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Marktredwitz

Polizei warnt vor dreisten Betrügern

Martin Zatschka gibt Senioren Tipps für ihre Sicherheit. Enkeltrick und Gewinnversprechen sind gängige Maschen von Verbrechern.



Peter Schricker, der Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge (links), und Polizeihauptkommissar Martin Zatschka. Foto: Peter Pirner
Peter Schricker, der Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge (links), und Polizeihauptkommissar Martin Zatschka. Foto: Peter Pirner  

Marktredwitz - Ältere Menschen sind häufig ein willkommenes Opfer von Betrügern und fallen auf so manch dreiste Masche herein. Damit Senioren nicht allzu leichtgläubig dem Enkeltrick oder anderen Betrügereien auf den Leim gehen, hatte Vorsitzender Peter Schricker zum jüngsten Treff der Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge den Polizeihauptkommissar und Präventions-Beamten Martin Zatschka von der Polizeiwache Selb eingeladen. Unter dem Titel "Achtung, hier spricht nicht die Polizei!" klärte der Referent im Martin-Schalling-Haus darüber auf, worauf man achten muss, um nicht zum Opfer zu werden.

Hilfe für Ältere

Die Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge unterstützt die wachsende Zahl älterer Menschen in der Region, die Hilfe benötigen, um ihr gewohntes, selbstbestimmtes Leben weiterführen zu können. Sie vermittelt Helfer, die gegen ein kleines Entgelt Fahrdienste, Einkaufsbegleitung, Gartenpflege oder ähnliches durchführen. Auch einfach etwas vorzulesen oder miteinander zu plaudern, im Sinne eines nachbarschaftlichen Miteinanders, ist möglich. Ansprechpartner ist Peter Schricker, Eichenweg 11, Thiersheim, Telefonnummer 09233/715 77 16 oder über www.seniorengemeinschaft-fichtelgebirge.de.


Der Enkeltrick werde bereits seit 20 Jahren angewendet: "Das Telefon klingelt. Der Anrufer nennt seinen Namen nicht und erkundigt sich in vertraulichem Ton nach dem Wohlbefinden des Angerufenen, den er mit Vornamen anredet. Besonders ältere oder einsame Menschen freuen sich darüber und nehmen an, dass es sich um einen Verwandten oder guten Bekannten handelt." Oft fragten sie den Anrufer, wer er denn sei. Dann komme meist die Gegenfrage: "Erkennst Du mich denn nicht?" Wenn der Angerufene dann seine Vermutung mit beispielsweise "Bist Du der Peter?" ausspricht, bestätige dies der Anrufer. Im weiteren Gespräch schildere er eine finanzielle Notlage wie einen Unfall oder einen überraschenden Wohnungs- oder Autokauf. Er bitte den Angerufenen, ihm kurzfristig Geld - "meist zwischen 5000 und 50 000 Euro" - zu leihen. "Fällt der Angerufene darauf herein, wird er in der Regel direkt zu seiner Bank geschickt. Auf dem Weg wird er bereits von einem Abholer beobachtet. Sobald der Angerufene wieder zu Hause ist, meldet sich der Anrufer erneut und teilt mit, dass er nicht persönlich kommen kann, aber ein Freund das Geld gleich abholt. Bis der Abholer klingelt, spricht der Anrufer weiter mit seinem Opfer, damit es nicht telefonisch oder persönlich bei einem Angehörigen oder bei der Polizei nachfragen kann. So unter Druck gesetzt, geben manche ihr Geld dann tatsächlich an einen völlig Fremden weiter."

Zatschka rät, misstrauisch zu sein, wenn sich Anrufer nicht direkt mit ihrem Namen nennen. Details zu den eigenen familiären oder finanziellen Verhältnissen sollten nicht weitergegeben werden. Wenn es zu finanziellen Forderungen kommt, sollte man in jedem Fall mit Familienangehörigen darüber sprechen und natürlich niemals Geld an unbekannte Personen übergeben. "Lassen Sie sich nicht dazu bringen, überstürzt und ohne Rücksprache zu handeln", fordert Zatschka eindringlich.

