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Marktredwitz

Tankstellen-Räuber auf der Flucht

Die Polizei fahndet seit dem frühen Dienstagmorgen nach einem Mann, der in einer Marktredwitzer Tankstelle von einer Angestellten Geld forderte. Ohne Beute flüchtete der Mann aus dem Gebäude und verschwand in der Dunkelheit.



Eine Aufnahme der Überwachungskamera.   Foto: Überwachungskamera » zu den Bildern

Marktredwitz - Dienstag, 5.45 Uhr. Vor einer Viertelstunde hat die Kassiererin die OMV-Tankstelle in der Bayreuther Straße geöffnet. Gleich danach hat der erste Kunde eine Schachtel Zigaretten gekauft. Der nächste, der einige Minuten danach den Tankstellen-Laden betritt, hat was anderes im Sinn: Er verlangt das Geld in der Kasse. "Es ist keines vorhanden", sagte die junge Frau bestimmt und machte keine Anstalten, dem Täter irgendetwas auszuhändigen." Der schaute kurz und flüchtete wortlos ohne Beute.

Polizei bittet um Hinweise

Der Überfall hat sich am Dienstag gegen 5.45 Uhr in der OMV-Tankstelle in der Bayreuther Straße in Marktredwitz ereignet.

Der Täter, der noch auf der Flucht ist, wird von der Polizei wie folgt beschrieben: Er ist etwa 1,70 Meter groß und trug einen schwarzen Pullover mit einem gelben Schriftzug, jeweils eine dunkle Jacke, Hose, Schal und Mütze. Außerdem hatte der Täter eine Plastiktüte dabei.

Zeugen, die im Tatzeitraum vor der Tankstelle Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei in Hof unter der Telefonnummer 09281/7040 zu melden.

 

Die Kassiererin informierte sofort die Polizei, die innerhalb weniger Minuten am Tatort war. "Wir haben sofort die Fahndung eingeleitet und alle Dienststellen in der Umgebung und die Bundespolizei informiert", sagte Udo Roppelt von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. Nach wie vor ist der Täter auf der Flucht. Ob der Mann, nachdem er die Tankstelle verlassen hat, zu Fuß weiter flüchtete oder in ein Auto stieg, ist nicht bekannt. Mittlerweile hat das Fachkommissariat für Eigentumsdelikte der Kriminalpolizei Hof die Ermittlungen übernommen.

 

Kurz nach 12 Uhr beendet die Kassiererin ihren Dienst. "Natürlich habe ich weiter gearbeitet", sagt sie. Angst habe sie keine, "ich hatte den Eindruck, der Räuber war ängstlicher als ich". Ob der Mann eine Waffe bei sich hatte, kann die Frau nicht sagen, gesehen habe sie keine. Allerdings hatte er eine Plastiktüte dabei, in der er wahrscheinlich seine Beute verstauen wollte. Auch lässt sich nicht sagen, ob es sich bei dem Täter um einen Deutschen handelt. Der Überfall ist so schnell gegangen, dass die Kassiererin hierzu keine eindeutigen Angaben machen kann.

Kurz nach der Tat ist auch Tankstelleninhaber Ewald Lang von Weiden nach Marktredwitz gekommen, um der Kollegin beizustehen und der Polizei zu helfen. Lang, der außer in Marktredwitz noch in Tirschenreuth eine und in Hof zwei Tankstellen betreibt, muss mittlerweile den vierten Überfall verkraften. "Ich werde damit schon fertig, aber mir tun natürlich meine Mitarbeiterinnen leid", sagt Lang. Erst im April ist die Tankstelle in Hof überfallen worden. Die Tat hat die Kassiererin psychisch heftig mitgenommen. Fortan war sie nicht mehr in der Lage, in der Nachtschicht zu arbeiten. Letztlich musste sie die Stelle aufgeben.

Warum jemand eine Tankstelle überfällt, kann sich Lang nicht erklären. "Auf die Idee kommt nur ein Trottel, denn wir schöpfen das Geld natürlich regelmäßig ab und lagern es in einem Tresor. Und den Schlüssel dazu habe nur ich. Zudem lässt sich der Tresor nur mit einer automatischen Zeitverzögerung öffnen - und so lange haben Täter sicherlich keine Zeit, am Tatort zu bleiben." In Hof zum Beispiel erbeutete der Räuber im April ganze 510 Euro.

Dass die Täter keinem Klischee entsprechen müssen, hat Lang selbst erlebt. In Tirschenreuth ist vor etwa sieben Jahren seine Tankstelle innerhalb von 14 Tagen zweimal überfallen worden. "Bei der zweiten Tat ist der Mann dann tatsächlich geschnappt worden." Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Tirschenreuther aus sogenanntem guten Haus und Vater von drei Kindern. "Der wollte ein Auto kaufen und hatte offenbar gerade nicht das Geld dafür."

Seine Mitarbeiter, die sich, wie in den meisten Tankstellen, in der Regel allein im Laden befinden, hält Ewald Lang an, im Falle des Falles kein Risiko einzugehen. "Sie sollen lieber das Geld rausgeben als sich zu wehren, denn das könnte den Täter erst recht aggressiv machen."

Als gegen 6.15 Uhr die nächsten Kunden zur Tankstelle kamen, hat die Kassiererin sie ganz normal bedient. "Ich wollte weiterarbeiten und habe mir eigentlich nicht viel dabei gedacht."

Der Tankstellenüberfall vom Dienstag reiht sich in eine ganze Reihe ähnlicher Taten in den vergangenen Wochen ein. Am Samstag, 3. Dezember, hält ein Mann einer Kassiererin in der Waldershofer Tank-Plus-Tankstelle eine Pistole unter die Nase und nimmt einen mittleren dreistelligen Betrag mit. Am 30. November überfällt ein Täter ein Schreibwarengeschäft in der Hofer Innenstadt. Auch er nimmt einen vierstelligen Betrag mit. Schon wenige Tage später ermittelt die Polizei den Täter und einen Komplizen - es handelt sich um zwei Jugendliche aus dem Landkreis Hof.

Den Mini-Markt in der Wunsiedler Goethestraße überfällt ein Mann am 21. November und erbeutet einen hohen dreistelligen Betrag. In Wiesau hat ein Täter am 17. November zugeschlagen und in einem Verbrauchermarkt unter der Drohung, eine Waffe einzusetzen, sechs Packungen Zigaretten und drei Feuerzeuge eingesteckt. Schließlich überfallen am 4. November zwei Männer eine Spielothek in der Schützenstraße in Rehau. Sie haben einen mittleren vierstelligen Geldbetrag erbeutet und zuvor noch die alleine in der Spielothek anwesende Mitarbeiterin gefesselt.

Bis auf den Hofer Schreibwarenladen-Überfall sind alle anderen Taten bisher ungeklärt. Ob es einen Zusammenhang zwischen einigen der Verbrechen gibt, ist laut Udo Roppelt noch nicht bekannt. "Die Spurenermittler waren natürlich an allen Tatorten. Die Auswertung dauert noch an, erst danach kann man sagen, ob es tatsächlich irgendwelche Übereinstimmungen gibt."

Auch wenn alle Überfälle der vergangenen Wochen für die Opfer relativ glimpflich ausgegangen sind, können die Betroffenen dennoch lange Zeit unter Ängsten leiden. Sollten der oder die Täter gefasst werden, können sie von Haftstrafen ausgehen.

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2018
08:45 Uhr

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