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Marktredwitz

Austrägerin verhindert Katastrophe

Claudia Fiebrich entdeckt das Feuer in der Wegenerstraße. Sie klingelt die Bewohner in der Wohnanlage aus dem Schlaf und verständigt die Feuerwehr.



Zeitungsausträgerin Claudia Fiebrich hat mehrere Anwohner vor den Flammen gewarnt. Foto: Matthias Bäumler
Zeitungsausträgerin Claudia Fiebrich hat mehrere Anwohner vor den Flammen gewarnt. Foto: Matthias Bäumler  

Marktredwitz - Normalerweise dreht Claudia Fiebrich schon um 4.30 Uhr ihre Runde in der Wegenerstraße. Doch am Samstag hat sie kurzfristig ihr Arbeitsprogramm geändert: Die Austrägerin der Frankenpost stellt zunächst nahe dem ehemaligen Wackerstadion die Zeitungen zu und fährt dann in die Gegend rund um die Wegenerstraße. Womöglich hat dies einigen Menschen das Leben gerettet.

Wie berichtet, haben ein oder mehrere Brandstifter am Samstagmorgen den nordwestlichen Stadtbereich heimgesucht und fünf Privatanwesen, ein Auto sowie drei Betriebe angesteckt. Während die meisten Feuer nach einiger Zeit von alleine ausgingen, ist ein Haus in der dicht bebauten Wegenerstraße komplett ausgebrannt.

21.04.2018 - Brandserie in Marktredwitz - Foto: Brigitte Gschwendtner / Matthias Bäumler / Herbert Scharf

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"Als ich um 5 Uhr zwei Parallelstraßen entfernt war, habe ich einen hellen Schein in einem Garten gesehen. Da dachte ich noch, dass es sich um eine Beleuchtung handelt. Trotzdem hat es mir keine Ruhe gelassen. Und als ich dann vielleicht ein, zwei Minuten später nachgesehen habe, brannte bereits die halbe Fassade des Hauses lichterloh", sagte Claudia Fiebrich im Gespräch mit der Frankenpost -Redaktion. Binnen Sekunden muss das Feuer um sich gegriffen haben. Die 25 Jahre alte Zeitungsausträgerin sprintete sofort hoch zum Brandort an der Gartenseite des Hauses. "Auf einmal krachte es mehrmals und ich sah, wie die Fenster splitterten." Da sie hier nichts ausrichten konnte, rannte sie um die Häuserzeile herum zur Haustür. "Gerade als ich auf die Klingel drückte, kam zum Glück schon das im Haus wohnende Ehepaar heraus." Claudia Fiebrich hatte inzwischen die 112 gewählt und eilte zu den Nachbarhäusern. "In einer derartigen Situation denkt man nicht großartig, man handelt nur." Überall klingelte die junge Frau Sturm und weckte die verschlafenen und verblüfften Bewohner. In einem Haus sah sie auf dem Flur einen Rollator stehen. "Da fragte ich, ob ältere Menschen im Haus sind." Tatsächlich hielt sich im obersten Stock eine betagte Frau auf, die nur sehr eingeschränkt gehen kann. Zwei weitere Hausbewohner kümmerten sich um die Seniorin, während die Frankenpost-Austrägerin der Tochter des Hauses half, einen sperrigen Stall mit zwei Zwergkaninchen ins Freie zu tragen. Auch im Nachbarhaus, dessen Bewohner ebenfalls dank Claudia Friebrich geweckt und gewarnt wurden, befanden sich ein Kleinkind und ein Baby. "Ich bin selbst Mutter einer dreieinhalb Jahre alten Tochter. Da kommt man schon ins Grübeln. Auch hatte ich kurzzeitig Bedenken, in die Häuser zu gehen, da ich ja selbst eine Familie habe, die mich noch braucht."

Beeindruckt zeigt sich die in Brand bei Marktredwitz wohnende Frau von der Feuerwehr. "Dass die Einsatzkräfte derart schnell vor Ort sind, hätte ich nicht gedacht. Es hat keine fünf Minuten gedauert, da waren die ersten Feuerwehrleute in der Wegenerstraße." In dieser kurzen Zeit hatte sich das Feuer bereits von der Terrasse bis zur Haustür ausgebreitet. "Ich habe den Helfern noch zugerufen, dass wahrscheinlich noch Anwohner in den Häusern sind und bin dann gleich zur Polizei, um meine Aussage zu machen." Den oder die Brandstifter habe sie zwar nicht gesehen, aber zumindest habe sie ihre Beobachtungen schildern können.

Am Montagmorgen war Claudia Fiebrich wieder wie üblich in der Wegenerstraße unterwegs. "Man geht da schon mit einem mulmigen Gefühl durch die Straßen." Ihr Pfefferspray habe sie nun immer griffbereit dabei.

Viel geschlafen hat die junge Frau bisher nicht. "Wenn ich mal einnicke, träume ich immer von dem Feuer." Die Zeitungen hat sie übrigens für die vom Brand Betroffenen aufgehoben. "Die haben sie ja schließlich bezahlt und daher sollen sie sie auch bekommen."

Dass sie mit ihrem schnellen Handeln womöglich Menschenleben gerettet hat, ist ihr bewusst. Als Heldin sieht sie sich dennoch nicht. "Das ist doch selbstverständlich, das hätte jeder getan."

 

Lesen Sie dazu auch: Riesige Welle der Hilfsbereitschaft

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
23. 04. 2018
19:34 Uhr

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Matthias Bäumler

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23. 04. 2018
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