Nach ähnlichem Muster gingen Schockanrufer vor, die sich oft an Russisch sprechende Menschen wendeten. Ein naher Verwandter hätte einen Unfall verursacht, bei dem ein Kind verletzt worden sei. Die notwendige Operation würde mehrere tausend Euro kosten, bei sofortiger Bezahlung würden die Eltern von einer Anzeige absehen, bei der ein Gefängnisaufenthalt drohe. "Auch hier gelten die obigen Ratschläge."

Eine weitere Masche seien Gewinnversprechen. "Der Täter gibt sich am Telefon als Rechtsanwalt oder Notar aus und informiert über einen Geld- oder Sachpreis." Für die Auszahlung oder die Übergabe beispielsweise eines Autos müssten im Voraus bestimmte Gebühren, Steuern oder ähnliches entrichtet werden. Die Bezahlung solle meist ins Ausland erfolgen, am liebsten online über Paysafecard oder über Western Union. Ganz simpel sind die Überlegungen des Hauptkommissars: "Wenn Sie nicht an einem Gewinnspiel teilgenommen haben, können Sie auch nichts gewinnen!" Und: "Gewinne sind nie gebührenpflichtig!" Eine Falle sei es auch, wenn der Anrufer eine Telefonnummer angibt, damit man Näheres über die Lotterie und den Gewinn erfahren könne. "Denn diese beginnen in der Regel mit 0900 oder 0137 und verursachen hohe Telefongebühren. Auch hier ist es wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und vorher mit Angehörigen zu sprechen."

Eine besonders fiese Methode sei, wenn Anrufer vorspiegelten, sie seien Polizisten. Bei ihrem Anruf werde im Display die Nummer 110 angezeigt. Sie erzählten zum Beispiel, dass sie Hinweise auf einen geplanten Einbruch hätten und gleich ein "Polizist" vorbeikäme, um die Wertsachen in Sicherheit zu bringen. Oder sie hätten Hinweise auf Falschgeld und ein Kollege käme gleich vorbei, um das Bargeld zu überprüfen. "Aber Achtung: Hier spricht nicht die Polizei!" Die Polizei rufe niemals vom Notruf 110 an, sie bitte niemals darum, Geld oder Wertsachen herauszugeben. Sie übe niemals Druck aus oder schüchtere ein.

Zatschka warnt auch vor Trickbetrügern an der Haustür: "Die Hilfsbereitschaft kann ausgenutzt werden. Egal, ob jemand um ein Glas Wasser bittet, dringend die Toilette aufsuchen will oder Stift und Papier für eine Notiz an den Nachbarn haben möchte: Bitte lassen Sie sich nicht darauf ein! Am besten ist es, solchen Bitten nicht nachzukommen." Über den Türspion könne man sehen, wer vor der Tür steht, ohne aufzumachen. Ein Sperrriegel schütze vor aufdringlichen Menschen; sie könnten dann keinen Fuß in die Tür stellen. Handwerker sollten nur dann in die eigene Wohnung gelassen werden, wenn sie selbst bestellt wurden oder schriftlich angekündigt wurden. Und von (angeblichen) Amtspersonen könne man sich immer den Dienstausweis zeigen lassen und sorgfältig prüfen.

Martin Zatschka bittet darum, komische Situationen und Vorkommnisse immer an die örtliche Polizeidienststelle oder über die Notrufnummer 110 an die Einsatzzentrale zu melden. Eine Meldung zu viel sei besser als eine zu wenig.

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Peter Pirner
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Veröffentlicht am:
03. 11. 2019
18:50 Uhr

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Peter Pirner

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Veröffentlicht am:
03. 11. 2019
18:50 Uhr



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