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Marktredwitz

Sternsinger sammeln für behinderte Kinder

In armen Ländern drohen Jungen und Mädchen mit Handicap Isolation und Gewalt. In der Region kämpft die weltweit größte Solidaritätsaktion mit rückläufigem Interesse.



Diese Utensilien gehören - neben Gewändern und Kronen - zur Ausrüstung der Heiligen Drei Könige. Foto: Peter Pirner
Diese Utensilien gehören - neben Gewändern und Kronen - zur Ausrüstung der Heiligen Drei Könige. Foto: Peter Pirner  

Wunsiedel - Werde Sternsinger - und verändere die Welt! - Dies ist der Aufruf des Kindermissionswerks "Die Sternsinger". Allein zum bundesweiten Auftakt am 28. Dezember im bayerischen Wallfahrtsort Altötting versammelten sich rund 2600 Königinnen und Könige. Insgesamt waren im vergangenen Jahr in Deutschland ungefähr 300 000 Sternsinger und 90 000 Ehrenamtliche beteiligt. Sie haben zahlreiche Menschen besucht und ihnen den Segen Gottes gebracht - fast 50 Millionen Euro haben sie dabei gesammelt.

Kein Wunder, denn die Aktion Dreikönigssingen ist die größte Solidaritätsaktion weltweit. Sie lebt vom Engagement der vielen Kinder und Erwachsenen, die sich gemeinsam für Kinder in Not in der Welt einsetzen. In diesem Jahr stehen Kinder mit Behinderung, insbesondere in Peru, im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ihnen kommen die Spenden aus der diesjährigen Aktion zugute. Diese Unterstützung benötigen sie dringend. Wie in anderen armen Ländern werden die wenigsten von ihnen medizinisch, sozial und psychologisch angemessen begleitet, gefördert und als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen. Oft gehen sie nicht in die Schule, werden ausgegrenzt oder sind Gewalt ausgesetzt. Jede Unterstützung in diesem Bereich ist bedeutend.

Im Landkreis Wunsiedel engagieren sich die katholischen Gemeinden stark für die Aktion. In jeder Pfarrgemeinde sind in diesen Tagen Kinder und Jugendliche als Sternsinger verkleidet unterwegs. Bis zu acht Stunden täglich besuchen sie bis zum Dreikönigstag die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen. Da ist Durchhaltevermögen gefragt. Die Kinder bringen Gottes Segen ganz konkret als Aufkleber oder mit Kreide an die Tür oder an den Türstock geschrieben an: 20*C+M+B+19. Dabei steht C+M+B für "Christus mansionem benedicat", das heißt: "Gott segne dieses Haus!"

Die Sternsinger kommen zu Menschen, die ihnen in aller Regel wohlgesonnen sind. Manche warten regelrecht auf sie. Sie wären enttäuscht, wenn die Heiligen Drei Könige nicht bei ihnen klingeln würden. Viele haben schon Geld und Süßigkeiten bereitgelegt: die Spende für die Aktion und Süßes für die fleißigen Kinder. Sie laufen, meistens von einem Elternteil begleitet, durch die Straßen in dem ihnen zugeteilten Gebiet, klingeln bei meist fremden Menschen, singen ein Lied, sagen einen Spruch auf und bitten um eine Gabe. Selten werden sie abgewiesen, öfters dagegen in die Wohnung gebeten. Kälte und Schnee auf den Straßen wechseln sich ab mit Wärme in den Häusern. Weihrauch wird aufgelegt und verbrannt, ein besonderer Duft begleitet die Gruppe. Meist sind es drei Kinder, manchmal ist noch ein viertes Kind als Sternträger dabei.

Nur noch selten können alle Häuser besucht werden. Die Ortschaften sind gewachsen, die Sternsinger werden eher weniger. In Arzberg zum Beispiel unterstützen die drei Bürgermeister Stefan Göcking, Marion Stowasser-Fürbringer und Stefan Klaubert persönlich seit Jahren die Sternsinger-Aktion. Die Kinder werden über Facebook und persönlich, als Firmlinge und bei Hausbesuchen sowie in der Schule, angesprochen, auch Erwachsene werden geworben. Trotzdem reicht es nicht, um alle Haushalte in Arzberg zu besuchen. Pfarrer Stefan Prunhuber wird also sein Versprechen vom Pfarrabend, sich "Arzberg ist die beste Stadt der Welt" auf die Schulter tätowieren zu lassen, wenn alle Wohnungen besucht werden, nicht einlösen müssen.

