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Kulmbach

Zwischen Tradition und Moderne

Auf dem Weg zum "Grünen Abitur": Absolventen des Jägerkurses Bayreuth/Kulmbach/Lichtenfels berichten von ihren Erfahrungen.



Modernes Laserkino als Vorbereitung für den Schießstand. Fotos: privat
Modernes Laserkino als Vorbereitung für den Schießstand. Fotos: privat   » zu den Bildern

Kulmbach - "Der erste Schlag soll Dich zum Jäger weih’n, der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleih’n, zu üben stets das Rechte, der dritte Schlag soll Dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten". Mit diesem traditionellen Spruch wurden zehn erfolgreiche Absolventen des Jägerkurses Bayreuth/Kulmbach/Lichtenfels verabschiedet, im Saal des Gasthofs Geuther in Kulmbach.

Bei der Jahrhunderte alten Zeremonie tippte Kursleiter Stefan Hofmann mit einem Hirschfänger jedem neuen Jäger drei Mal auf die Schulter. Für die Kursteilnehmer symbolisiert der sogenannte Jägerschlag den Abschluss ihrer Ausbildung. Nach sechs Monaten anstrengender Abendschule, Reviergängen, Hochsitz bauen und Schießübungen wurde das erfolgreiche Bestehen des sogenannten "Grünen Abiturs" gebührend gefeiert. Zwar hat sich die Jagd und somit auch der Jägerkurs über die Jahre verändert, doch auf einige Traditionen will die Jägerschaft nicht verzichten. Dazu gehören auch die Jagdhornbläser, die bei der Verabschiedung für das Ambiente sorgten.

Der Jägerkurs Bayreuth/Kulmbach/Lichtenfels wurde im Jahr 1996 vom Jagdenthusiasten Peter Flechtner gegründet mit dem Motto: "Jagd ist gelebter Naturschutz mit Herz, Verstand und der Büchse". Daran hat sich zwar bis heute nichts geändert, doch gibt es einige moderne Aspekte. Dazu gehört neben vielen neuen, jungen Ausbildern auch die offizielle Abschlussfeier, die in vielerlei Hinsicht eine Premiere war. "Wir bekennen ein Stück weit Farbe. Wir wollen, dass die Öffentlichkeit mitbekommt, was die Jägerschaft tut", sagte Vereinsvorsitzender Rainer Müller bei der Begrüßung. Was bringt Menschen heutzutage dazu, den Jägerkurs zu besuchen?

Unter anderem um Landwirtschaft und Waldbau zu unterstützen, entschied sich Marc Schenkendorf aus Kasendorf (35) für das "Grüne Abitur". "Der Begriff trifft voll und ganz zu", bestätigte er. Mit der großen Fülle an Unterrichtsstoff habe er nicht gerechnet, doch freue er sich über das hinzugewonnene Wissen, vor allem in Sachen Naturschutz, etwa wie man für bestimmte Tierarten Biotope schafft und somit den Lebensraum verbessert. Die Gründe dafür, den Jagdschein zu machen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Für Britt Meyer (44) aus Thurnau beispielsweise war es eine Spontanentscheidung. Ihre beiden Söhne wollten am Jägerkurs teilnehmen. Anstatt sie nur zu chauffieren, setzte sie sich kurzerhand selbst mit in den Unterricht. "Ich fand es schön, wie sich alle Fachgebiete am Ende zu einer Gesamtheit zusammenfügen. Man lernt die Natur verstehen und weiß plötzlich, was sich hinter einem einzelnen Blatt oder einem Reh alles verbirgt", schwärmte sie. Für Sebastian Herold (37) aus Seubersdorf spielten unter anderem die kulinarischen Aspekte eine Rolle. Er habe sich bereits gemeinsam mit seiner Partnerin für einen Wild-Kochkurs angemeldet.

Hugo Losert aus Mistelgau ist seit 15 Jahren im Prüfungsausschuss und seit 40 Jahren Jäger. "Am Umgang mit Schusswaffen werden wir von der nichtjagenden Bevölkerung gemessen. Üben, üben, üben ist das A und O", mahnte er die Absolventen. Um neue Anwärter an den Umgang mit Waffen heranzuführen, hat der Jägerkurs Bayreuth/Kulmbach/Lichtenfels ein modernes Laserkino angeschafft. Die Funktionsweise eines solchen Heimschießkinos erinnert ein wenig an ein Computerspiel. Während auf einer Leinwand wahlweise Tontauben fliegen oder Wildschweine durch den Wald flitzen, trainiert der Schütze seine Treffsicherheit mit einer Waffenattrappe, die an der Mündung eine Laserdiode trägt. So spart man Munition, hat weder Knall noch Rückschlag und kann auch im Wirtshaussaal schießen üben. Das Laserkino ist eine Vorbereitung für das eigentliche Training auf dem Schießstand. Die Ausbildung an der Waffe ist nur eines von sechs Fachgebieten des "Grünen Abiturs". Hinzu kommen Wildtierkunde, Jagdrecht, Tierschutz- und Naturschutzrecht, Wildkrankheiten und Hundewesen.

Die Leidenschaft von Nachwuchsausbilderin Andrea Ruppert ist das Federwild, angefangen von Wildenten und Wildgänsen über Fasan und Wachtel bis hin zu Raben, Schnepfen und Tauben. Zwar hatte Ruppert schon Interesse an dem Thema, bevor sie den Jagdschein machte, doch kam erst im Jägerkurs die Inspiration für die Spezialisierung. "Unser damaliger Ausbilder Michael Kolanus hat die Inhalte sehr spannend vermittelt", sagte sie. Einer der wichtigsten Aspekte rund um das Federwild sei heutzutage die Situation der heimischen Feldhühner, wie etwa das Rebhuhn, dem der Lebensraum rapide schwindet. Das Anlegen von Grünstreifen und die Bejagung von Raubwild wie Fuchs und Marder seien daher wichtiger denn je.

Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört beim Jägerkurs auch die Vernetzung mit Partnern wie beispielsweise dem Bayerischen Bauernverband (BBV). "Landwirtschaft braucht Jagd", betont Harald Köppel, Geschäftsführer beim BBV Bayreuth-Kronach-Kulmbach. Nicht nur sei ein gutes Miteinander von Jägern und Landwirten wichtig, sondern es sollten mehr Landwirte selbst den Jagdschein machen. Daher will der BBV künftig für den Jägerkurs werben. "Als Landwirt und Jäger sehe ich heute Sachen, die mir früher nicht aufgefallen sind", so Köppel, der vor zehn Jahren selbst sein "Grünes Abitur" bestand und mittlerweile an der Landesjagdschule in Wunsiedel Jägernachwuchs ausbildet. Köppel zufolge sind bei der Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern manchmal kleine Zugeständnisse Gold wert, etwa das Anlegen von Schussschneisen in Feldern. "Wenn man sich kennt, ist es einfacher aufeinander zuzugehen", betont Köppel. Daher sei für den BBV der Kontakt zu Jägern, Jagdverband und Jungjägerkurs sehr wichtig.

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
17:44 Uhr

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26. 09. 2019
17:44 Uhr



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