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Marktredwitz

Brandopfer blicken nach vorne

Das Haus von Silvia und Helmut Heindl brennt bei dem verheerenden Anschlag in Oberredwitz komplett aus. Das Ehepaar ist dankbar für die Unterstützung von allen Seiten.



War bis Donnerstag abgesperrt: Das völlig abgebrannte Reihenhaus in der Wegenerstraße. Das Ehepaar Heindl ist noch zu betroffen, um sich vor dem Haus fotografieren zu lassen.	Fotos Scharf
War bis Donnerstag abgesperrt: Das völlig abgebrannte Reihenhaus in der Wegenerstraße. Das Ehepaar Heindl ist noch zu betroffen, um sich vor dem Haus fotografieren zu lassen. Fotos Scharf  

Marktredwitz - Eine knappe Woche ist es her, dass Silvia und Helmut Heindl, pensioniertes Lehrer-Ehepaar aus Marktredwitz, nach dem schrecklichen Brandanschlag in der Nacht zum Samstag gegen 5 Uhr schlagartig ihr Haus verlassen mussten. Mit einer Schlafanzughose und einem T-Shirt bekleidet der Mann, in Joggingklamotten die Frau, hasteten sie aus dem Haus, das in Flammen stand.

Wie geht es ihnen heute, wenige Tage später? Die Heindls sitzen am Frühstückstisch des Hotels, in dem sie derzeit von der Stadt untergebracht sind und sagen erst einmal nichts. Noch zu frisch sind die schrecklichen Eindrücke jener Nacht, die viel zerstörte und ihr Leben veränderte. "Ein Teil unseres früheren Lebens ist weg," trauert Silvia Heindl. "Andenken an die Eltern oder Großeltern, Sachen unserer Kinder. Sachen, die nur Erinnerungswert haben und nicht mehr zu ersetzen sind."

Natürlich denke man erst einmal "Warum ausgerechnet wir?" Überlege, wer einem so etwas antun könnte. Den Gedanken nach einer so gezielten Tat aber habe man dann schnell wieder verworfen. Immerhin waren es ja mehrere weitere Anschläge.

Dann aber fassen sie sich. "Wir leben, uns ist nichts passiert," sagt Helmut Heindl. Gesundheitlich unversehrt, natürlich noch unter Schock, denken die beiden nach vorne. Die Handtasche und das Handy waren das einzige, was Silvia Heindl noch mitnehmen konnte, als sie aus dem Haus hasteten.

Ihre komplette Vergangenheit, Dokumente, Kleidung, Fotos der Familie und vieles mehr sind nicht ersetzbar - ein Raub der Flammen. "Der Täter muss einen ganz starken Brandbeschleuniger benutzt haben," sagt der Mann. Denn die Gartenmöbel, die auf einer Bank der Terrasse lagerten, brannten mit erschreckender Schnelligkeit und verursachten eine regelrechte Brandwand, die rasch um sich griff und bis zur Dachrinne reichte. Im Haus war auch nichts mehr zu sehen, weil gleich der Strom ausgefallen war.

Wie geht es weiter? Natürlich baut die Familie das Haus wieder auf. Es ist ein Mittelhaus in einer ganzen Häuserzeile in der Wegenerstraße. Ob sie dort wieder in Ruhe wohnen können? Es ist noch zu früh für solche Fragen. Denn das Ehepaar hat in diesen Tagen nochmals Stress. Unterlagen müssen neu besorgt, Bankkarten und Dokumente bei Ämtern beantragt und abgeholt werden.

Erst einmal im benachbarten Seniorenheim Siebenstern gut versorgt, werden die Heindls die Augenblicke wohl nie vergessen, als sie vor ihrem völlig ausgebrannten Haus standen oder später ganz kurz durch die Haustür blickten. Bis zum Donnerstag war das Haus abgesperrt wegen der Ermittlungen der Polizei.

Aber einen Blick hinein haben sie schon riskiert - soweit möglich. Denn in das Obergeschoß führt kein Weg mehr. Die Truppe ist komplett verbrannt. In den Keller kann man ohnehin nicht mehr. Da steht noch knietief das Wasser.

Die Hoffnung, noch etwas Brauchbares aus dem Haus zu holen, ist ohnehin gering.

Überwältigt aber sind die beiden von der Welle der Hilfsbereitschaft, die sie schon kurz nach dem Unglück aufgefangen hat. Da ist nicht nur Oberbürgermeister Oliver Weigel, der nur wenige hundert Meter entfernt wohnt, vom frühen Morgen an der Brandstelle war und umgehend für die erste Zeit ein Zimmer in einem Hotel besorgt hat. Die beiden konnten sich mit Hilfe der Stadt erst einmal neu einkleiden im Freycentrum. Hilfe zuteil wurde nicht nur den Heindls, sondern auch den Nachbarn, die ebenfalls noch nicht in ihre Häuser können.

Da haben sich bei dem Ehepaar der evangelische Pfarrer Silfredo Dalfert und seine Frau gemeldet, die Gespräche und Hilfe anboten, es meldeten sich Bekannte und Freunde, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und fragten, ob sie etwas tun könnten. Und selbstverständlich haben sich die Kinder gemeldet, die längst weggezogen, in dem Haus aufgewachsen und ebenso schockiert sind.

Die beiden und die anderen Anwohner sind vor allem den Aktiven der Feuerwehren, dem BRK und dem Technischen Hilfswerkes absolut dankbar. Und sie heben nochmals hervor, wie wertvoll die schnelle Reaktion und Alarmierung der Zeitungsausträgerin Claudia Fiebrich war, die damit möglicherweise sogar Menschenleben gerettet hat.

Zunächst einmal bleibt das Ehepaar Heindl in dem Hotelzimmer. Recht viel Zuhause können sie ohnehin nicht sein, weil noch so viel zu erledigen ist. Nach ein paar Wochen aber wollen sie dann doch umziehen in eine Ferienwohnung. Wie lange, steht ohnehin noch nicht fest. Ein Gutachter hat den Schaden festgestellt. Erst einmal muss der Brandschutt ausgeräumt werden. Bis das Haus wieder steht, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Auch eine Nachbarfamilie muss warten, bis sie in ihr Haus zurück kann und ist einstweilen in einem Hotel untergebracht. Einen Schutzengel muss auch die Familie in der Adam Krafft-Straße gehabt haben. Wie erst bekannt wurde, wachten die Bewohner des Hauses, darunter drei Kinder, am Samstagmorgen mit geschwärzten Nasen auf, weil sie etwas Rauch eingeatmet hatten.

 

Lesen Sie dazu auch: Privatmann sagt geplantes Benefizkonzert ab

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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
27. 04. 2018
20:18 Uhr

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27. 04. 2018
20:18 Uhr



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