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Marktredwitz

Theater zwischen Leben und Tod

Bekommt man im Leben eine zweite Chance? Die Theatergruppe des Otto-Hahn-Gymnasiums geht dieser philosophischen Frage auf den Spuren von Jean-Paul Sartre nach.



Wie kann man sich das Leben nach dem Tod vorstellen? Das ist nur eine Frage, die die Schauspieler mit dem Stück "Das Spiel ist aus" anstießen. Foto: Peter Pirner
Wie kann man sich das Leben nach dem Tod vorstellen? Das ist nur eine Frage, die die Schauspieler mit dem Stück "Das Spiel ist aus" anstießen. Foto: Peter Pirner  

Marktredwitz/Waldershof - "Das Spiel ist aus" heißt ein Drehbuch des französischen Schriftstellers und Philosophen Jean-Paul Sartre. Oberstudienrat Stefan Pitterling wählte dieses anspruchsvolle Stück für seine Theatergruppe am Otto-Hahn-Gymnasium aus, weil es Fragen aufwirft, mit denen sich junge Menschen beschäftigen sollten: Wie kann man sich das Leben nach dem Tod vorstellen? Bekommt man im Leben eine zweite Chance? Die Familien und Freunde der Schauspieler waren zur Aufführung im "Schaffnerlos" in Waldershof eingeladen.

Die Handlung: André vergiftet seine Ehefrau Estelle. Zur gleichen Zeit wird der Revolutionär Pierre erschossen. Im Leben sind sich die beiden nie begegnet, aber im Reich der Toten treffen und verlieben sie sich. Dort sind sie nur noch Zuschauer des Lebens: Sie werden von den Lebenden nicht wahrgenommen und können nichts verändern. Die Standesbeamtin des Totenreichs klärt ihre Verwirrung auf. Sie erfahren, dass sie tot sind. Doch sie bekommen eine zweite Chance, ins Leben zurückzukehren, um ihre Liebe unter Beweis zu stellen. Die Sache hat aber einen Haken: Estelle und Pierre dürfen nur in der Welt der Lebenden bleiben, wenn sie es schaffen, sich 24 Stunden lang uneingeschränkt zu vertrauen und ihre Zuneigung gegenüber Schwierigkeiten zu behaupten.

Schließlich vernachlässigen die beiden ihre Liebe, verspielen ihre Chance und müssen ins Reich der Toten zurückkehren.

Viele tiefgehende Fragen stellten sich Zuschauer und Schauspieler. Muss ich das Leben erst verlieren, um es zu erkennen? Kann diese Erkenntnis etwas verändern? Wie stark bestimmen mich nicht gelöste Konflikte aus der Vergangenheit? Welches Verhältnis haben Liebe, Freundschaft und Kameradschaft zueinander? Welche Antworten kann der Tod auf Fragen zum Leben geben?

Stefan Pitterling hat das Stück und die Umsetzung intensiv mit den Schülern besprochen. "Da kamen eine Menge Ideen auf. Wir haben uns geeinigt, vor allem auf die verschiedenen Ebenen zwischen Leben und Tod einzugehen." An einigen Stellen sei das Original zeitgemäß interpretiert worden.

Klasse fand Pitterling, dass das "Schaffnerlos" der Gruppe wieder für die Proben und die Aufführung zur Verfügung stand. Die Jugendlichen kämen dort aus ihrem gewohnten Umfeld in der Schule heraus. Dadurch würden sie nochmal ganz anders gefordert. "Die Atmosphäre hier ist einfach toll", fasste der Spielleiter zusammen. Lea Grünler, die die Rolle der bürokratischen Standesbeamtin spielte, kommentierte das gute Miteinander von Darstellern und Zuschauern im engen Gastraum: "Das Publikum war ruhiger, als ich dachte".

Für die Gestaltung der Bühne und des Zuschauerraums haben weitere Schüler gesorgt. Das Kunst-Additum der elften Jahrgangsstufe hatte bei den Proben Szenen fotografiert, die Bilder wurden bearbeitet, ergänzt, ausgeschnitten und bei der Aufführung auf den Tischen ausgelegt. Für Kunstlehrerin Eva Konz haben sie sich damit auch auf die Abiturprüfung vorbereitet: "Sie haben für Probleme eigenständig Lösungen gefunden". Schüler des musischen Zweigs der Jahrgangsstufe zehn haben zusätzlich grafische Arbeiten mit Edding und Kohle gefertigt, bei denen die Emotionen vorrangig sind.

Nora Dreßler, die Estelle spielte, war froh, dass das Theaterstück so gut geklappt hat: "Jeder blieb in seiner Rolle, spielte ohne Patzer". Auf die Frage, woher das käme, gab sie zur Antwort: "Stefan Pitterling hat seine ganze Kraft und sein Herz in die Proben gesteckt, das schätzen wir so sehr an ihm". Jan Meuche dachte über seine Rolle als Pierre, den Anführer der Revolution, nach: "Das ist schon etwas, was mir auch im Leben liegt. Ich habe ja auch die ‚Fridays for future’-Demo mit organisiert."

Bekommt man eine zweite Chance im Leben? Eine sichere Antwort liefert das Stück dem Zuschauer nicht. Eher eine Gegenfrage: Kann ich eine zweite Chance nutzen? Und wenn ja: Wie?

Autor

Peter Pirner
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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
16:16 Uhr

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Peter Pirner

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12. 04. 2019
16:16 Uhr



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