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Marktredwitz

Kreatives Leben im früheren Leerstand

Peter Kuchenreuther feiert den Abschluss der großen Sanierung zweier Häuser im Markt. Dort wohnt der Architekt mit der Familie, und dort arbeitet auch sein 15-köpfiges Team.



Freude über die endgültige Fertigstellung des Archtikturbüros Kuchenreuther in den beiden Stadthäusern am Markt (von links): Oberbürgermeister Oliver Weigel, Hausherr Peter Kuchenreuther, Ehefrau Birgit und die beiden Töchter Lisa und Johanna Kuchenreuther, stellvertretender Landrat Roland Schöffel und Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Foto: Peggy Biczysko
Freude über die endgültige Fertigstellung des Archtikturbüros Kuchenreuther in den beiden Stadthäusern am Markt (von links): Oberbürgermeister Oliver Weigel, Hausherr Peter Kuchenreuther, Ehefrau Birgit und die beiden Töchter Lisa und Johanna Kuchenreuther, stellvertretender Landrat Roland Schöffel und Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Foto: Peggy Biczysko  

Marktredwitz - "1999...meine Frau, die Apotheke oder wie alles begann." Als Peter Kuchenreuther sein Architekturbüro nach dem Umbau mit geladenen Gästen einweiht, wird klar, wer letztlich die Entscheidung getroffen hat, dass die Marktredwitzer Innenstadt der neue Lebens- und Arbeits-Mittelpunkt der Familie wird. In besagtem Jahr übernimmt Birgit Kuchenreuther die Apotheke im Herzen der Stadt. 2002 kauft der Architekt das Haus am Markt 14, heute ist die Familie auch Besitzer des Nachbarhauses Nummer 12. Jetzt sind die beiden historischen Stadthäuser, die im Innern durch eine gelungene Symbiose von Alt und Modern bestechen, endlich komplett saniert.

Vorzeige-Projekte von 2000 bis 2018

2000: Peter Kuchenreuther macht sich als Ein-Mann-Betrieb selbstständig und bekommt bei Schott-Rohrglas in Mitterteich seinen ersten Auftrag.

2001: Umgestaltung des Büros Meuche in der Lindenstraße 2.

2002: Dorferneuerung Thiersheim

2003: Gestaltungs-Fibel für Wunsiedel mit über 130 Beratungen

2004: Wohnumfeld-Gestaltung Selb-Ost; Einstellung der ersten Mitarbeiterin

2005: Waldhaus Mehlmeisel, mittlerweile auch Wildpark

2006: Torhaus Leupoldsdorf

2007: Rathausplatz Schwarzenbach/Saale

2008: Zuckerhut Wunsiedel, Umbau zur Kletterhalle

2009: Die Bognerschule Selb sorgt durch einen Großauftrag für die Einstellung mehrerer Mitarbeiter.

2010: Dorferneuerung Bad Alexandersbad

2011: Granit-Labyrinth Kirchenlamitz - Peter Kuchenreuther: "Eines meiner Lieblings-Projekte."

2012: ehemalige Brandruine "Goldener Löwe" Weißenstadt

2013: Bfz Marktredwitz

2014: Haus der Kräuter in Nagel

2015: Jean-Paul-Schule Wunsiedel, der Auftrag läuft noch weiter.

2016: Stadtpark Waldershof

2017: Stadthalle Marktredwitz

2018: Das neueste Projekt ist das Steinzentrum in Wunsiedel. Peter Kuchenreuther: "Für mich als gelernten Steinmetz ein ganz wunderbares Projekt!"


Der Weg dorthin war nicht immer leicht, wie Peter Kuchenreuther in seinem Vortrag bei der Eröffnung anklingen lässt. Der gelernte Steinmetz, der Architektur studiert hat, ist Ende 1999 arbeitslos und will sich "nicht auf der sozialen Hängematte ausruhen". Er wagt mit Beginn des neuen Jahrtausends den Schritt in die Selbstständigkeit - als Ein-Mann-Unternehmen mit einer Aushilfe an der Seite. Heute zählt das erfolgreiche Architekturbüro, das sich nicht nur in der gesamten Region, sondern auch darüber hinaus einen Namen gemacht hat, 15 Festangestellte. Und mit Tochter Lisa, die noch studiert, aber dem Vater und seinem Team schon ordentlich unter die Arme greift, steht bereits die nächste Generation in den Startlöchern. Tochter Johanna, die die zwölfte Klasse besucht, scheint sich eher am Beruf der Mutter orientieren zu wollen.

