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Marktredwitz

Forschung vor Endlagerung

Jan Haverkamp spricht vor den Grünen in Marktredwitz. Der Atomexperte von Greenpeace sagt, bei den Vorbereitungen für Lager dürfe es keine Tabus geben.



Marktredwitz - Es seien weniger die Fragen rund um die Atomenergie und die Endlagerung, die aktuell im Vordergrund der Greenpeace-Aktivitäten stehen. "Die Diskussionen um das Klima stehen eher im Fokus", sagte Jan Haverkamp, Atomexperte von Greenpeace, bei einem Treffen der Grünen und der Bürgerinitiative "Stoppt Temelin". Das bedeute aber keinesfalls, dass man sich nicht mehr mit Fragen rund um die Atomenergie befasse. "Schließlich geht es um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen."

Zur Person

Der Niederländer Jan Haverkamp lebte lange in Tschechien, arbeitete dort für Greenpeace und war mit der Umweltschutzorganisation in Tschernobyl und Fukushima. Für Nuclear Transparency Watch und die ostbayerischen Anti-Atom-Initiativen begleitet er die Endlagersuche in Europa und in Deutschland. Er ist Referent der Temelin-Konferenz, die am Samstag in der Umgebung des AKW Temelin zum zehnten Mal stattfand.

 

Auf die Temelin-Konferenz vom vergangenen Wochenende eingehend, stellte Haverkamp fest, dass man mit der Forschung rund um die Atommüll-Endlagerung noch lange nicht am Ende sei. "Eher noch am Anfang. Der Umgang mit dem Atommüll ist eine sehr schwierige Angelegenheit, und zwar weltweit." Die derzeitigen Zwischenlager erfüllten keineswegs die Anforderungen an einen sicheren Umgang damit. Die heutige Generation aber trage hier die Verantwortung für künftige Generationen und dürfe die Lösungen nicht vor sich herschieben. Auch in Zukunft sollte vermieden werden, dass irgendwelche Machthaber in den Besitz von atomwaffenfähigen Substanzen gelangen.

 

"Wir wissen noch lange nicht alles," fuhr der Atomexperte von Greenpeace fort. Wichtig sei hundertprozentige Transparenz der Vorbereitungen für ein Endlager. "Erst, wenn alle Fragen geklärt sind, kann die Suche nach einem endgültigen Lagerplatz beginnen." Deshalb spielten auch die Bürgerinitiativen mit ihren Fragen nach der Sicherheit eine große Rolle. Da dürfe es keine Tabus geben. Immerhin spreche man bei der Endlagerung von Gefahren, die Tausende von Jahren in die Zukunft reichen können.

Das große aktuelle Problem mit dem Atommüll seien die Zwischenlager. "Die sind, wie sich bereits erwiesen hat, keineswegs sicher. Deshalb sehe ich auch die Entscheidung über den Standort eines Endlagers noch in weiter Ferne", betonte der Referent.

Grünen-Kreisrätin und BI-Vorsitzende Brigitte Artmann hatte zu Beginn im "Meister-Bär-Hotel" neben dem Referenten viele Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßt, darunter den CSU-Landratskandidaten Peter Berek und Thomas Edelmann vom Landratsamt sowie Vertreterinnen der Bürgerinitiative Brand.

"Aus dem tschechischen Atomkraftwerk Temelin wird ein Störfall nach dem anderen gemeldet", sagte sie. Da werde man bei der Konferenz einiges dazu zu sagen haben. Außerdem sei in sechs Atomkraftwerken des Nachbarstaates auch ein Betrug an Schweißnähten aufgedeckt worden, was den Experten in Sachen Sicherheit große Sorgen mache.

Warum tust du dir das an? Diese Frage habe sie sich schon mehrmals gestellt, sagte Artmann. "Schließlich aber geht es hier auch um unsere Sicherheit. Bei einem Störfall gibt es keine Grenzen." Noch dazu sei auch das Fichtelgebirge mit seinem Granitgestein bei der Suche nach einem Endlager wieder im Boot.

Das bestätigte Thomas Edelmann vom Landratsamt Wunsiedel: "Bei der Suche nach einem Endlager ist das Fichtelgebirge längst noch nicht außen vor." Er erwartet die neue Karte über die Endlagersuche für die kommenden beiden Jahre. "Darauf werden wir ein waches Auge haben."

Peter Berek forderte für die Zukunft nachhaltige Lösungen der Probleme und nannte dafür als kleines Beispiel das Biokraftwerk in Bad Alexandersbad. In der anschließenden Diskussion kritisierte ein Redner das Märchen von der billigen Atomenergie. Wenn man die Kosten der Müllbeseitigung einrechne, stiegen diese gewaltig.

Jan Haverkamp, gebürtiger Niederländer, der lange Jahre in Tschechien und Polen sowie in Belgien gelebt hat und einer der führenden Köpfe von Greenpeace ist, bedauerte, dass die Katastrophe von Fukushima schon fast wieder in Vergessenheit geraten sei. Derzeit würden weltweit zahlreiche Atomkraftwerke geplant und gebaut. "Auch in unseren Nachbarländern innerhalb der EU. Und das, obwohl viele Fragen mit dem Umgang des Atommülls noch lange nicht geklärt sind. Ganz zu schweigen von der Endlagerung, bei der man sich wissenschaftlich auch noch nicht einig ist."

Dem Beifall der Zuhörer schickte Haverkamp eigenen Beifall hinterher. Der, sagte er, gelte dem "gallischen Dörfchen" Marktredwitz, aus dem heraus man seit Jahren vehement die Atomkraft bekämpfe und kritische Fragen dazu stelle.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
00:00 Uhr

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Herbert Scharf

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
00:00 Uhr



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