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Marktredwitz

„Ivan ist schon ein Spezialfall“

Der Luchs aus dem Harz zieht sich den Beinamen "der Schreckliche" zu. Er tötet Hauskatzen im Steinwald. Expertin Sybille Wölfl sagt: Er schlägt aus der Art.



Der Harzer Luchs "Ivan" sorgt im Steinwald für Ärger. Das 2018 aus Niedersachsen zugewanderte Tier nähert sich Bauernhöfen und hat bereits mehrere Hauskatzen getötet.	Foto: Wildkamera 2019, Luchs-Projekt Bayern
Der Harzer Luchs "Ivan" sorgt im Steinwald für Ärger. Das 2018 aus Niedersachsen zugewanderte Tier nähert sich Bauernhöfen und hat bereits mehrere Hauskatzen getötet. Foto: Wildkamera 2019, Luchs-Projekt Bayern  

 Da freut man sich über den Luchs.  Und dann macht sich "Ivan" über Hauskatzen her. Ist das typisch für diese Tiere?

Steinwald-Luchse

Über die Luchse im Steinwald gibt es spannende Geschichten. 2016 war "Fee" ausgewildert worden, ein verwaistes Weibchen aus dem Bayerischen Wald. 2018 kam auf gleiche Weise Kuder (Männchen) "Hotzenplotz" dazu. Das gemeinsame Glück war aber von kurzer Dauer, als "Ivan" aufkreuzte. Der Zuwanderer aus dem Harz verletzte "Hotzenplotz" in einem Revierkampf so schwer, dass dieser einging.

Die Biologin Sybille Wölfl leitet seit 2006 das Artenhilfsprojekt Luchs in Bayern. Zu ihren Hauptaufgaben gehören der Aufbau und die fachliche Betreuung des Netzwerks große Beutegreifer.

Nein. Wenn eine Katze im Wald herumstreunt, mag es passieren, dass sie Opfer eines Luchses wird. Aber in diesem Fall war es anders: "Ivan" mag da einen abgelegenen Hof ganz besonders gern und hat dort schon einige Katzen getötet, ohne sie zu fressen. Wir wollen so ein Verhalten natürlich nicht sehen. Wir kennen das von unseren bayerischen Luchsen auch nicht. Ich habe selbst Katzen und wohne noch viel einsamer. An unserem Haus laufen Luchs, Hase, Fuchs und Marder vorbei. Da gab so etwas nie. Aber "Ivan" stammt aus dem Harz, wo das wohl häufiger vorkommt.

 

Schon sein Einstand war blutig, als er 2018 seinen Rivalen "Hotzenplotz" tötete.

Ja, "Ivan" ist schon ein Spezialfall. Der ist nicht ohne. Rivalenkämpfe kommen vor, aber das geht nur ganz selten tödlich aus. Die Harzer Luchse unterscheiden sich auch äußerlich und genetisch von unseren Wald-Luchsen. "Ivan" war "Hotzenplotz" deutlich überlegen.

 

Wie gehen Sie jetzt vor?

Wir beobachten die Situation mit strengen Augen, in erster Linie die Kollegen am Landesamt für Umwelt in Hof. Fotofallen sind aufgestellt. Wir bitten die Leute, früh zu melden, wenn etwas auffällig ist. Wir haben vor Ort geschulte Leute vom Netzwerk große Beutegreifer. Revierleiter Carsten Klöble und Berufsjäger Jens Ullmann, beide aus Friedenfels, nehmen die Fälle auf und können Genetik-Proben nehmen.

 

Von wie vielen getöteten Hauskatzen sprechen wir?

Die Angaben sind unterschiedlich. Im Umkreis des Hofs wurden sechs tote Katzen gefunden, bei zweien wurde über die DNA eindeutig der Luchs festgestellt. Das war er. Da braucht man nicht diskutieren.

 

Bei der Jahrestagung des "Arbeitskreis Luchs Nordbayern" wurde die Zahl 20 genannt.

Ja, die Zahl kam aus dem Publikum. Aber wir brauchen mehr als Hörensagen. Wir brauchen Belege. Dann können wir Maßnahmen ergreifen.

 

Wie kann man "Ivan" zähmen?

Er gehört abgeschreckt. Das wäre der erste Schritt. Das ist aber leichter gesagt als getan. Dazu muss man wissen, wo er ist. Deshalb gibt es Überlegungen, dass man ihn besendert, um ihn dann tatsächlich wegzuscheuchen. Luchse reagieren sofort, wenn man brüllt und schreit und auf sie zuläuft. Also: besendern und vergrämen. Denkbar wäre auch einfangen und danach woanders aussetzen.

 

Und die Entnahme, also die Tötung?

Das wäre wirklich die allerletzte Möglichkeit, immerhin sind Luchse eine geschützte Art. Wir müssen das beobachten. Vielleicht war es eine Episode. "Ivan" ist ja noch ein Halbstarker. Wenn er es nicht lässt, wäre es schon anzuraten. Er verdirbt den guten Ruf unserer Luchse.

 

Es wäre ja insofern auch schade, weil das Paar getrennt würde. Was tut "Fee" ohne "Ivan"?

Die "Fee" mag er. Es gibt ein Bild, auf dem sie zusammen nebeneinander hertrotten. Vergangenes Jahr hat es mit Nachwuchs nicht geklappt, vielleicht war er noch nicht geschlechtsreif. Jetzt ist er im dritten Lebensjahr. Vielleicht klappt’s, aber vielleicht ist er auch hierin ein Spezialfall.

 

Autor

Christine Ascherl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
16:34 Uhr

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Autor

Christine Ascherl

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Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
16:34 Uhr



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