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Kulmbach

Zustellstützpunkt Stadtsteinach schließt

Briefe werden wohl künftig etwas später in den Briefkästen landen. Die Fahrzeuge sind künftig in Kulmbach stationiert.



Einen Brief aus dem 19. Jahrhundert präsentiert der Historiker Siegfried Sesselmann: Damals wurde das beschriebene Brief-Blatt mit dem Text nach innen so gefaltet, dass man das Papier auf der Rückseite entsprechend adressieren konnte. An jeder Umladestation wurde das nicht verschlossene oder verklebte Papier gestempelt.	Fotos: Klaus Klaschka
Einen Brief aus dem 19. Jahrhundert präsentiert der Historiker Siegfried Sesselmann: Damals wurde das beschriebene Brief-Blatt mit dem Text nach innen so gefaltet, dass man das Papier auf der Rückseite entsprechend adressieren konnte. An jeder Umladestation wurde das nicht verschlossene oder verklebte Papier gestempelt. Fotos: Klaus Klaschka   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Am Dienstag, 12. Februar, werden die gelben Fahrzeuge der Post, jetzt DHL, ein letztes Mal am Zustellstützpunkt (ZSP) an der Ecke Marktplatz/Kirchplatz in Stadtsteinach starten und Briefe und Pakete zustellen. Nach Beendigung der Tour werden die Zusteller die Fahrzeuge dann zum neuen Stützpunkt an der Hofer Straße in Kulmbach bringen. Dies hat Erwin Nier von der Pressestelle der Deutschen Post DHL Group in München, auf Anfrage bestätigt. Damit geht eine 168-jährige Post-Geschichte in Stadtsteinach zu Ende, die 1851 begann.

Die erste Expedition: In jenem Jahr wurde die erste sogenannte Postexpedition in Stadtsteinach am Sitz des königlichen Landgerichts errichtet, wie Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Siegfried Sesselmann auf den Spuren der Stadtsteinacher Postgeschichte in den Archiven ausgegraben hat: Erster Chef der Postexpedition war der Stadtsteinacher Gemeindevorsteher Michael Schirmer für 100 Gulden Honorar plus 159 Gulden Fahrtkosten. Um dieses "Amt" zu bekommen, musste er allerdings zunächst 500 Gulden als "Einstand" bezahlen. Er war der Zusteller bis zu einer Visitation (Überprüfung) am 9. August 1867, bei der in der Kasse ein Fehlbetrag von 2048 Gulden und 20 Viertelkreuzern festgestellt wurde. Michael Schirmer wurde daraufhin sofort des Dienstes enthoben und verhaftet.

Erste Telegrafenanstalt: Als sein Nachfolger wurde der Bezirksamtoberschreiber Lorenz Schaupert bestellt, der ein halbes Jahr später an das Oberpost- und Bahnamt nach Bamberg wechselte. Mit seinem Nachfolger Georg Lorber wechselte das Postlokal in dessen Haus (jetzt Marktplatz 10). In seiner Amtszeit wurde 1872 eine Telegrafenanstalt eingerichtet. Nach Lorbers Tod (1879) ging die Leitung der Stadtsteinacher Post an Personen von teils weit her: Isidor Diener aus Mühlhausen in Thüringen und dann Johann Schlegel aus Ebrach.

Zwei Einbrüche: 1896 berichtet die Zeitung von einem nächtlichen Einbruch und "frechen Diebstahl" in die Stadtsteinacher "Postanstalt", bei der "der Inhalt des Schalters, bestehend in Briefmarken im Werthe von 50 Mk. und 29 Pfg., sowie Baargeld im Betrag von 10 Mk. entwendet" wurde - des Weiteren von einem weiteren Einbruch in die Apotheke, in der Gold- und Silbersachen gestohlen wurden. Verdächtigt wurden zwei durchfahrende Artisten, die allerdings nie gefasst wurden.

Im Jahr 1974 wird von einem weiteren "Postraub" berichtet, bei dem am helllichten Tag "mehrere Tausend Mark" binnen zwei Minuten geraubt wurden. Die Täter wurden mit Hilfe von vier jungen Männern aus Stadtsteinach noch am gleichen Tag festgenommen.

Die Post wird mobil: Die erste Mobilisierung der Post geschieht 1914: Eine Packwagenfahrt zu Wagen und Pferd wird zwischen Stadtsteinach und Wartenfels eingerichtet - zur Erleichertung für die Zusteller, die bis dahin die Post zu Fuß ab Stadtsteinach bis Grafendobrach und ins Oberland bis nach Gösmes zu liefern hatten. Zehn Jahre später wird erstmals auf der Linie Kulmbach - Stadtsteinach - Kronach der (motorisierte) Kraftpostbetrieb aufgenommen. Gleichzeitig wird der Poststall aufgelöst, der in der heutigen Knollenstraße 1 und 3 untergebracht war, und wo ab 1877 zweimal am Tag der gelbe Pferde-Omnibus Station machte.

Umbau und Privatisierung: 1921 erwarb die Oberpostdirektion Bamberg schließlich das Haus Marktplatz 16/17 (damals "Zum Weißen Roß", jetzt prangt an der Fassade die Schrift der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach) und richtet dort das Postamt ein. Es wurde 1935 "nach neuzeitlichem Stil umgebaut und eingerichtet", 1960 kaufte die Post auch das angrenzende Haus Staffel 1, ließ es abbrechen und an dessen Stelle das Postamt Marktplatz 16/17 erweitern, in der sich bis heute der Zustellstützpunkt Stadtsteinach befand. 1990 verkaufte die Post im Zuge der damaligen Privatisierung das gesamte Anwesen, das deren neuer Besitzer ab 1991 generalsanieren ließ. Während dieser Zeit befand sich die Post in einem Ausweichpostamt in einem Holzbau an der Knollenstraße 10 c.

Mit Postmeister Georg Teicher sind im Jahr 1935 sieben Personen angestellt. Teicher wird 1945 auf Anordnung der Militärregierung suspendiert. Für ihn wird der Nürnberger Julius Niebler eingesetzt, ihm folgen 1954 Walter Kolbeck und 1955 Josef Odenbach. 1958 wird der Landzustelldienst dann direkt ab Stadtsteinach motorisiert, Der VW-Bus wird auch zur Paketzustellung verwendet.

1964 hatte der heute 94-jährige Marktleugaster Alois Günther das Postamt übernommen, 1989 kam Oskar Döring, 1995 der Pressecker Ludwig Babel. In Babels Dienstzeit begann die Privatisierung des bis dahin staatlichen Postwesens, die 1998 mit der Auflösung des Postministeriums abschließt.

Geplante Schließung: Im März 2003 wird von der geplanten Schließung der Stadtsteinacher Postschalter berichtet. Sie wird im Oktober vollzogen; es bleiben die Schließfächer (Postfächer) und der Zustellstützpunkt. Sigrid und Herbert Friedlein übernehmen die Postagentur bis zur Schließung ihres Schreibwarengeschäfts im Herbst 2018. Seither befindet sich die Agentur - ohne Bankdienstleistungen - im Rewe-Markt am Ende der Stadt. Mit dem Abzug der Zustellfahrzeuge wird sich für Postkunden im Grunde nichts ändern, außer dass die Sendungen wegen der längeren Anfahrt aus Kulmbach etwas später in den Briefkästen landen werden.

Autor
Klaus Kaschka

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Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
17:12 Uhr

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08. 02. 2019
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