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Marktredwitz

Anblicke, die Oldtimerfans verzücken

Das "Götz-Areal" in Brand wird einen Tag lang zur Kulisse von Chrome und Stahl. Auch mystisch anmutende Fotos gibt es zu sehen.



Viele werden sich beim Anblick des alten BMW V8 an "Funkstreife Isar 12" erinnern; einer der Schätze auf dem Goetz-Areal am Samstag in Brand.
Viele werden sich beim Anblick des alten BMW V8 an "Funkstreife Isar 12" erinnern; einer der Schätze auf dem Goetz-Areal am Samstag in Brand.   » zu den Bildern

Brand/Oberpfalz - Die alte Bierdeckelfabrik in Brand/Oberpfalz ist ein "Lost Place", wie er im Buche steht. Und das bringt Alexander Büscher viel Arbeit. Immerhin hat er nichts weniger vor, als das alte "Goetz Areal" wieder mit Leben zu erfüllen. Die Vorbereitung des Events am Samstag hatte ihm alles abverlangt. Nicht nur die Koordination am Computer und am Telefon forderte Büscher, auch körperliche Arbeit war gefragt. Da sah man ihn mit hohen Gummistiefeln und Schaufel ausgerüstet im angrenzenden Bachlauf stehen, um dem bisschen Wasser, das noch fließt, einen Weg zu bahnen. Parkplätze waren vorzubereiten und das Gelände um die Gebäude fit zu machen. "Vom Lost Place zum Found Place: Das Goetz-Areal verbindet Altes mit Neuem" hatte er in der Einladung für die Oldtimer-Besitzer geschrieben, die seinen Fleiß dann auch mit einem großen Auftritt belohnten.

Vielbeachtet von den zahlreichen Besuchern, fand am frühen Nachmittag das große Defilee der alten und wertvollen Karossen statt: große, kleine, leise, länger jung gebliebene und ganz alte; alle aufpoliert und liebevoll gepflegt von denen, die am Steuer saßen, und ihren Beifahrern. Freundliches Winken aus dem heruntergekurbelten Fenster wurde immer wieder mit Applaus erwidert, dem auch einmal ein kräftiger Tritt aufs Gaspedal folgte, um sich durch kernigen Sound, aber auch durch leises Knattern auszuweisen und sich auf diese Weise zu bedanken. Unter den stolzen, vollen Sound der großvolumigen Motoren mischten sich die eher lustig wirkenden "Aufschreie" der ganz kleinen. 18 PS unter der Haube eines alten Fiat 500 geben nun einmal nicht mehr her. Viele Besucher hatten auch an den alten Zweirädern ihre Freude, drahtig im Vergleich zu den heutigen großen und schweren Maschinen.

Während sich die Oldtimer-Freaks in die parkenden Reihen begaben, um das Modell zu finden, das auch sie einmal besessen haben, um Cockpits und echt hölzerne Lenkräder zu bewundern, ließen sich die Kunstfreunde von Jörg Schleicher, Kunstfotograf aus Hof, in die ehemalige Langsiebhalle einladen, wo er einen Querschnitt seiner Arbeit präsentierte. Bezaubernde Porträt-Aufnahmen in Komposition mit liebevoll ausgesuchten Details zogen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich, mit der Kamera eingefangene und festgehaltene Bewegungen zogen die Besucher in ihren Bann; jedes für sich ein Kunstwerk, jedes offen und frei für eigene Interpretationen, die es nötig machten, die Blicke länger auf dem Bild ruhen zu lassen, um es wirken zu lassen und der Fantasie genug Raum zu geben. Aufnahmen aus anderen Lost Places der Region spannten den Bogen zur alten Goetz-Fabrik, ließen erkennen, was die Menschen damals empfunden haben mochten, die hier einmal ihr Brot verdienten: alte, schwere Geräte, die von der Decke hingen und auch der alte, nicht ganz volle Getränke-Kasten am Boden.

Diese Stimmung zu erzeugen, braucht es keine Farbe. In Schwarz-Weiß spiegelt dies auch das oft karge Leben der arbeitenden Menschen früherer Generationen wider. Wie lange mag der Künstler Jörg Schleicher sich in dem Raum aufgehalten haben, dessen Details nur durch mehrere, sich wenig entfaltende Sonnenstrahlen erkennbar wurden? Was mag er dabei empfunden haben und wie oft mag er diesen Raum aufgesucht haben, bis ihm diese wunderbare Aufnahme, die er ebenso interpretationswürdig wie aussagekräftig "Durchatmen" nennt, gelang? Der Blick bleibt an solchen Bildern lange "kleben" und motiviert so auch zum kurzen Träumen. Welch traurige Gedanken mögen sich im Kopf eines Fotografen entwickeln, wenn er im einst größten Abschiebegefängnis am Kaßberg bei Chemnitz steht, um nach unzähligen Kameraeinstellungen endlich die zu finden, die die Botschaft dieses traurigen Symbols deutscher Geschichte am besten wiedergibt: schwarz-weiß, metallisch, eisern und eiskalt.

Draußen auf dem Gelände derweil Leben: essen, trinken, lange nicht mehr gesehene Bekannte zum Smalltalk treffen und immer wieder schauen und beobachten. Die alten, aufgereihten Karossen und Vehikel motivieren immer, Neues zu entdecken; und seien es die vier sich überlappenden Ringe des alten Audis oder das kleine, dreieckige Kippfenster an einem VW Käfer, das mittels eines Hebels verriegelt wurde. In einer anderen Halle konnten sich Autobesitzer mit ihren Fahrzeugen kunstvoll in verschiedenen Positionen ablichten lassen. Und auch dafür, dass bei Kindern keine Langeweile aufkam, hatte Alexander Büscher gesorgt: Sie genossen eine Rundfahrt in dem historischen Feuerwehrauto. Auch konnten sie, am Steuer eines E-Jeeps sitzend, diesen durch einen Parcours lenken.

Leben war eingekehrt für einen Nachmittag in das Goetz-Areal, und das soll so bleiben. Alexander Büscher hat viel vor und ist mit unzähligen Interessenten im Gespräch. "Einige davon sind wirklich vielversprechend", sagte er.

Das freut auch die Besitzer des Areals, das Ehepaar Ingrid und Günther Seuß. Sie waren den ganzen Nachmittag über auf dem Platz und freuten sich, wenn sie mit Besuchern immer wieder in anregende Gespräche kamen.

Autor

Bertram Nold
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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:32 Uhr

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Bertram Nold

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:32 Uhr



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