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Marktredwitz

Vom "waafen" und dem "Krippl"

Im "Erzählcafé" in Marktredwitz sorgt Adrian Roßner mit Erzählungen und Lesungen für eine kurzweilige Stunde. Er betont das verbindende Element von Dialekt.



Der Historiker Adrian Roßner (rechts) bescherte den Gästen beim Erzählcafé in Marktredwitz eine kurzweilige Stunde am Vormittag. Foto: Herbert Scharf
Der Historiker Adrian Roßner (rechts) bescherte den Gästen beim Erzählcafé in Marktredwitz eine kurzweilige Stunde am Vormittag. Foto: Herbert Scharf  

Marktredwitz - Das Fichtelgebirgsmuseum und der FGV hatten im Rahmen des Projekts "Wer sind wir? Kulturelle Diversität in der Region(algeschichte)" in den Markt 31 in der Marktredwitzer Innenstadt zu einem ganz besonderen Erzählcafé eingeladen. Bei diesem Frühschoppen-Erzählcafé erzählte Adrian Roßner "kleine G’schichtla" und lustige Anekdoten aus längst vergessenen Tagen.

Die kurzweiligen Episoden sollten die Gäste dazu ermuntern, Erinnerungen an ähnliche Erlebnisse wieder aufzufrischen. Bei einer Tasse Kaffee oder einem Gläschen Sekt bestand die Möglichkeit, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen, gemeinsam in Erinnerung zu schwelgen und die eigene Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.

Das Interesse an diesem Thema konnte sich sehen lassen: Es blieb kein Platz frei. Das Projekt des Museums sei auch ein Teil der Selbstfindung der Region, begann Roßner. Nach dem Wegbrechen der Porzellanindustrie suche die Region nach ihrer Identität. Dialektforschung, Erinnerungen an die Geschichte und aktuelle Entwicklungen gehörten dazu.

"Das ist nicht einfach", erklärte Roßner. "Denn auch im Fichtelgebirge gibt es noch große Unterschiede in der Entwicklung und Sprache. War die Region in früheren Jahrhunderten zunächst von der Landwirtschaft und dem Handwerk geprägt, so war es später die Porzellanindustrie, die nun von anderen Betrieben abgelöst wird."

In gewohnt unterhaltsamer Art erklärte der Referent manche Dialektausdrücke wie "waafen" (unterhalten), das seinen Ursprung in einem Fachbegriff der Weberei, der "Weife" (Spule), habe. In einer Zeit, in der alles immer umfangreicher und größer werde, entsännen sich die Menschen wieder ihrer regionalen Identität, fuhr Roßner fort. Ein Beispiel dafür seien die örtlichen Kennzeichen wie MAK, SEL, REH oder KEM.

Der Historiker und Autor warnte davor, die regionalen Identitäten zu verwässern. Er erinnerte an die Bemühungen der "gehobenen Gesellschaft" in früheren Jahrhunderten, sich wenigstens sprachlich mit der französischen Sprache vom "gemeinen Volk" abzuheben, und unterstrich das verbindende Element des Dialekts. Trottoir für den Gehsteig und Chaiselongue für das Sofa erinnerten heute noch an die Zeiten.

"Regionale Kultur ist aber nichts Starres. Sie verändert sich mit der Zeit." Bestimmte Ausdrücke fielen weg, weil es auch die damit bezeichneten Gegenstände nicht mehr gebe oder aktuelle Entwicklungen hineinspielten. Aber auch besondere Ausdrücke oder Bezeichnungen unterschieden die Regionen, schmunzelte Roßner. So werde in Franken das Holz "zusammengesägt", während es in anderen Landstrichen gespalten oder zersägt werde. Und die Bezeichnung "Krippl" sei keineswegs eine Beleidigung, sondern eher eine Anerkennung für einen gewieften Zeitgenossen.

Anschließend sprachen die Teilnehmer auch über das Bemühen in den Schulen, den regionalen Dialekt zurückzudrängen, was eher kontraproduktiv sei. Nach einer kurzweiligen Stunde mit dem Historiker vertieften die Gäste des Erzählcafés das Gehörte noch bei einem Gläschen Sekt oder einer Tasse Kaffee.

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Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
17:42 Uhr

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12. 07. 2019
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