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Marktredwitz

Die Welt im Kleinen ganz groß

Das Egerland-Museum präsentiert imposante Landschaftskrippen aus Marktredwitz. Eine ist die legendäre Benker-Krippe, eine andere wurde bisher nicht öffentlich gezeigt.



Laden ein zur Sonderausstellung "Fast vergessene Marktredwitzer Krippen" im Egerland-Museum (von links): Bürgermeister Horst Geißel, "Kripperer" Albin Artmann und Museumsleiter Volker Dittmar.	Fotos: Florian Miedl
Laden ein zur Sonderausstellung "Fast vergessene Marktredwitzer Krippen" im Egerland-Museum (von links): Bürgermeister Horst Geißel, "Kripperer" Albin Artmann und Museumsleiter Volker Dittmar. Fotos: Florian Miedl   » zu den Bildern

Marktredwitz - Das Werk ist vollbracht. Vier Wochen lang ist der Marktredwitzer "Kripperer" Albin Artmann schwer beschäftigt gewesen: Drei imposante Landschaftskrippen, voll mit liebevoll gestalteten Details und insgesamt an die 1000 Tonfiguren hat er aufgebaut, dazu eine etwas kleinere Krippe mit größeren, 20 Zentimeter hohen Figuren. Die Krippen sind ab nächster Woche im Egerland-Museum in Marktredwitz zu bewundern. Sie bilden die Sonderausstellung "Fast vergessene Marktredwitzer Krippen", die zusammen mit der Wanderausstellung "Fair unterwegs" am Dienstag, 26. November, um 19.30 Uhr im Egerland-Kulturhaus eröffnet wird.

Wanderausstellung "Fair unterwegs"

Gemeinsam mit der Krippenausstellung wird auch eine Wanderausstellung der Metropolregion Nürnberg im Egerland-Museum eröffnet. Sie heißt "Fair unterwegs" und soll laut Museumsleiter Volker Dittmar einen realitätsnahen Kontrapunkt zu den romantisierenden Krippendarstellungen setzen. Mit im Boot sind hier auch der Verein "Solidarität in der Einen Welt" und insbesondere Ulrich Frey vom Team des Welt-Ladens in Marktredwitz. Die Wanderausstellung in Form eines mobilen Shops zielt laut Dittmar darauf ab, das Wissen und Bewusstsein der Besucher zum "Fairen Handel" zu schärfen und ihnen Tipps und Anregungen mit auf den Weg zu geben. Bürgermeister Horst Geißel wies darauf hin, dass die Stadt Marktredwitz bei ihren Geschenken mittlerweile auch auf Produkte aus dem fairen Handel umgestiegen sei.

Die Öffnungszeiten im Egerland-Museum sind Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, während des Krippenwegs (vom 26. Dezember bis zum 6. Januar) Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember ist geschlossen.

Vom 27. Dezember bis zum 2. Februar ist der Eintritt ins Museum frei.


Wobei: Das "Fast vergessen" im Titel stimmt nicht ganz. Denn eine der drei großen Landschaftskrippen ist die Eck-Krippe, die Albin Artmann alljährlich im Museum als Teil des Krippenwegs aufbaut. Allerdings hat er sie wieder etwas anders als in den Vorjahren in Szene gesetzt. Zu sehen sind auf 14 Quadratmetern Figuren und Häuser in Anlehnung an die historischen Vorbilder aus der Zeit um 1920, die in eine Alpenlandschaft gesetzt sind.

Die anderen Landschaftskrippen aber, die bis zu Lichtmess, 2. Februar, im Raum für die Sonderausstellungen des Museums stehen, sind in der Tat absolute Raritäten, die schon lange nicht mehr beziehungsweise noch nie öffentlich zu sehen gewesen sind: Bei der einen handelt es sich um die Krippe der Textilfabrikanten Benker, bei der anderen um die Krippe des Marktredwitzer Ehepaars Hans und Barbara Ott.

Die Benker-Krippe wurde letztmals in den 1950er-Jahren in einer großen Garage neben dem Pförtnerhaus auf dem Firmengelände der Textilfabrik in Dörflas gezeigt und gilt seitdem als legendär, wie Museumsleiter Volker Dittmar sagt: und zwar nicht wegen der "überschaubaren" Figurenzahl von rund 280, sondern wegen der groß angelegten Krippenlandschaft mit einer Spielzeugeisenbahn, die um die Krippe herumführte. Zwar ist die Eisenbahn nicht mehr auffindbar gewesen. Die Krippe jedoch mit den alten Tonfiguren, zahlreichen Kleinteilen und 46 Krippenhäusern vornehmlich im sogenannten Schweizer Jodel-Stil hat Carl Albrecht Benker als Leihgeber zur Verfügung gestellt. Er ist ein Urenkel des Commerzienrats Carl Benker (1851 bis 1915), der Ende des 19. Jahrhunderts erstmals eine Landschaftskrippe aufbaute. Und Albin Artmann hat nun die Benker-Krippe auf einer Fläche von 14 Quadratmetern wieder zum Leben erweckt - inklusive der Tuffsteine aus den Alpen und dem Bergpanorama im Hintergrund, das mit Hilfe von Ute Kaiser aus der Bauverwaltung der Stadt reproduziert wurde.

Eine richtige Rarität ist die Hauskrippe von Hans Ott und seiner Frau Barbara. Sie war stets in der Wohnung des Ehepaars in der Liebigstraße aufgebaut - und wurde nie im Rahmen des Marktredwitzer Krippenwegs gezeigt. Hans Ott ist 2017 gestorben, die 1936 geborene Barbara Ott lebt mittlerweile in einem Seniorenheim. Der Bestand der Krippe, der rund 500 Teile umfasst, ging gemäß einer testamentarischen Verfügung an das Egerland-Museum.

Die älteren Figuren stammen noch aus den Händen des Marktredwitzer Töpfers Karl Meyer. Zumeist handelte es sich um Rohlinge aus gebranntem Ton, die Hans Ott selbst bemalte. In ihrer Wohnung konnten die Eheleute aus Platzgründen die Krippe nie komplett aufstellen. Das ist aber nun im Egerland-Museum möglich: Über beeindruckende 24 Quadratmeter erstreckt sich hier die Krippe. Sie steht zentral im Ausstellungsraum und kann von allen Seiten eingesehen werden.

Einen besonderen Dank richtete Bürgermeister Horst Geißel bei einem Pressegespräch an Albin Artmann, den "Mister Krippe", ohne den die Ausstellung nicht möglich gewesen wäre. Artmann halte die Krippentradition in Marktredwitz aufrecht. Museumsleiter Volker Dittmar betonte, dass die Ausstellung keine Konkurrenz zum Krippenweg sein solle. "Die Ausstellung wird es in den nächsten Jahren nicht mehr geben." Dem Krippenweg wünschte Dittmar, dass er noch lange Bestand haben möge und dass auch jüngere Marktredwitzer auf den Geschmack kommen, eine eigene Welt im Kleinen aufzubauen. Dem schloss sich Horst Geißel an: Er hofft, dass sich auch möglichst viele Schulen die Ausstellung ansehen. "Diese Faszination sollte an die Jugendlichen weitergegeben werden."

Autor

Richard Ryba
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Veröffentlicht am:
20. 11. 2019
17:10 Uhr

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Autor

Richard Ryba

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Veröffentlicht am:
20. 11. 2019
17:10 Uhr



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