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Marktredwitz

Bürger kündigen weiteren Widerstand an

Zwei Landtagsabgeordnete informieren sich über den Protest gegen die HGÜ-Leitung. Mit einer Petition versuchen Initiativen den Bau zu stoppen.



Bei Brand machten Vertreter der Bürgerinitiativen gegenüber den Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Thorsten Glauber nochmals ihren Unmut gegen die geplante HGÜ-Trasse deutlich.	Foto: H. S.
Bei Brand machten Vertreter der Bürgerinitiativen gegenüber den Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Thorsten Glauber nochmals ihren Unmut gegen die geplante HGÜ-Trasse deutlich. Foto: H. S.  

Brand bei Marktredwitz - Das Thema Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) ist in Brand und Seußen höchst umstritten. Der Netzbetreiber Tennet will eine HGÜ-Leitung von Norden nach Süden bauen, um den Strom der Windräder in der Nordsee im Zuge der Energiewende nach Süden zu transportieren. Im Bundestag im Prinzip schon beschlossen, sucht die Tennet nun eine Trasse quer durch Deutschland - und eckt fast überall damit an.

In Brand und Seußen laufen die Bürgerinitiativen gegen die Pläne Sturm. Bereits vor einiger Zeit haben die beiden Bürgerinitiativen nach vielen Diskussionen und Treffen mit Politikern eine Petition gegen die "Monstertrasse" eingelegt. Denn nach bisherigen Plänen soll sie neben der jetzigen Hochspannungsleitung verlaufen, allerdings wesentlich höher, - und sie würde damit wertvolle Erholungslandschaft, Felder, Wiesen und Wasserschutzgebiete durchschneiden.

Bevor die Angelegenheit im Petitionsausschuss des Landtags behandelt wird, haben nun die beiden Landtagsabgeordneten Martin Schöffel (CSU) und Thorsten Glauber (Freie Wähler) einen Ortstermin in Brand anberaumt, um sich zusammen mit Vertretern der Bürgerinitiativen ein Bild von der Situation zu machen. Auf Wunsch der Bürgerinitiativen wurde das Treffen in die Flur verlegt, an den Ort, der die Riesenmasten und Kabel der HÜG nach den Plänen des Netzbetreibers Tennet aufnehmen soll.

Johanna Kropp, Sprecherin der BI Brand, hieß die beiden Politiker, mit ihren auch Vertreter der Regierung von Oberfranken und des Bayerischen Innenministeriums, des FGV, des Bauernverbands und des Stadtrats willkommen. Die beiden Politiker forderte sie auf, zunächst einmal die Frage nach dem Bedarf der Leitung zu klären. Sie erinnerte daran, dass die BI als "Kämpfer gegen die HÜG-Trasse" im vergangenen Jahr die Petition an Wirtschaftsministerin Ilse Aigner übergeben habe. Landtagsabgeordneter Glauber wies darauf hin, dass die Petition als eines der nächsten Themen auf der Tagesordnung im Landtag stehe. Er bat jedoch um Verständnis, dass es angesichts rund 16 000 Petitionen im Jahr nicht schneller gehe.

Martin Schöffel erklärte, dass die Frage wohl letztlich im Wirtschaftsausschuss des Landtags beschlossen werde. Vorher aber würden alle Interessen, die der Betreiber, der Regierung, aber auch der Gegner und sonstigen Betroffenen, in die Entscheidungsfindung ein. Bis zur Wahl seien es noch zwei Sitzungen. Die Tagesordnung aber bestimme der Vorsitzende.

Johanna Kropp forderte, die Unterlagen für den Bedarf sollten öffentlich zugänglich sein. Sie bedauerte, dass die BI auf ihre Eingaben bisher weder von der Regierung, noch vom Landratsamt, noch von der Tennet eine Antwort bekommen habe.

Landtagsabgeordneter Schöffel erinnerte daran, dass der Grundsatzbeschluss zum Bau der Leitung bereits im Bundestag gefallen sei. Da sei man sich über Parteigrenzen hinweg einig über die Notwendigkeit gewesen, Windstrom von der Nordsee nach Süden zu transportieren. Die Frage sei nur, auf welchen Wegen.

Schöffel betonte, dass er sich seinem Bundestagskollegen Hans-Peter Friedrich nur anschließen könne. Friedrich hatte eine Erdverkabelung entlang der Autobahn gefordert.

Bei einer Aussprache kritisierte die BI-Sprecherin, dass der Netzbetreiber bei der Erdverkabelung mit falschen Angaben arbeite und kündigte an: "Auf der jetzt geplanten Trasse wird die Leitung nicht gebaut." Mit einem Durchschneiden der Egerauen, von Wasserschutzgebieten und angesichts mehrerer Windräder in der Nähe sei das hier nicht mehr tragbar.

Als Beispiel des Widerstandes wurde ein breit gestreutes und starkes Bündnis genannt, wie es die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner bei Kulmbach geschafft habe.

Die Vertreterin der Regierung von Oberfranken wies darauf hin, dass die Regierung lediglich Baugenehmigungsbehörde sei in dieser Angelegenheit. "Wir sind nicht Planer," sagte sie und unterstrich, dass noch kein Bauplan vorliege.

Auf einige Fakten ging Stadtrat Matthias Standfest ein. Er sei kein Befürworter der Trasse, sagte er. Fakt sei, dass man in Berlin den Grundsatzbeschluss gefasst habe, ohne zu wissen, wie man den Strom befördere.

Kontrovers angesprochen wurden schließlich auch gesundheitsschädliche Auswirkungen von Hochleistungs-Stromtrassen. Hans-Martin Grötsch von den Freien Wählern regte ein Bündnis über Parteigrenzen hinweg an, das geschlossen Nein sage zu der HÜG-Trasse. Erst einmal solle man den Bedarf nachweisen. "Wir wollen Zahlen sehen. Aber unsere Natur lassen wir uns nicht kaputt machen."

Und die BI-Sprecherin Kropp setzte am Schluss noch eines drauf: "Wenn das kommt, droht ein zweites Wackersdorf im Fichtelgebirge."

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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
19. 07. 2018
16:44 Uhr

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Herbert Scharf

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19. 07. 2018
16:44 Uhr



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