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Altbürgermeister verteidigt Großprojekt

Trotz gestiegener Kosten bei der Rekultivierung der Rosenthal-Brache: Von ihr profitiere Waldershof, sagt Hubert Kellner. Er verweist auf hohe Einnahmen aus der Gewerbesteuer.



Kostentreiber bei der Rekultivierung der Rosenthal-Brache war die frühere Deponie, im Bild zwischen den neuen Cube-Hallen (links) und dem Kreisverkehr (rechts). Auf der Deponie entstehen Parkplätze.	Foto: Alexandra Hautmann
Kostentreiber bei der Rekultivierung der Rosenthal-Brache war die frühere Deponie, im Bild zwischen den neuen Cube-Hallen (links) und dem Kreisverkehr (rechts). Auf der Deponie entstehen Parkplätze. Foto: Alexandra Hautmann  

Waldershof - Die Rekultivierung der Rosenthal-Brache in Waldershof geht dem Ende entgegen. Es ist ein 22 Hektar großes Gewerbegebiet entstanden, das von heimischen Betrieben wie Cube, Schmelzer, Scherdel oder Kastner belegt ist. Sie sichern den Wirtschaftsstandort Waldershof.

"Vergleich mit Krummennaab hinkt"

Viele Spekulationen gibt es über den Kaufpreis, den die Stadt Waldershof für das Rosenthal-Areal gezahlt hat. Dabei wurde er bereits in der Bürgerversammlung im Jahr 2017 genannt: 6,66 Millionen Euro, inklusive Nebenkosten wie der Erwerb von Ausgleichsflächen. Diesen Betrag bestätigt Altbürgermeister Hubert Kellner im Gespräch mit der Frankenpost . Er widerspricht der oft geäußerten Kritik, dass der Kaufpreis zu hoch gewesen sei. Der in diesem Zusammenhang gern getätigte Vergleich mit der Gemeinde Krummennaab, die das Werksgelände der Firma Seltmann für den symbolischen Preis von einem Euro kaufte, hinke gewaltig. Seltmann hätten wegen anstehender Gemeinde-Investitionen in die Kläranlage Verbesserungsbeiträge in sechsstelliger Höhe gedroht. Krummennaab habe das Gelände und den Abbruch der Porzellanfabrik übernommen, ohne einen echten Bedarf dafür zu haben, betont Kellner: Heute seien dort ein Kinderspielplatz und eine Sauerampferwiese. Waldershof hingegen sei mangels Alternativen auf das Areal regelrecht angewiesen gewesen - was man bei Rosenthal wohl auch gewusst habe.


Doch es gibt einen Wermutstropfen: Die Kosten für das Projekt sind regelrecht explodiert (wir berichteten). Manche Bürger finden zudem, dass der Kaufpreis für das alte Rosenthalgelände zu hoch war. Und das bekommt einer immer wieder zu hören: Altbürgermeister Hubert Kellner. Er saß auf dem Chefsessel im Waldershofer Rathaus, als im Jahr 2013 der Kauf getätigt wurde, nachdem der Stadtrat im Jahr 2012 einstimmig beschlossen hatte, das Areal zu entwickeln.

Im Gespräch mit der Frankenpost betont Kellner ausdrücklich die Notwendigkeit des Großprojekts. Es sei vor allem darum gegangen, Cube, Europas größten Fahrradproduzenten, am Standort Waldershof zu halten und so Arbeitsplätze und Steueraufkommen zu sichern. Allerdings hatte Waldershof in den Jahren 2010 und 2011, als Cube expandieren wollte, keine geeigneten Flächen. Deshalb nahm man das Rosenthal-Areal, wo seit 1995 der Betrieb ruhte, in den Fokus. Es habe einen "umgehenden Handlungsbedarf" gegeben, sagt Kellner. "Waldershof konnte gar nicht anders."

Gleichwohl räumt Kellner ein: Im Verlauf der Rekultivierung seien "Kostenbewegungen in Gang gesetzt worden, die 2012 und 2013 niemand geahnt hat". So war noch im Haushalt des Jahres 2014 ein Netto-Eigenanteil der Stadt für die Revitalisierung der Rosenthal-Brache von 1 023 000 Euro bis zum Jahr 2016 eingeplant. Die Gesamtsumme liegt mittlerweile nach Berechnungen von Christoph Haberkorn, geschäftsführender Beamter der Stadt Waldershof, bei 9,5 Millionen Euro. Wie viel es an Fördermitteln gibt, ist noch nicht ganz klar. Und es sind noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen.

Wie die Kostensteigerung zustande kam, versucht der frühere Bürgermeister und jetzige CSU-Stadtrat im Rückblick zu erklären: Der ursprüngliche Plan sei gewesen, die Deponie auf dem Gelände nicht "aufzumachen"; der Großteil des Abbruchmaterials sollte hier eingelagert werden. In den Jahren 2015 und 2016 hätten die Grundstückskäufer jedoch weiteren Flächenbedarf angemeldet. Mit teuren Folgen: So mussten große Mengen Weißschlamm entsorgt und die Deponie aufwendig abgedichtet werden. "Eine größere, komplexere Baustelle als hier gab es in Waldershof noch nie", sagt Kellner. Die lange Erkrankung und dann der Tod des früheren Geschäftsstellenleiters Josef Kaiser hätten die Lage weiter verschärft. "Ich hätte mir zumindest einen Projektsteurer geholt." Schließlich gebe es im Rathaus kein technisches Bauamt, sagt Kellner, der 18 Jahre lang Bürgermeister in der Kösseinestadt war. Und: "Bei der Stadt Marktredwitz - Stichwort Chemische Fabrik - wäre ebenfalls Unterstützung möglich gewesen."

Trotz der Kostensteigerungen: Dass man in den Jahren 2012 und 2013 den richtigen Weg eingeschlagen habe, würden alleine schon die Gewerbesteuer-Einnahmen zeigen, betont Kellner: Das Gewerbesteuer-Aufkommen für das Jahr 2019 werde auf die Rekordsumme von zehn Millionen Euro geschätzt. Das Ergebnis 2018 lag knapp darunter. Damit liege man gleichauf mit dem großen Nachbarn, der Stadt Marktredwitz. Im Landkreis Tirschenreuth nehme Waldershof - umgelegt auf die Einwohnerzahl - bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer den ersten Platz ein, und in Bayern unter 2031 Gemeinden immerhin den 80. Platz.

Autor

Richard Ryba
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
18:50 Uhr

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Autor

Richard Ryba

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
18:50 Uhr



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