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Marktredwitz: SPD und Grüne gegen neues Baugebiet

An der Wuttigmühle werden elf Einfamilienhäuser gebaut. Die Anlieger sind nicht erfreut über die Pläne der Stadt. Sie applaudieren den Gegnern im Stadtrat.



Stadtplaner Alexander Rieß deutet auf die Fläche unterhalb der Wuttigmühle, wo ein neues Baugebiet ausgewiesen wird. Elf Einfamilienhäuser sollen ab nächstem Jahr hier in einer Kette hochgezogen werden. Wenig begeistert davon sind einige Anwohner, die oberhalb des Gebiets seit vielen Jahren einen ungetrübten Blick ins Grüne genießen.
Stadtplaner Alexander Rieß deutet auf die Fläche unterhalb der Wuttigmühle, wo ein neues Baugebiet ausgewiesen wird. Elf Einfamilienhäuser sollen ab nächstem Jahr hier in einer Kette hochgezogen werden. Wenig begeistert davon sind einige Anwohner, die oberhalb des Gebiets seit vielen Jahren einen ungetrübten Blick ins Grüne genießen.   Foto: Peggy Biczysko

Marktredwitz - Hinter verschlossenen Türen sind die Pläne längst ausgereift: Auf der grünen Wiese zwischen der Siedlung Wuttigmühle am Kaiserstein und dem Ödweißenbach wartet eine Idylle auf neue Bauherrn. Elf Einfamilienhäuser sollen ab kommendem Jahr hier in einer Reihe hochgezogen werden. Obwohl die SPD in vorausgegangenen Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stets zu den Befürwortern des Vorhabens gehört haben soll, stimmt die Fraktion geschlossen zusammen mit der Grünen Brigitte Artmann am Dienstag in der Stadtratssitzung gegen die Realisierung. Dafür gibt es sogar Applaus von den Zuschauerrängen, denn hier hat sich eine Schar von Anliegern der Wuttigmühle versammelt. Und die sind alles andere als begeistert von den Plänen der Stadt, ihnen Häuser vor die Nase zu setzen und damit den bislang freien Blick in die Natur zu trüben.

Was Cornelia Dittmar vom Weimarer Büro Umbau Stadt in der Sitzung vorgestellt hat, präsentiert Stadtplaner Alexander Rieß der Frankenpost am gestrigen Mittwoch noch einmal an Ort und Stelle. Rieß spannt mit dem Zeigefinger einen weiten Bogen über die Wiese, wo sich die elf Einfamilienhäuser künftig aneinanderreihen sollen. Allerdings mit gebührendem Abstand. "Wir wollen die Sackstraße auch nur mit einer Breite von 4,5 Metern erschließen - ohne Gehsteig", verdeutlicht der Planer. Auch Cornelia Dittmar hatte bereits versichert, "dass der Eingriff in die Natur möglichst minimiert bleiben soll". Die zweigeschossigen Häuser bekämen allesamt ein Flachdach, damit der Ausblick der Anlieger nicht zu sehr gestört wird. Zudem handelt es sich bei dem neuen Baugebiet um eine abschüssige Fläche, wodurch die Häuser ohnehin tiefer liegen.

Oberbürgermeister Oliver Weigel verdeutlicht, "dass die Nachfrage nach Grundstücken ungebrochen ist". Aus städtebaulicher Sicht stimmt ihm Stefan Walberer (SPD) auch zu. "Dennoch sollten wir von dem Vorhaben momentan Abstand nehmen, weil das Gebiet Hammerberg ja noch nicht komplett vergeben ist." Walberer verweist auf etliche Baulücken am Kaiserstein, die noch gefüllt werden könnten. "Deshalb stimmt unsere Fraktion gegen die Pläne." Es gibt Applaus von den Wuttigmühle-Anwohnern.

Oberbürgermeister Weigel teilt mit, dass es bereits 35 Reservierungen für den Hammerberg gebe und lediglich 15 Grundstück übrig seien. "Auch die Bebauung nördlich der Wegenerstraße ist abgeschlossen." Angesichts des niedrigen Zinsniveaus sei die Nachfrage da. "Ich hatte schon zahlreiche Anfragen von Bauherrn, die bei uns ihren Lebensmittelpunkt setzen wollen. Aber sie haben auch Alternativen in anderen Städten und Gemeinden", gibt Weigel zu bedenken.

Bauamtsleiter Stefan Büttner erklärt bezüglich der Baulücken, "dass die Stadt keinen Zugriff auf Baulücken am Kaiserstein hat, wenn diese in Privatbesitz sind". Man könne nur Flächen an den Mann bringen, die der Stadt gehören. Bei der Wuttigmühle sei dies der Fall. Er lege dem Stadtrat "wärmstens ans Herz, dieses Bauland zu entwickeln". Um Spekulationen einen Riegel vorzuschieben, gebe es eine Bauverpflichtung.

Gisela Wuttke-Gilch verweist auf "viele laufende Projekte, wo wir nicht wissen, wie das finanziell ausgeht". Auf dem Bühl gebe es noch sieben freie Grundstücke. "Man muss mit den Besitzern intensiv reden", fordert sie die Stadtverwaltung auf. Als die Stadt das Grundstück an der Wuttigmühle gekauft hat, "war nie die Rede davon, dass wir das sofort bebauen". Oliver Weigel entgegnet, dass sich eine Kommune nur mit einem vielfältigen Angebot erfolgreich weiterentwickeln könne. "Wir wollen weiter wachsen und den Zuzug von Familien." In den letzten Jahren habe die Stadt sämtliche Grundstücke erfolgreich verkauft.

Ute Selhorst von den Freien Wählern platzt angesichts der Diskussion der Kragen: "War die SPD-Fraktion in den letzten Monaten nicht vorhanden?" Die Entwicklung des Gebiets sei klar gewesen. Selhorst wirft der SPD vor, "ein Theater abzuziehen, obwohl sie vorher bei allen Beschlüssen dabei war". Den finanziellen Wink von Wuttke-Gilch führt sie ad absurdum: "Warum sollte die Stadt ein Gebiet kaufen, mit dem sie nichts macht?"

CSU-Fraktionsvorsitzender Robert Sroka nennt es "kurios", dass die SPD Kauf und Entwicklung des Geländes mit beschlossen habe und jetzt alles infrage stelle. Stefan Walberer entgegnet, man stelle das Baugebiet nicht in Frage. "Doch zunächst sollten wir andere Schwerpunkte setzen."

Brigitte Artmann von den Grünen lenkt den Fokus auf das Landschaftsschutzgebiet, das hier tangiert werde. Doch laut Bauamtsleiter Büttner und Stadtplaner Alexander Rieß ist dies schon im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde abgeklärt worden.

Wie Rieß im Gespräch mit der Frankenpost erklärt, bleibt ein breiter Grünstreifen bestehen. Auch die Bepflanzung, die zwischen den langjährigen Anliegern und der freien Wiese hoch gewachsen ist, werde nicht angerührt, versichert Rieß.

Bei der Abstimmung über die vorbereitende und verbindliche Bauleitplanung für das Gebiet Wuttigmühle votieren Gisela Wuttke-Gilch, Stefan Walberer, Christine Eisa, Kurt Rodehau und Werner Schlöger (alle SPD) zusammen mit Brigitte Artmann von den Grünen gegen das neue Baugebiet.

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
16:20 Uhr

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
16:20 Uhr



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