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Marktredwitz

Sammelbox für ausgediente Handys

In Bad Alexandersbad schafft das EBZ eine Annahmestelle für alte Smartphones. Die Aktion ist ein Beitrag zum Schutz der Umwelt und zur Schonung der Ressourcen.



Ausgediente Smartphones gehören in die Althandy-Sammelbox! Das EBZ in Bad Alexandersbad hat jetzt eine solche Annahmestelle geschaffen. Einige Kinder aus dem gerade laufenden Großeltern-Enkel-Seminar "Bodenschätze" hatten von zu Hause alte Mobiltelefone mitgebracht und gaben sie ab. Heidi Sprügel vom EBZ (hinten rechts) und Catharina Denk vom Eine-Welt-Netzwerk Bayern (hinten links) freuten sich über den gelungenen Auftakt. Foto: Rainer Maier
Ausgediente Smartphones gehören in die Althandy-Sammelbox! Das EBZ in Bad Alexandersbad hat jetzt eine solche Annahmestelle geschaffen. Einige Kinder aus dem gerade laufenden Großeltern-Enkel-Seminar "Bodenschätze" hatten von zu Hause alte Mobiltelefone mitgebracht und gaben sie ab. Heidi Sprügel vom EBZ (hinten rechts) und Catharina Denk vom Eine-Welt-Netzwerk Bayern (hinten links) freuten sich über den gelungenen Auftakt. Foto: Rainer Maier  

Bad Alexandersbad - Die Wahrheit, die Sarah Staubitzer und Paulina Wachsmann verkünden, ist brutal: Im Kongo sterben Tausende Kinder, damit wir in Deutschland mobil telefonieren können. Denn ohne den Rohstoff Coltan, der vor allem in der kongolesischen Bürgerkriegsregion Kivu geschürft wird, würden unsere Smartphones nicht funktionieren. Kinder zwischen sieben und zehn Jahren passen bestens in die kleinen Erdlöcher, aus denen das Erz herausbefördert wird. Für 25 Cent am Tag schuften sie dort, atmen dabei giftigen Coltan-Staub ein.

Staubitzer und Wachsmann tragen bei einem Workshop des Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrums (EBZ) in Bad Alexandersbad die zornige Ballade des nicaraguanischen Dichters Ernesto Cardenal vor. In "Das Handy" geißelt er die rücksichtslose Gier der internationalen Konzerne nach seltenen Rohstoffen. Andere der etwa zwei Dutzend teilnehmenden Kinder am Großeltern-Enkel-Seminar "Bodenschätze" berichten von weiteren Beispielen, wie Menschen in den armen Ländern der Welt ausgebeutet werden, um unsere Industrie mit Handy-Rohstoffen zu versorgen. So leiden fast alle Arbeiter, die in feuchten, kalten Stollen Wolfram-Erz aus den Bergen Boliviens schlagen, unter schwerem Rheuma. Ohne Wolfram, auch das wissen die Kinder jetzt, gäbe es den Vibrationsalarm am Smartphone nicht.

Drei Tage lang haben sich die Mädchen und Jungen und ihre Opas und Omas mit Handys beschäftigt, haben erforscht, woher die mehr als sechzig verschiedenen Stoffe (darunter dreißig Metalle) kommen, die darin verbaut sind. Viele dieser Rohstoffe sind extrem selten - und deswegen begehrt und teuer. Menschen und Tiere verlieren durch den umweltfrevlerischen Abbau ihre Lebensgrundlage. Dadurch, dass Mobiltelefone nur gut 18 Monate lang genutzt werden, bevor sie einem neueren Modell weichen müssen, werden die seltenen Rohstoffe zusätzlich verschwendet. Seit drei Milliarden Jahren lagert das Coltan-Erz in den kongolesischen Bergen. Jetzt haben Experten berechnet, dass es nur noch maximal 125 Jahre dauern wird, bis die moderne Elektroindustrie alle Vorräte aufgebraucht hat.

Das EBZ will dieser Verschwendung nun entgegenwirken: Im Eingangsbereich des Tagungshauses ist am Donnerstag eine Althandy-Sammelstelle eröffnet worden. Gebrauchte Smartphones sollen nicht in irgendwelchen Schreibtisch-Schubladen vergammeln, sondern zum Recycling gebracht werden. "Das schont die Ressourcen, schützt die Umwelt und hilft den Menschen in den Abbaugebieten", sagt Heidi Sprügel, die beim EBZ für ökologische Bildung zuständig ist.

Es gehe nicht, dass man für sein schickes Handy in Kauf nehme, dass anderswo auf der Welt Menschen unter elenden Bedingungen dafür die Rohstoffe schürfen, sagt sie. "Die Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette von Mobiltelefonen sind zahlreich." Von der Bundesregierung fordert sie, aus der bisherigen "Erwartung", dass die Unternehmen in ihrem Auslandsgeschäft Menschenrechte achten, eine wirklich wirksame gesetzliche Regelung zu machen. Eine besondere Herausforderung seien die sogenannten Konfliktstoffe, also wertvolle Rohmaterialien, mit deren Erlös Kriege und Bürgerkriege finanziert werden - wie im Kongo.

Sprügel wünscht sich, dass Rohstoffe fair gefördert und fair gehandelt werden. Zudem sollte der Rohstoff-Verbrauch für Smartphones gesenkt werden. Dies könne man durch besseres Produktdesign und erleichterte Reparierbarkeit erreichen. Auch gesetzliche Anreize für das Handy-Recycling hält die EBZ-Referentin für wichtig: "Wie wäre es mit einem verpflichtenden Pfandsystem für die Rückgabe alter Geräte?", fragt sie.

Unterstützt wird Heidi Sprügel von Catharina Denk aus Pegnitz vom Eine-Welt-Netzwerk Bayern, die unter der Schirmherrschaft von Europaministerin Dr. Beate Merk (CSU) das Projekt "Handyaktion Bayern" vorantreibt. Sie ruft die Menschen auf: "Werden Sie Rohstofflieferant! Bringen Sie Ihr Handy zum Recycling!"

Die Althandy-Sammelstelle im EBZ Bad Alexandersbad ist während der normalen Öffnungszeiten zugänglich. Alle abgegebenen Geräte werden von einer Firma in Bonn fachgerecht zerlegt und die gewonnenen Rohstoffe einer Wiederverwertung zugeführt.

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Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
17:38 Uhr

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Rainer Maier

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14. 06. 2019
17:38 Uhr



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