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Marktredwitz

Brandanschlag auf Lebensmittelgeschäft eines Syrers

In einem Lebensmittelladen in Marktredwitz bricht mitten in der Nacht ein Brand aus. Die Polizei sucht zwei Männer, die in dem Geschäft, das ein Syrer betreibt, das Feuer gelegt haben sollen. Ein politischer Hintergrund ist nicht ausgeschlossen.



Absperrung nach dem Brand in der Nacht   Foto: Matthias Bäumler

Marktredwitz – Noch am Montagvormittag sind viele Anwohner regelrecht geschockt. „Das sind doch alles Idioten“, schimpft eine Frau und schüttelt den Kopf. In der Nacht zuvor, gegen 3 Uhr, haben bisher noch nicht ermittelte Täter den arabischen Lebensmittelladen am Ende des Marktes angezündet. Erst vor drei Wochen hat ein Syrer das Geschäft eröffnet und war offenbar bei den Nachbarn sehr beliebt. „Ich hab’ schon öfter bei ihm eingekauft. Manchmal hat er den Kunden sogar Tee angeboten“, sagt eine Frau. 


Schnell haben gestern Gerüchte über den Brandanschlag in Marktredwitz die Runde gemacht. Dass es sich um Brandstiftung handelt, ist für die Polizei klar. Ob die Tat einen rechtsradikalen Hintergrund hat, konnte Polizeisprecher Alexander Czech auf Nachfrage unserer Zeitung weder bestätigen noch dementierten. „Wir ermitteln natürlich in alle Richtungen und sichern sämtliche Spuren.“ Die Feuerwehr hatte den Brand rasch unter Kontrolle, sodass die Höhe des Schadens laut Polizei bei etwa 3000 Euro liegt. 


Günter Weidner wohnt im zweiten Stock des Hauses, das schräg gegenüber dem Laden liegt. „Gegen 3 Uhr habe ich einen lauten Schlag gehört. Erst habe ich gedacht, es handelt sich um den Lastwagen, der normalerweise um diese Zeit ein Reformhaus in der Nähe beliefert, aber der war diesmal schon am Sonntag gegen 24 Uhr da“, berichtet der Rentner im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb sei er dann doch mal ans Fenster getreten. „Und da sehe ich, dass einer in Richtung Egerstraße wegrennt. Kurz darauf ist auch eine zweite Person schnell davongelaufen. Beide waren mit schwarzen Kapuzenpullovern bekleidet, deshalb habe ich keine Gesichter gesehen.“ Da in der Fußgängerzone schon häufiger Rowdys ihr Unwesen getrieben haben, hat sich Weidner etwas genauer umgesehen. „Und da sehe ich schon in dem neuen Laden ein oranges Licht und auch Rauch.“ Umgehend hat der Rentner die Polizei und die Feuerwehr verständigt, die auch binnen Minuten im Markt sind. 


Inzwischen ist der Laden und das angrenzende Treppenhaus, das zu den darüberliegenden Wohnungen und Apartments führt, verqualmt. Mit Atemschutzmasken dringen die Feuerwehrmänner und -frauen in das Geschäft ein. „Wir hatten das Feuer schnell unter Kontrolle“, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Harald Fleck. Wegen der starken Rauchentwicklung hat die Feuerwehr die Anwohner sofort evakuiert. Auch eine Bewohnerin des Hauses ist gegen 3 Uhr nachts aufgeschreckt. „Es war ein fürchterlicher Schlag und dann gleich noch einer. Da hat jemand mit brachialer Gewalt auf die Schaufensterscheibe eingeschlagen.“ Minuten später habe es bei ihr an der Tür geklingelt und ein Feuerwehrmann hat sie gebeten, das Haus zu verlassen. „Wir standen dann erst einmal alle auf der Straße. Aber ich bin natürlich froh, dass die Feuerwehr gleich zur Stelle war. Erst als ich rausgegangen bin, habe ich gesehen, dass überall Rauch war.“ 


Die Frau hat sich dann einige Zeit in einem benachbarten Geschäft aufgewärmt, bis die Feuerwehr mit zwei Entlüftergeräten den Rauch aus dem Laden und dem Treppenhaus entfernt hat. Dass so etwas in einer kleinen Stadt wie Marktredwitz geschehen kann, erschreckt sie zutiefst. An Spekulationen, ob es sich um eine ausländerfeindliche Tat handelt, will sie sich nicht beteiligen. 
Gegen 10 Uhr am Montag sperren Polizeibeamte den Tatort großräumig ab. Der Verkehr wird über die nahe Ottostraße umgeleitet. Immer mehr Spurensicherer, Ermittler verschiedener Dienststellen und Brandfahnder treffen ein. Auch die Feuerwehr ist noch mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. „Wir sorgen mit unseren Leuchten und dem Stromaggregat lediglich für Licht, damit die Polizisten arbeiten können“, sagt Fleck. 
In der Mittagszeit kreiste zudem ein Polizeihubschrauber mit Kamera über der Innenstadt. Auch ein Hundeführer war am Tatort mit seinem Spürhund. „Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern“, sagt Polizeisprecher Czech. 


Wie diese das Feuer gelegt haben, will er nicht sagen, da es sich um Täterwissen handelt, das nicht öffentlich gemacht werden soll. Offensichtlich sind allerdings die zwei Löcher, die in der Fensterscheibe klaffen. Und von der Eingangstür fehlt das komplette Glas in der unteren Hälfte. 

Die Ermittler der Kriminalpolizei fragen:

  •          Wer hat am Montagmorgen zur Brandzeit oder bereits vor 3.15 Uhr im Bereich des Lebensmittelgeschäfts in der Straße „Markt“ verdächtige Personen gesehen?
  •          Wem sind womöglich schon im Vorfeld verdächtige Personen und/oder Fahrzeuge aufgefallen, die im Zusammenhang mit dem Brand stehen könnten?
  •          Wer kann sonst Hinweise zur Ursache des Brandes oder zu verdächtigen Personen geben?

 

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Hof unter der Telefonnummer 09281/704-0 entgegen.

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Redaktion
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Veröffentlicht am:
15. 01. 2018
08:07 Uhr

Aktualisiert am:
15. 01. 2018
12:11 Uhr

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15. 01. 2018
08:07 Uhr

Aktualisiert am:
15. 01. 2018
12:11 Uhr



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