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Kulmbach

Zwei Weltverbesserer erinnern sich

Claudia Raab und Christoph Ackermann denken als Uschi und Hans-Jürgen an die Zeit ihrer Jugend. Das "etwas ältere" Publikum im Kupferberger Spital ist vollends begeistert.



In die Zeit der 60er- und 70er-Jahre kehren Claudia Raab und Christoph Ackermann als Uschi und Hans-Jürgen in ihrem Stück "Und ihre Liebe war noch so frisch" zurück.	Foto: Rainer Unger
In die Zeit der 60er- und 70er-Jahre kehren Claudia Raab und Christoph Ackermann als Uschi und Hans-Jürgen in ihrem Stück "Und ihre Liebe war noch so frisch" zurück. Foto: Rainer Unger  

Kupferberg - "Das haben die sich toll ausgedacht. Ganz wunderbar!" So wie sich eine schon etwas ältere Dame in der Pause schwärmerisch äußerte, so waren auch die anderen Besucher in ähnlicher Weise begeistert. Das Stück "Und ihre Liebe war noch so frisch" des Fränkischen Theatersommers kam am Sonntagabend im Spital in Kupferberg ausgezeichnet an.

Claudia Raab und Christoph Ackermann spielen zu Beginn ein älteres Ehepaar, das sich aufregt über die Probleme der Zeit, über Rechtspopulismus, den Brexit, das Schmelzen der Gletscher und ähnliche Dinge. Die Alt-Achtundsechziger Uschi und Hans-Jürgen denken zurück an die 60er- und 70er-Jahre, als sie mit Gitarre und Akkordeon durchs Land zogen und die Welt verändern wollten. Da wird das Publikum konfrontiert mit Ereignissen, die damals die Menschen bewegten, und das Duo präsentiert die Lieder, die man mit dieser Zeit verbindet. Beide erinnern sich, wie sie damals für Frieden und sonstige Ziele, für die gerechte Sache eben, kämpften. Hans-Jürgen ruft sich ins Gedächtnis, wie ihn Uschi einstmals mit ihren Ideen und ihrer Unnachgiebigkeit mitriss.

Immer wieder taucht Christoph Ackermann als Nachrichtensprecher der damaligen Zeit auf, wobei er durch den Bildschirm eines alten Röhrenfernsehers zu den Besuchern spricht. Über den Vietnamkrieg zum Beispiel, den die Amerikaner für Fortschritt und Freiheit führen. "Sonst würden die Panzer der Kommunisten in Kupferberg einfahren", kommentieren beide die Meldung zynisch.

Die verschiedenen Aktionen gegen die Atomenergie nehmen einen großen Stellenwert im Programm ein. Das Duo führt den Zuhörern vor Augen, wie die Proteste der Nürnberger Bürger und der Stadt verhindern, dass in Bertoldsheim Deutschlands erstes Großkernkraftwerk gebaut wird. Die Demonstrationen gegen den Schah von Persien, den die Bundesregierung eingeladen hatte, sind ebenso ein Thema wie die Debatten, die es wegen der ins Land strömenden Gastarbeiter gab. Ulrike Meinhof schrieb, zu der Zeit noch Journalistin, gegen den "menschenfeindlichen Kapitalismus" an. Uschi und Hans-Jürgen, die beide voll in der Szene vertreten waren, beklagen sich Jahre später, dass die einstigen Weggefährten nun Terroristen geworden sind.

Wunderschön eingebettet werden die verschiedenen Szenen in die Musik der damaligen Zeit. Da ist "Männer im Baumarkt" von Reinhard Mey ebenso zu hören wie "Forever young" von Joan Baez, "Wenn die Börsianer tanzen" von Konstantin Wecker, "Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen" von Bettina Wegner und "Komm zieh dich aus" von Georg Danzer. Dass das Thema Umwelt schon damals aktuell war, darin erinnern Lieder wie "Karl der Käfer" von der Gruppe Gänsehaut und "Es gibt keine Maikäfer mehr" von Reinhard Mey. In einem Medley lassen die beiden Künstler, die schauspielerisch wie gesanglich und instrumentell überzeugen, den Eurovision-Song-Contest wieder aufleben.

Am Schluss kehren Uschi und Hans-Jürgen in das Nürnberg des Jahres 2019 zurück, um festzustellen: "Lass uns wieder Lieder schreiben!" Eine gelungene Zeitreise, die die Besucher mit reichlich viel Applaus belohnen.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
17:06 Uhr

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Rainer Unger

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
17:06 Uhr



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