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Marktredwitz

Räte finden Pläne "grausig" und "unästhetisch"

Der Bauausschuss lehnt den Antrag eines Marktredwitzers ab. Der möchte einen modernen Kubus an ein altes Haus in der Strehlenbergstraße andocken.



Das alte Gebäude am Strehlenberg 1 (links) soll saniert und im vorderen Bereich, wo momentan die Steine hinter dem Zaun liegen, um einen modernen Kubus auf Stelzen erweitert werden. Foto: zys
Das alte Gebäude am Strehlenberg 1 (links) soll saniert und im vorderen Bereich, wo momentan die Steine hinter dem Zaun liegen, um einen modernen Kubus auf Stelzen erweitert werden. Foto: zys  

Marktredwitz - Die Siedlung am Strehlenberg in Marktredwitz zeichnet sich durch ihre einzigartigen Häuser und deren Fassadengestaltung durch Naturstein aus. Ginge es nach dem neuen Besitzer des Anwesens Nummer 1, würde sich das Gesicht der Strehlenbergstraße bei der Einfahrt in die Siedlung gewaltig ändern. Denn an den Altbau möchte der Bauherr nach dessen Sanierung einen modernen Kubus auf Stelzen andocken, unter dem ein Auto-Stellplatz geplant ist. Der Kubus ragt mit einer Größe von neun Mal sechs Metern dominant in den Vorgarten. Das Vorhaben des Marktredwitzers stößt in der Bauausschusssitzung am Dienstagabend auf wenig Gegenliebe bei den Stadträten.

Die Geschichte

Die Siedlung am Strehlenberg ist durch eine private Baugenossenschaft ab 1906 entstanden. Beschäftigte der Didier-Werke zogen hier ein, wie Stadtarchivarin Edith Kalbskopf auf Nachfrage der Frankenpost mitteilt. Die Entwürfe für die Siedlung stammten von einem der berühmtesten Architekten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, nämlich von Städtebauer Theodor Fischer aus München. "Es ist eine der interessantesten Siedlungen in unserer Stadt", betont die Archivarin.

Aus dem Buch von Fritz Baumgärtel geht hervor, "dass die Häuser der Siedlung sämtlich mit dem Marmor der benachbarten Marmor-, Weiß- und Schwarzkalkwerke (ab 1919 Firma ,Marthahütte') gebaut wurden". In der Vorkriegs- und Kriegszeit 1906 bis 1918 entstanden am Strehlenberg 17 Genossenschaftshäuser, in der Nachkriegszeit 1919 bis 1925 nochmals 15 weitere. "Auch Franz Meier, der

das Kalkwerk zusammen mit Hermann Geyer betrieb, ließ seine Villa dort in Ecklage dem Stil der Siedlungshäuser angepasst bauen. In der ersten Bauperiode bis zum Ende der Kriegszeit wurden vorrangig Häuser mit Mansard- und Krüppelwalmdächern errichtet."


"Wir sind der Meinung, dass sich das hier nicht in die Bebauung einfügt", stellt Sachgebietsleiter Harald Fleck klar. Schon 2017 habe der Bauherr Pläne vorgelegt, mit denen sich die Stadt wenig habe anfreunden können. Eine Alternative wären ein Abriss und ein Neubau gewesen, doch der Marktredwitzer habe sich für einen Anbau entschieden. Und der sieht eine 50 Quadratmeter große Wohnfläche in dem Kubus vor, in dem Räume für Wohnen, Schlafen, Dusche und WC samt Terrasse geplant seien. Der überdachte Stellplatz unter dem Kubus nehme eine Fläche von 41 Quadratmetern ein. "Alt- und Anbau sollen zeitweise an Firmen für Mitarbeiter vermietet werden", lässt Fleck die Mitglieder des Bauausschusses wissen.

Gegenüber, auf der anderen Seite der Thölauer Straße, die an die Strehlenbergstraße grenzt, liege zwar der moderne Bau des "Bitz", doch passt der Kubus nach Ansicht Flecks partout nicht zum Strehlenberg-Charakter.

Das findet auch Klaus Haussel (SPD): "Optisch passt das überhaupt nicht in das Ensemble." Rein ästhetisch ist für ihn der Anbau "ausgeschlossen". Oberbürgermeister Oliver Weigel hingegen sieht in dem Umbau einen "architektonischen Kontrapunkt", der einen Bezug zum gegenüberliegenden "Bitz" habe.

"Das sieht aus wie eine hochgestellte Garage", so die Meinung von Markus Kopatsch (ProMak), für den eine Verwirklichung "nicht machbar ist". Nach Ansicht von Martin Gramsch (Freie Wähler) würde der Anbau "das Ensemble zerstören und ein Stück Marktredwitz kaputt machen".

Nicht daran stören würde sich Matthias Standfest (CSU): "Ich finde es modern." Ganz anderer Meinung ist Kurt Rodehau (SPD): "Der Strehlenberg hat eine gewisse Tradition. Deshalb finde ich die Pläne überhaupt nicht gelungen. Ästhetisch passt der Kubus da nicht rein." Thomas Meyer zieht zwar eine Parallele zu Stadthalle und neuer Turnhalle, wo Alt und Neu ebenfalls aneinander stoßen, "aber gefallen tut mir das Vorhaben am Strehlenberg auch nicht". Neu und Alt könnten zusammen wunderschön aussehen, findet Ute Selhorst (Freie Wähler). "Aber dieser Klotz schaut einfach nur grausig aus, ja, absolut scheußlich."

Die Räte lehnen den Antrag des Bauherrn einstimmig ab. OB Weigel rät, mit dem Bauherrn noch einmal eine Beratung durchzuführen, um einen Kompromiss zu finden. "Dann können wir über den Antrag noch einmal befinden.'"

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
17:48 Uhr

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