In der Pfarreiengemeinschaft Marktleuthen mit den dazugehörigen Pfarreien Marktleuthen, Kirchenlamitz, Röslau und Weißenstadt werden die katholischen Haushalte automatisch besucht, andere nach Anmeldung. Auch hier ist es in den Pfarreien zum Teil knapp, sagt Pfarrsekretärin Christine Kauer, voraussichtlich können aber alle angemeldeten Haushalte besucht werden. Nicht immer sind die Sternsinger zur rechten Zeit am rechten Ort. Wer nicht zuhause ist, findet später einen Aufkleber im Briefkasten, den er selbst anbringen kann. So wird es auch in den anderen Gemeinden gehandhabt.

Kaplan Thomas Fischer von der Pfarrei "Zu den zwölf Aposteln" in Wunsiedel sieht sogar eine Art Wettbewerb, der sich zwischen den Gruppen entwickelt: Wer hat den größten Erfolg, wer sammelt das meiste Geld? Darauf sind die Sternsinger stolz, auch wenn sie persönlich nichts davon haben. In Wunsiedel verteilt sogar die Grundschule die Einladung zum Mitmachen an ihre Schüler, manche Kinder nehmen ihre Freunde mit. Daher laufen auch evangelische Kinder mit. Trotzdem können nicht alle Häuser besucht werden, aber die besuchten Straßen werden von Jahr zu Jahr abgewechselt.

In der Gemeinde Schönwald können alle Bürger besucht werden, egal welcher Konfession, gibt Pfarrsekretärin Anna Pfeifer Auskunft. Die Sternsinger gehen auch ins Altenheim, in Geschäfte und ins Rathaus, möglichst jeder soll erreicht werden. In der Filialgemeinde Selb-Plößberg werden alle Menschen besucht, die sich angemeldet haben. Schon immer sind sowohl katholische als auch evangelische Kinder als Sternsinger dabei. Als Betreuer werden die ehemaligen Sternsinger eingeladen. Um die Gewänder und Kronen kümmern sich Stefanie Wondra, Kathrin Frenzl und Markus Fischer.

In Marktredwitz kann das Gebiet der Pfarrgemeinde Herz Jesu schon längst nicht mehr flächendeckend besucht werden. Besonders engagierte Gruppen gehen daher noch einen Tag mehr in die Gemeinde, obwohl nur zwei Tage angesetzt sind. Ihnen ist wichtig, möglichst viele Menschen zu besuchen, aber auch die Welt ein bisschen gerechter zu machen und die Chancen für Kinder in armen Ländern zu steigern. Zum ersten Mal geben die Schulen in Marktredwitz den Sternsingern einen Tag schulfrei, nämlich gleich am kommenden Montag. Auf Anregung der beiden Gemeindereferentinnen Christine Hecht von Sankt Josef und Edith Konrad von Herz Jesu bedanken sie sich so für das gesellschaftliche Engagement ihrer Schüler.

Haupt- und Ehrenamtliche, meist sind es die Eltern, tun vieles dafür, dass möglichst viele Haushalte besucht werden können. Sie werben um Sternsinger, sorgen für Gewänder, Kronen und Weihrauchkessel, organisieren die Besuche, begleiten die Kinder und sorgen für ein kräftiges Mittagessen.

Die Gruppen erleben jedes Mal neue Menschen und machen neue Erfahrungen. Der Abschluss jedoch ist für alle wie jedes Jahr gleich: Am Sonntag, 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn, dem Dreikönigstag, feiert die Gemeinde zusammen mit den Sternsingern einen festlichen Gottesdienst. Sie bedankt sich bei den eifrigen Kindern und Jugendlichen, die freiwillig und gerne als Sternsinger durch die Gemeinde ziehen: Meistens erhalten sie eine Dank-Urkunde und ein gemeinsames Abschlussessen.

Übrigens: Die Sternsinger bekommen auch Glückwünsche zum Neuen Jahr. Öfters hören sie "Ich wünsche euch ein glückseliges Neues Jahr", im Sinne von "Seid ganz von Glück erfüllt". "Glückselig", ein schönes altes Wort, das sowohl das aktive Tun wie hier als Sternsinger als auch das passive Erleben umfasst. Die Sternsinger freuen sich, wenn ihnen die Türen, die Herzen und die Geldbörsen geöffnet werden.

Wer sammelt das meiste Geld? Darauf sind die

Sternsinger stolz, auch wenn sie nichts davon haben.


zitat

Kaplan Thomas Fischer von der Pfarrei

"Zu den zwölf Aposteln"


Autor

Peter Pirner
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Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
16:36 Uhr

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Peter Pirner

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Veröffentlicht am:
03. 01. 2019
16:36 Uhr



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