2005 zieht die Familie in das komplett renovierte Haus am Markt 14 ein, wo Kuchenreuther über dem vermieteten Schmuckgeschäft Wolfrum sein Architekturbüro einrichtet. Die Familie nistet sich im Obergeschoss und unterm Dach ein. "Doch dann sind wir erwachsen geworden. Nicht nur das Büro und unser Team, sondern auch unsere Töchter." Nicht nur die brauchen mehr Platz, sondern auch die Architekten rund um Kuchenreuther. Denn die Aufträge häufen sich, die Büroflächen reichen nicht mehr aus. Als der Leerstand in der Nachbarschaft zum Verkauf steht, schlägt Kuchenreuther wieder zu, macht aus zwei Häusern aus dem Jahr 1903 im Innern eines. Während die Büros nach wie vor im ersten Stock untergebracht sind, haben die Mitarbeiter jetzt auch in dem ehemaligen Laden, der den Namen "Wunderbar" trägt, weil eben alles wunderbar sei, wie der Architekt versichert, ihr Quartier. Und eine wunderbare Küchen-Bar gibt es da auch. In den oberen Stockwerken und unterm Dach hat sich die Familie ausgebreitet. Zwei große Dachterrassen auf der Rückseite geben traumhafte Blicke über die Stadt frei.

"Ich habe beide Häuser in die Denkmalliste aufnehmen lassen, um sie für die Zukunft zu sichern", verdeutlicht der Bauherr, der nicht vergisst, seiner kompletten Mannschaft zu danken für "Leidenschaft und Einsatzkraft". Sie seien ein Team, aufgestellt wie eine Fußballmannschaft.

Landtagsabgeordneter Martin Schöffel nennt Kuchenreuther "einen mehrfachen Glücksfall", der sich auf "innen statt außen" konzentriere und auch bei hart umkämpften Projekten wie dem Kräuterdorf in Nagel am Ball geblieben sei. "Er ist ein Architekt mit Liebe zum Detail, der weiß, wie es geht und der Bauherrn motivieren kann." Die Region stehe noch immer vor großen Herausforderungen angesichts der vielen Leerstände in den Ortskernen. "Ich gebe so lange nicht nach, bis jede Kommune einen attraktiven Ortskern hat", verspricht Schöffel und dankt allen Architekten in der Region, "weil von deren Arbeit noch Generationen etwas haben".

Auch stellvertretender Landrat Roland Schöffel spricht von einem Investitionsstau, der dringend aufgelöst werden müsse. Damit die Region mehr Zuzug bekommt, seien die Architekten gefragt, um Wohnraum und weiche Standortfaktoren zu schaffen. "Denn in der Kinderversorgung und mit Schulen sind wir bestens aufgestellt." Kreativität führe zum Erfolg, "dafür ist Peter Kuchenreuther das beste Beispiel".

Oberbürgermeister Oliver Weigel greift den Ball auf, den Kuchenreuther ihm zugespielt hat: "Es ist wunderbar, wenn sich ein Architekturbüro am Standort vergrößert und Arbeitsplätze schafft. Das zeigt, dass wir so einiges richtig machen in der Stadt." Und in den nächsten Jahren werde die Arbeit für Architekten nicht weniger. Außerdem habe er einen wichtigen Beitrag zur Belebung eines Leerstands geleistet. Dass Peter Kuchenreuther das richtige Händchen in Sachen Gestaltung hat, "kann ich bestätigen", sagt der OB schmunzelnd. "In so einem Haus fühlt man sich wohl", meint er mit dem Hinweis auf sein frisch bezogenes Heim auf dem Wacker-Hügel.

Nachdem die Geistlichen Knut Meinel und Josef Englmann die neuen Räume gesegnet haben, können sich die Gäste selbst von dem Schmuckstück im Markt überzeugen.

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
30. 07. 2018
17:22 Uhr

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30. 07. 2018
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