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Marktredwitz

Museum im Farbenrausch

Was Schnecken mit Purpur zu tun haben und warum Farben in der Tier- und Pflanzenwelt allgegenwärtig sind: Die neueste Ausstellung lockt Besucher in eine kunterbunte Welt.



Sie lassen sich von den Farben im Museum gefangen nehmen (von links): Museumsleiter Volker Dittmar, Bürgermeister Horst Geißel, Sabine König vom Carl-Bosch-Museum Heidelberg, stellvertretender Landrat Roland Schöffel und Projekt-Mitarbeiter und Historiker Dr. Robert Grötschel. Fotos: Peggy Biczysko
Sie lassen sich von den Farben im Museum gefangen nehmen (von links): Museumsleiter Volker Dittmar, Bürgermeister Horst Geißel, Sabine König vom Carl-Bosch-Museum Heidelberg, stellvertretender Landrat Roland Schöffel und Projekt-Mitarbeiter und Historiker Dr. Robert Grötschel. Fotos: Peggy Biczysko   » zu den Bildern

Marktredwitz - Rot leuchten die Kerne des Granatapfels, liefern sich einen farbenfrohen Wettstreit mit dem Ampelrot und der leuchtenden Erdbeere. Gold-gelb trieft der Honig vom Löffel, während die flippige Tapete daneben Kringel in Gelb und Orange zu einer Einheit verschmilzt, um sich auf dem benachbarten Bild an Aprikosen zu schmiegen. In einem regelrechten Rausch der Farben befindet sich momentan das Egerland-Museum in Marktredwitz. "Rot, Grün, Blau statt trist und Grau" lautet der Untertitel der kunterbunten Präsentation "Faszination Farbe" - einer Wanderausstellung, die das Carl-Bosch-Museum Heidelberg dem Museum in Marktredwitz zur Verfügung gestellt hat.

Farben begleiten uns jeden Tag, sind rund um die Uhr präsent. Und wir verknüpfen mit Farben Emotionen und Gefühle. So steht feuriges Rot für Energie und Leidenschaft, während Blau, die Lieblingsfarbe der Deutschen, eher Ruhe vermittelt. Nicht nur das verdeutlichen die Exponate, die im Egerland-Museum Antworten auf Fragen geben wie etwa, warum Farben entstehen oder ob jeder diese gleich sieht. Und welchen Zweck erfüllen sie? Die Besucher können definitiv abtauchen in ein Meer von Farben, dürfen experimentieren, Farbe interaktiv erleben. Für Familien, Kinder und ganze Schulklassen kündigt Museumsleiter Volker Dittmar Workshops während der Ausstellung an.

In einem Miniatur-Gefäß liegt ein Häuflein Pulver. "Das ist Purpur - eine der teuersten Materialien der Welt", betont Sabine König. Die Geschäftsführerin des Carl-Bosch-Museums Heidelberg, die die Wanderausstellung nach Marktredwitz verliehen hat, verdeutlicht, dass für nur ein Gramm Purpur das Drüsensekret von 10 000 Stachel-Schnecken nötig sei. Ehrfürchtig blicken die Besucher auf das Töpfchen, waren doch die Mäntel einstiger Herrscher mit echtem Purpur gefärbt.

Warum schillern Seifenblasen oder ein Öltropfen in der Pfütze? Wie entsteht Abendrot und warum gibt es kein Abendgrün? Naturwissenschaftlich geht die Ausstellung Fragen wie diesen auf den Grund. "Farben geben uns Orientierung", erläutert Bürgermeister Horst Geißel und erinnert an farbige Hinweise etwa in großen Kliniken, Seniorenheimen oder in Schulen. "Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass unser Gehirn zur Wahrnehmung verschiedener Farben wahre Höchstleistungen vollbringen muss." Wie Tiere Farben sehen - auch das werde in der Ausstellung eindrucksvoll dargestellt. Deshalb hofft nicht nur er, sondern auch Museumsleiter Dittmar auf viele Schulklassen, zumal es multimedial viel zu erleben gibt.

Wie einst mit natürlichen Farben wie Zinnoberrot, marokkanischem Ocker oder Indigo und Curcuma gefärbt worden ist, können die Besucher in der Ausstellung ebenso sehen wie den Umgang mit modernen Farbmitteln. Und es werden zu verschiedenen Exponaten kleine, farbige Geschichten erzählt. "Dass Mädchen Rosa und Jungen Blau tragen, ist nämlich nicht immer so gewesen", sagt Sabine König. Auch darüber gibt die Präsentation Aufschluss. Denn über Jahrhunderte hinweg ist das laut Fachfrau König andersherum gewesen. Rosa, das kleine Rot, hätten die Jungen getragen - "bis dann der Blaumann erfunden wurde" und die ganze Sache farblich kippte.

"Farbige Höhlenmalereien hielten einst Erlebnisse der Menschen fest, die Massai bemalen ihre Körper, um sich von anderen Gruppen zu unterscheiden. Das Gleiche gilt für die Vereinsfarben der Fußballclubs." Als eine der wichtigsten Farben bezeichnet Museumsleiter Dittmar das Rot. "Rote Lippen oder Fingernägel können Frauen noch attraktiver erscheinen lassen", meint er schmunzelnd. Dominiert das Rot, bedeute das allerdings Gefahr, Blut, Feuer. "Daher warnen rot gestaltete Verkehrsschilder vor Gefahren." Schon 1671 habe das Universal-Genie Isaac Newton entdeckt, dass Farben keine Materie sind, sondern durch die Brechung des weißen Lichts entstehen. Auch darauf geht die Ausstellung ein.

Und die Präsentation schwenkt über in heimische Gefilde, zumal farbige Glasperlen aus dem Fichtelgebirge stammen, Zinnoberrot aus der einstigen Chemischen Fabrik Marktredwitz und das Pigment "Böhmische grüne Erde" aus dem Egerland. Grünstein vom Ochsenkopf wurde einst verwendet für die Herstellung von Knöpfen und Rosenkränzen, so Volker Dittmar.

"Die Natur sorgt für Farbe, und die Kleidung wird jetzt im Frühling wieder bunter", freut sich stellvertretender Landrat Roland Schöffel über die farbenfrohe Ausstellung und das faszinierende Thema. Der Frankreich-Liebhaber macht einen kurzen Ausflug nach Paris, wo ein höllisches Feuer Notre-Dame zum Teil zerstört hat. "Hier haben vor 700 Jahren Glaskünstler ganz Außergewöhnliches geschaffen." Dass sich so viele Menschen jetzt finanziell für den Wiederaufbau der Kathedrale engagieren, hält Schöffel für sehr lobenswert. "Die Franzosen haben eine wunderbare Einstellung zu ihrer Kunst. Das wünschte ich mir auch ein bisschen mehr von den Deutschen."

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Die Ausstellung im Egerland-Museum ist bis 6. Oktober zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Nach Voranmeldung sind Gruppen auch zu anderen Zeiten willkommen.

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
26. 04. 2019
16:46 Uhr

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26. 04. 2019
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