Angst vor falschen Entscheidungen: Sein grundlegender Rat lautet: "Weg vom Öl und allen fossilen Brennstoffen. Damit kann man nichts falsch machen." Die Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen, ist nach dem Wirbel um das Klimapaket größer geworden. Vieles bleibt unklar. Ein großes Problem sei, dass die Regierung im Zuge des Klimapaketes eine neue Förderung beispielsweise für den Austausch der Heizung angekündigt hat.

Sehr gute Förderkulisse: Rammings Kollege Markus Ruckdeschel, Pressesprecher der Energieagentur, wird konkreter: "Es ist das Schlimmste, ein Förderprogramm für die Zukunft aufzulegen", sagt er. "Attraktive Zuschüsse sind jetzt schon da. Niemand braucht darauf warten." Genau diese Reaktion sei bei den Hausbesitzern aber zu sehen. Viele wollen abwarten und eine geplante Investition aufschieben. Bei der Diskussion über das Klimapaket sei in den zurückliegenden Wochen der Eindruck erweckt worden, als gebe es noch überhaupt keine Förderung. Doch genau das Gegenteil sei der Fall. "Die Förderkulisse im Bereich der privaten Energiewende ist sehr gut. Sogar so gut wie noch nie."

Der Förderkompass hilft: Die meisten Leute unterschätzen, wie viel Zuschüsse sie erhalten können. Je nach Investition erhalten sie Beträge in fünfstelliger Höhe vom Staat zurück. Die Fördermittel werden oft aus Unwissenheit nicht vollständig genutzt. Die Energieagentur hat deshalb den Förderkompass herausgegeben, der unter www.energieagentur-oberfranken.de zu finden ist. Dort wird auf mehr als 40 Seiten beschrieben, welche Förderprogramme für Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen aktuell laufen. In einer Beispielrechnung nehmen die Berater ein Einfamilienhaus her, das 1960 gebaut worden ist und umfassend energetisch saniert werden soll. Bei Gesamtkosten von 100 000 Euro zahlt der Staat über diverse Förderprogramme 44 425 Euro dazu.

Anträge vorher stellen: Wer seine alte Heizung im kommenden Frühjahr durch eine umweltfreundliche Anlage ersetzen möchte, sollte sich jetzt informieren, empfiehlt die Energieagentur. Um in Genuss der bestehenden staatlichen Zuschüsse zu kommen, müssen die Anträge unbedingt vor dem Umbau gestellt und bewilligt worden sein.

Die Fachberatung kommt nach der Terminabsprache zu den Bürgern nach Hause und sucht nach den individuellen Möglichkeiten. Wie gut ist die Dämmung? Kommt eine Holzpellets-Heizung oder eine Wärmepumpe infrage? Vom Dach bis zum Keller werden die Energiesparpotenziale gesucht.

Verbot von Ölheizungen: Im Rahmen des Klimaschutzpaketes ist das Verbot von Ölheizungen diskutiert worden. Jedoch wird es solch ein Verbot wohl gar nicht geben, sagt Ruckdeschel. Wer seine Anlage mit Solarthermie ergänzt, könne womöglich munter weiter den klimaschädlichen Brennstoff verfeuern. Die Diskussion habe manche Menschen sogar dazu veranlasst, vor dem vermeintlichen Verbot schnell in einen neuen Ölofen zu investieren.

Fossile Energien werden teurer: Die Energieagentur will die Menschen nicht belehren. Die Berater wollen vielmehr ermuntern, clevere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den eigenen Geldbeutel. Denn die Kosten für Öl und Erdgas werden mit der geplanten CO2-Abgabe steigen. "Am Anfang ist die Steigerung noch nicht spürbar", sagt Ruckdeschel. Denn der im Klimapaket festgelegte Preisaufschlag sei vergleichsweise gering. In fünf bis sechs Jahren schaut es anders aus. "Dann erreichen wir ein Niveau, das wehtut." Der Betrieb von fossilen Energien wird dann so teuer, dass die eigene Preiskalkulation ins Wanken kommen kann.

"So wie wir gestern über Öl geredet haben, reden wir heute über das Gas", sagt Ruckdeschel. Gas könne eine saubere Sache sein, wenn es aus regenerativen Quellen hergestellt ist. Erdgas ist nicht klimaneutral, weil bei der Verbrennung zusätzliche CO2-Emissionen entstehen. "Was wir brauchen, ist der schnelle Umstieg." Wer ein neues Haus baut und dabei auf erneuerbare Energie setzt, wähle von Anfang an die günstigere Lösung. Normalerweise kann man sich heutzutage eine fossile Heizung gar nicht mehr leisten.

Die privaten Haushalte aus der Region, die sich von der Energieagentur beraten lassen, entscheiden sich in den meisten Fällen für eine neue Heizung. Auf Platz zwei folgt die Installation einer Photovoltaikanlage. Die Gebäudedämmung wird am dritthäufigsten in Angriff genommen.

Autor

Stefan Linß
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
15:06 Uhr

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Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
15:06 Uhr



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